Ein Toter bei Gefecht am Flughafen Kabul

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Bei einem Feuergefecht afghanischer Sicherheitskräfte sowie deutscher und US-amerikanischer Soldaten mit unbekannten Angreifern am Flughafen Kabul ist ein Soldat der inzwischen aufgelösten afghanischen Armee, der zusammen mit den internationalen Kräften zum Schutz des Airports eingesetzt war, getötet worden. Drei weitere afghanische Sicherheitskräfte wurden Montagfrüh verletzt, twitterte die deutsche Bundeswehr.

Von dem Flughafen starten die Evakuierungsflüge, mit denen westliche Staaten nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban eigene Bürger und afghanische Ortskräfte außer Landes bringen. Soldaten der ehemaligen afghanischen Armee sind an der äußeren Zugangsschleuse zum Flughafen eingesetzt. Eine zweite, innere Zugangsschleuse wird von US-Soldaten bewacht.

Nach Angaben der Bundeswehr kam es zu dem Schusswechsel gegen 4.15 Uhr (MESZ) am Nordtor des Airports. Alle deutschen Soldaten seien unverletzt geblieben. Die deutsche Botschaft hatte erst kurz zuvor gewarnt, dass es an den Zugängen immer noch sehr häufig zu gefährlichen Situationen und bewaffneten Auseinandersetzungen komme. Das Tor im Norden sei weiter geschlossen. Aufgrund der Sicherheitslage riet die Botschaft die Deutschen und afghanischen Ortskräften „dringend“ von Fahrten zum Flughafen ab. Es sei vorläufig grundsätzlich sicherer, zu Hause oder an einem geschützten Ort zu bleiben.

Die verletzten afghanischen Soldaten wurden von norwegischen Sanitätern auf dem Flughafengelände behandelt. In den vergangenen Tagen hatte sich die Sicherheitslage zugespitzt. Im Gedränge vor den zeitweise geschlossenen Toren des Flughafens gab es am Wochenende mindestens sieben Tote.

Über die Angreifer am Flughafen wurde zunächst nichts bekannt. Die US-Regierung hatte erst am Sonntag Sorgen vor einem Anschlag der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) am Flughafen oder in der Umgebung geäußert. „Die Bedrohung ist real, sie ist akut, sie ist anhaltend“, sagte der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, im Sender CNN. Man nehme die Warnungen „absolut todernst“. Die Taliban und der regional aktive Zweig des IS sind verfeindet und haben in der Vergangenheit gegeneinander gekämpft.

Die Bundeswehr hat inzwischen mehr als 2.700 Menschen aus Kabul ausgeflogen, darunter mehr als 1.800 Afghanen. In der Hauptstadt des Nachbarlandes Usbekistan, Taschkent, landete nach Angaben der Bundeswehr aus der Nacht ein Flugzeug mit 213 Passagieren. Auch die USA und andere westliche Staaten führen Evakuierungen durch. Vor einer Woche hatten die militant-islamistischen Taliban Kabul erobert und die Macht übernommen. Seitdem fürchten sich Oppositionelle, Journalisten, Menschenrechtler und auch Ortskräfte, die für westliche Staaten tätig waren, vor Racheaktionen.

Das italienische Militär hat über seine Luftbrücke bisher mehr als 1.800 Afghanen aus Kabul ausgeflogen. Das Verteidigungsministerium in Rom berichtete am Montag von einem Flug mit 203 afghanischen Staatsbürgern, der am Hauptstadtflughafen Fiumicino landete. Auf Fotos der italienischen Luftwaffe, die mit rund etwa 1.500 Soldaten und mehreren Transportflugzeugen im Einsatz ist, waren zahlreiche Menschen zu sehen, die in einer Transportmaschine auf dem Boden saßen. Die Luftbrücke wird vom italienischen Verteidigungsministerium von Kabul via Kuwait organisiert. Die Evakuierten wurden in Rom Corona-Kontrollen unterzogen. Sie wurden dann mit einem Bus der italienischen Armee in Flüchtlingseinrichtungen untergebracht, berichteten italienische Medien.

Das britische Verteidigungsministerium meldete am Montag, man habe bisher 5.725 Menschen aus Afghanistan in Sicherheit gebracht, darunter über 3.100 ehemalige afghanische Ortskräfte und deren Angehörige. Premierminister Boris Johnson will sich unterdessen bei US-Präsident Joe Biden für eine Verlängerung des Evakuierungseinsatzes in Afghanistan über die bisherige Deadline Ende August hinaus einsetzen. Das sagte Verteidigungs-Staatssekretär James Heappey dem Nachrichtensender Sky News. Johnson werde das am Dienstag beim Sondergipfel der G7-Staats- und Regierungschefs zu Afghanistan ansprechen.

Heappey machte auch deutlich, dass eine Fortsetzung des Evakuierungseinsatzes ohne die USA nicht denkbar ist. Das liege nicht nur an den US-Truppen, die den Einsatz sicherten, sondern auch am Betrieb des Flughafens. „Die harte Realität ist, dass es ohne die Unterstützung der USA keine internationale Luftbrücke geben würde.“ In Großbritannien hatte es Forderungen gegeben, die eigene Evakuierungsmission notfalls auch ohne US-Unterstützung fortzusetzen.

Es müsse jedoch klar sein, dass auch die Taliban in die Gespräche einbezogen werden müssen, fuhr Heappey fort. Die militant-islamistische Gruppe habe die Wahl, entweder mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, oder sich auf den Standpunkt zu stellen, dass es keine Möglichkeit für eine Verlängerung gebe.

Ein Sprecher der Taliban in der Hauptstadt Katars Doha sagte Sky News, eine Verlängerung der Frist zu Evakuierung käme einer Verlängerung der militärischen Besatzung seines Landes gleich. Das sei weder notwendig noch werde man sich darauf einlassen. Sollten sich die USA dazu entscheiden, werde das Konsequenzen haben, so der Sprecher weiter.


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