Schau „Overground Resistance“ widmet sich Klimaaktivismus

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Wo endet Klimaaktivismus und wo beginnt Kunst? In der von Oliver Ressler kuratierten Ausstellung „Overground Resistance“ im frei_raum Q21 im Wiener Museumsquartier wird man keine klaren Antworten bekommen. Vielmehr bieten die 13 Positionen aus Europa, Nord- und Südamerika Gelegenheit, dieser Frage selbst auf den Grund zu gehen. Dafür sollte man allerdings eine Portion Zeit mitbringen - handelt es sich bei vielen Werken doch um Videoarbeiten.

Auch Kurator Ressler, der jüngst durch die Sperre seines YouTube-Kontos durch den Konzern und die anschließende Wiederfreischaltung medial präsent war, ist mit zwei Arbeiten vertreten, die er selbst als Klammer der Ausstellung bezeichnet. Schließlich untersucht er in seinem vom FWF finanzierten Forschungsprojekt „Barricading the Ice Sheets“ die Klimakrise, die Klimagerechtigkeitsbewegung und ihr Verhältnis zur Kunst, aus dem auch eine Ausstellung entstanden ist, die kommende Woche in der Camera Austria in Graz eröffnet. In der Wiener Ausstellung zu sehen ist sein 38-minütiger Film „Barricade Cultures of the Future“, in dem Protagonistinnen und Protagonisten der sich zwischen Kunst und Aktivismus bewegenden Klimabewegung zu Wort kommen. Darin will er verdeutlichen, dass sich die beiden Felder „in der Praxis überschneiden und sich oft nicht voneinander trennen lassen. Darüber hinaus zeigt er ergänzend das Video „Overturn the Present, Barricade the Future“.

Im Film zu Wort kommt unter anderen Jay Jordan vom französischen „Laboratory of Insurrectionary Imagination“, das in der Schau im frei_raum Q21 mit der Arbeit „Notre Flamme Des Landes: The Illegal Lighthouse Against an Airport and Its World“ vertreten ist. Schauplatz des Films sind jene Felder im Nordwesten von Nantes, auf denen einst ein Flughafen gebaut werden sollte, was jedoch durch einen 50 Jahre andauernden Widerstand verhindert wurde und mittlerweile mit den „Commoning Labors“ „Europas größte Freiluftbesetzung“ wurde. Auch Steve Lyons von der US-amerikanischen Aktivistengruppe „The Natural History Museum“ ist Teil von Resslers Film. In der Ausstellung ist eine mehrteilige Arbeit vertreten, die Einblick in die kritische Aufarbeitung der Arbeit des Houston Museum of Natural Sciences und seiner Firmensponsoren gibt. So gibt die Gruppe etwa monatliche „Toxic Tours“ durch East Houstons petrochemische Anlagen und Raffinerien.

Zu den nicht-bewegten Bildern der Schau gehört der Beitrag „#NpDAPL“ des Künstlers Gilbert Kills Pretty Enemy III: Er zeigt Poster und Transparente rund um die indigenen Proteste gegen die „Dakota Access Pipeline“ im Norden der USA, die eine ernsthafte Bedrohung für die Wasserversorgung der Region darstellt. Seine künstlerischen Arbeiten sind laut dem Kurator „eine scharfe Kommunikationswaffe für indigene Wasserschützer“, indem sie vergangene, gegenwärtige und zukünftige Geschichten und Bilder vereinen. Künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum schafft auch Noel Douglas mit „No Breathing Space“: Der Künstler thematisiert darin die Luftschadstoffe in London. Seine Arbeiten, die er anstelle von kommerziellen City-Lights anbringt, zeigen abstrahierte Lungenflügel.

Zu jenen Videoarbeiten, die auch ohne Ton auf den ersten Blick greifbar sind, gehört „Rise: From One Island to Another“ von Kathy Jetnil-Kijiner und Aka Niviana. In einer Expedition begleitet der Film zwei Inselbewohnerinnen von den Marshallinseln einerseits und Grönland andererseits und thematisiert in eindrucksvollen Bildern schmelzende Gletscher und steigende Meeresspiegel. Eine Arbeit, die den Antrieb aller anderen Werke der Schau vereint.

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