„Einzigartig“: Albertina zeigt „American Photography“

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Alle sind sie da: Nan Goldin und Cindy Sherman, Walker Evans und Robert Frank, Diane Arbus und Richard Avedon, William Eggleston und Joel Sternfeld. Die Albertina zeigt ab Dienstag in der Basteihalle „American Photography“ und lässt dabei wenig aus. 190 Arbeiten von 33 Fotografinnen und Fotografen aus acht Jahrzehnten. „Es ist eine einzigartige Ausstellung“ begeisterte sich Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder am Montag bei der Presseführung.

Die Neugründung der Fotosammlung sei eine der ersten Initiativen seiner Amtszeit gewesen, schilderte Schröder. Schon damals sei American Photography einer der Schwerpunkte gewesen, den man durch die Übernahme der Sammlungen Essl und Jablonka noch ausgebaut habe. „Das war eine tolle Ausgangsbasis. Dennoch hatten wir Lücken. Die Sammlung von Botschafter Trevor D. Traina hat sie großartig geschlossen.“

„Ich sagte: Sucht Euch aus, was Ihr wollt!“, erzählte Traina schmunzelnd vom Auswahlprozess. Der Technologie-Unternehmer und Philanthrop war von 2018 bis zu Beginn des heurigen Jahres US-Botschafter in Österreich und zeigte sich von der Albertina-Fotosammlung beeindruckt. „Meiner Meinung nach ist kein Museum heutzutage komplett, wenn es nicht auch eine umfassende Fotosammlung hat.“ Die Entwicklung der Fotografie von der Dokumentation hin zur umfassenden Integration in die Künste zeigt nicht zuletzt seine eigene große Sammlung, die von Schröder als eine der wesentlichen einschlägigen Privatsammlungen gewürdigt wurde. 50 Werke von Trainas Sammlung ergänzen nun in der Ausstellung 140 Fotografien aus dem Museums-Bestand.

Die aus Wien stammende Lisette Model und ihre Schüler Diane Arbus und Richard Avedon stehen am Anfang eines umfassenden Ausstellungs-Parcours von den 1930er- bis zu den 2000er-Jahren, der den American Way of Life in vielen unterschiedlichen Positionen würdigt. Albertina-Kurator Walter Moser nannte Walker Evans in diesem Zusammenhang eine Schlüsselfigur. „Seine Absicht, Alltägliches sichtbar zu machen, ist bis heute prägend.“ Street Photography, Konsumkultur und die Schattenseiten des „American Dream“ finden sich in vielfältigen Positionen wieder, kleinformatige, im Augenblick entstandene Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind ebenso vertreten wie großformatige, dekorative Inszenierungen in Farbe.

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„Amerika ist so komplex, es ist herrlich und fürchterlich zugleich, es gibt Reichtum und Armut, Zuversicht und Depression nebeneinander“, sagte Traina. „Ich hoffe, dass diese Ausstellung den Besuchern das Verständnis für die Komplexität dieses Landes vertiefen kann.“ Das könne auch der hervorragende, begleitende Katalog leisten, versicherte Schröder: „Ich kann Ihnen nur raten: Lesen Sie diese Texte!“

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