Eine fast normale Alpbach-Eröffnung

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Es war fast wie in seligen Vor-Corona-Zeiten: Am Sonntag ging im Tiroler Bergdorf Alpbach die feierliche Eröffnung des dortigen Europäischen Forums im Zuge des traditionellen „Tirol-Tages“ über die Bühne - Schützenaufmarsch wieder inklusive. Einhellig wurde von den Rednern an das Gemeinsame in schwierigen Zeiten wie diesen appelliert. Tirols LH Günther Platter (ÖVP) warnte vor einer Spaltung der Gesellschaft - in Sachen Pandemie, aber auch bei Klimawandel und Migration.

Fast alles war wieder aufmarschiert - wenn auch Corona-bedingt in etwas geringerer Anzahl als noch vor zwei Jahren im „Dorf der Denker“: Nach einem Gottesdienst in der Pfarrkirche war - im Gegensatz zum Vorjahr- wieder Platz für den „Landesüblichen Empfang“ durch Schützen, Musikkapelle und Traditionsabordnungen, diesmal vor dem Congress Centrum. Die Tiroler Landeshymne „Zu Mantua in Banden“ durfte ebenso wenig fehlen wie die österreichische Bundeshymne, Europahymne, Ehrensalve und „Schnapserl“-Ausgabe.

Im Congress Centrum drinnen - in das man unter allerlei Sicherheitsauflagen wie verpflichtenden PCR-Test gelangte - dann mahnende Worte und flammende Appelle an Gemeinschaftssinn: Platter wandte sich in seiner Rede gegen „Polarisierung“ - auf der einen, wie auf der anderen Seite. „Wir müssen aufpassen, dass nicht Bruchlinien gegeben sind“, meinte der Landeschef in Bezug auf Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie und wandte sich einmal mehr gegen eine „generelle Impfpflicht“. Man müsse verhindern, dass eine „Spaltung entsteht“. Vielleicht müssten da oder dort einige „Rahmenbedingungen geändert“ werden - dies sei epidemiologisch zu beurteilen. Man müsse die Bevölkerung mitnehmen. Auch in Sachen Bekämpfung des Klimawandels und der „illegalen Migration“ sprach sich Platter gegen ein „Auseinanderdividieren“ aus und für das Gemeinsame und das Zusammenhalten.

Die „großen Themen“ würden nicht vor regionalen Grenzen Halt machen, mahnte indes sein Südtiroler Amtskollege Arno Kompatscher (SVP), als Europaregion Tirol-Kollege natürlich auch vor Ort - wie der Südtiroler Landeschef Maurizio Fugatti. In Sachen Klimawandel gehe man „sehenden Auges einer Apokalypse“ entgegen, so Kompatscher, und plädierte vehement für ein gemeinsames Vorgehen. Kompatscher erinnerte zudem an die katastrophale Lage in Afghanistan und meinte: „Ja, wir spüren das auch hier“.

Neo-Forums-Präsident und Ex-Erste Bank-Chef Andreas Treichl erinnerte angesichts der Krisenherde in der Welt daran, dass Friede und Wohlstand hierzulande nicht selbstverständlich seien. Man müsse sich fragen, was man tun könne „um andere an dem Glück teilhaben zu lassen“, nahm er wohl Bezug auf eine potenzielle Flüchtlingsaufnahme.

Letzteres nahm auch Raum in der Predigt von Innsbrucks Diözesanbischof Hermann Glettler in der Pfarrkirche ein. Er appellierte an einen „Geist der Großherzigkeit“ und trat gegen „Populismus“ in der Frage auf. Man müsse sich „diesen extrem verzweifelten Menschen“ gerade jetzt zuwenden, so Glettler angesichts der Lage in Afghanistan.

Im Mittelpunkt des „Tirol-Tages“ stand auch eine Reform der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino. Entsprechende Verträge wurden unterzeichnet. Die Landtage sollen aufgewertet, die Gemeinden mehr eingebunden sowie etwa ein Bürgerrat geschaffen werden.

Das Europäische Forum Alpbach widmet sich noch bis 3. September unter dem Motto „The Great Transformation“ Fragen zur Zukunft Europas, Möglichkeiten, diese Zukunft zu finanzieren, sowie Chancen, die die Klimakrise bieten könnte. Das Forum findet in diesem Jahr analog und digital statt. Viele Veranstaltungen werden in hybrider Form organisiert, mit Rednern in Alpbach selbst und digital zugeschalteten Diskutanten. Für eine physische Teilnahme an den Konferenz gilt eine Obergrenze von 1.000 Personen pro Tag.


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