Kurz befragte Lawrow zur Situation in Afghanistan

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Mit einem Arbeitsabendessen bei Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) im Bundeskanzleramt hat Russlands Außenminister Sergej Lawrow am Mittwochabend das Programm seines bilateralen Arbeitsbesuch fast absolviert. Vor dem Weiterflug nach Rom wird er am Donnerstag noch österreichische Wirtschaftstreibende treffen. Intensive Gespräche mit Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) und Kurz ließen wenig Zweifel, dass der hintergründige Austausch im Zentrum dieses Besuchs stand.

Während sich der österreichische Bundeskanzler Kurz vor Fotografen zurückhaltend und ernst präsentierte, lachte der sonst auch für seinen zeitweiligen Griesgram bekannte Lawrow am Mittwochabend herzlich. Jene deutlichen Differenzen, die der russische Außenminister und sein österreichischer Amtskollege Schallenberg am frühen Nachmittag bei ihrer Pressekonferenz gemeinsam zur Schau gestellt hatten, hatte Lawrows Stimmung sichtlich nicht getrübt. Aber auch die Entourage des russischen Ministers war positiv gestimmt und zeigte sich vor allem über eine kleine Geste erfreut: Außenamtsprecherin Marija Sacharowa wies auf Telegram darauf an, dass für ihren Chef eigens die russische Staatsfahne über dem Bundeskanzleramt gehisst worden war.

Inhaltlich drehte sich die Begegnung der sehr guten Bekannten Kurz und Lawrow insbesondere um Fragen der internationalen Politik. Es sei die Situation in Afghanistan insbesondere auch in Hinblick auf eine mögliche Migrationswelle besprochen worden, erzählte ein Sprecher des Bundeskanzleramts der APA. „Der Kanzler hat bekräftigt, dass sich (die Flüchtlingskrise von, Anm.) 2015 nicht wiederholen dürfe“, schilderte er. Kurz habe aber auch die Situation mit Flüchtlingen an der belarussisch-litauischen Grenze angesprochen, für die europäische Politiker das Regime von Alexander Lukaschenko in Minsk verantwortlich machen.

Neben Fragen der Klimakrise und der Anerkennung des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik-V seien zudem aber auch die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen in der etwa zwei Stunden langen Begegnung besprochen worden, berichtete der Vertreter des Bundeskanzleramts.

Ähnliche Themenpakete waren zuvor von Lawrow aber auch schon mit Außenminister Schallenberg erörtert worden. Die beiden Minister hatten einander am späten Vormittag im Außenministerium am Minoritenplatz getroffen und hatten sich nach einer erste Runde Medienvertretern gestellt. Bei einem Mittagessen in lockerer Atmosphäre beim Heurigen seien die Gespräche 1,5 Stunden lang fortgesetzt worden, informierte ein Sprecher des österreichischen Außenministeriums. „Einigkeit bestand darüber, dass Dialog und Diplomatie wichtiger denn je sind“, erklärte er. Beide Außenämter veröffentlichten in Folge Fotos mit ihren Ministern am Wiener Kahlenberg, die eher wie Tourismuswerbung anmuteten.

Einvernehmen herrschte aber auch nach diesem Mittagessen, als Lawrow am Nachmittag Vertreter des austro-russischen „Sotschi-Dialogs“ in der russischen Botschaft traf. „Es war ein ausgesprochen gutes Gespräch, sehr verständnisvoll, und Lawrow hat unsere Aktivitäten gewürdigt“, sagte der österreichischer Ko-Vorsitzender im Lenkungsausschuss des „Sotschi-Dialogs“, Christoph Leitl, der APA.


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