US-Botschaft warnt vor Gefahr am Flughafen von Kabul

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Die US-Botschaft in Kabul hat US-Bürgern aus Sicherheitsgründen davon abgeraten, zum Flughafen der afghanischen Hauptstadt zu kommen. Es gebe eine Gefahrenlage an den Toren des Flughafens, warnte die Botschaft in der Nacht auf Donnerstag. „US-Bürger, die sich derzeit am Abbey Gate, East Gate oder North Gate aufhalten, sollten das Gebiet sofort verlassen“, hieß es weiter. Ausnahmen sollten nur im Falle individueller Anweisungen von Vertretern der US-Regierung gemacht werden.

Auch Großbritannien forderte seine bis jetzt in Afghanistan verbliebenen Staatsbürger wegen der Gefahr von Anschlägen auf, sich vom Kabuler Flughafen fernzuhalten. „Wenn Sie sich beim Flughafen aufhalten, entfernen Sie sich zu einem sicheren Ort und warten Sie auf weitere Hinweise“, hieß es auf der Webseite des britischen Außenministeriums am Mittwoch. Es gebe eine „anhaltende und hohe Gefahr terroristischer Angriffe“. Zuvor hatte bereits die deutsche Botschaft vor Schießereien und Terroranschlägen am Flughafen von Kabul gewarnt.

Seit Tagen drängen sich an den Eingängen zum Flughafen tausende Menschen, die wegen der Machtübernahme der Taliban auf einen Platz an Bord eines Evakuierungsfluges hoffen. Mindestens acht Menschen starben dort bisher. „Wenn Sie Afghanistan sicher auf andere Weise verlassen können, sollten Sie das sofort tun“, hieß es auf der Webseite der britischen Regierung.

Mehrere westliche Staaten hatten die Einstellung ihrer Evakuierungsmissionen bis Donnerstag angekündigt, wenn die USA an einem endgültigen Abzug ihrer Truppen bis nächsten Dienstag festhalten würden. Belgien stellte bereits am Mittwoch seine Rettungsflüge ein.

Die US-Regierung will unterdessen auch nach dem 31. August US-Amerikaner und Afghanen bei der Ausreise aus Afghanistan unterstützen. „Wir und die internationale Gemeinschaft erwarten, dass die Menschen, die Afghanistan nach dem Abzug des US-Militärs verlassen wollen, dies auch tun können. Daran arbeiten wir“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, am Mittwochnachmittag (Ortszeit). Man prüfe eine Reihe von Möglichkeiten, wie man etwa weiter konsularische Unterstützung leisten können.

US-Außenminister Antony Blinken sprach davon, dass es keine „Frist“ für die Bemühungen gebe, ausreisewilligen US-Amerikanern oder Afghanen zu helfen. Die militant-islamistischen Taliban hätten sich verpflicht, Menschen über den 31. August hinaus sicheres Geleit zu ermöglichen. „Und wir haben sicherlich Anreize und Druckmittel gegenüber einer zukünftigen afghanischen Regierung, um sicherzustellen, dass dies geschieht“, sagte Blinken weiter ohne ins Detail zu gehen.

US-Präsident Joe Biden hatte am Dienstag nach einer Videoschaltung mit den Staats- und Regierungschefs der G7-Länder erklärt, dass er an dem Plan festhalte, die amerikanischen Truppen bis zum 31. August aus Kabul abzuziehen. Das US-Militär kontrolliert derzeit den Airport in Kabul und sichert die internationale Evakuierungsmission dort ab. Die verbliebenen internationalen Kräfte am Flughafen sind bei ihren Evakuierungsaktionen auf den Schutz durch US-Truppen angewiesen.

„Wir sind auf dem richtigen Weg, um unsere Mission bis zum 31. August abzuschließen“, betonte Sprecherin Psaki. Der Präsident sei aber über Notfallpläne informiert worden, falls man doch länger bleiben müsse. Biden hatte zuvor das Außen- und Verteidigungsministerium angewiesen, diese Alternativpläne zu erarbeiten. Unabhängig davon, suche man aber nach Möglichkeiten, Amerikanern und anderen die Evakuierung auch nach dem Truppenabzug zu ermöglichen.

Die Sicherheitslage in Afghanistan ist seit der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban weitgehend ruhig. Das geht aus einem wöchentlichen Bericht der UN-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) hervor, der am Mittwochabend veröffentlicht wurde. In den allermeisten Regionen des Landes sei die Sicherheitssituation im Berichtszeitraum - der Woche nach der Taliban-Machtübernahme - vergleichsweise ruhig.

In dem Bericht hieß es, im Süden seien Zivilistinnen und Zivilisten weiter von Explosionen durch am Straßenrand versteckte Bomben betroffen gewesen oder von Kugeln durch Freudenschüsse in den Provinzhauptstädten. Die großen Krankenhäuser in der südlichen Region hätten zudem eine große Zahl an Patienten aufgenommen, die bereits früher verletzt worden waren, wegen andauernder Gefechte und Straßensperren aber keine Möglichkeit gehabt hätten, in Krankenhäuser zu kommen.

Im Nordosten habe es Berichte über Gefechte in den Bezirken Pul-i Hisar, Dih Salah und Bano der Provinz Baghlan gegeben. Einem Bericht der „New York Times“ zufolge hatten Hausdurchsuchungen durch die Taliban diese Gefechte mit lokalen Milizen ausgelöst. Aus den Provinzen Kabul und Panjshir seien mehrere Sicherheitsvorfälle und Gewalttaten gemeldet worden. Allerdings gibt es in dem Bericht keine Details hierzu.

In der Stadt Jalalabad im Osten seien Berichten zufolge zwei Zivilisten getötet und sechs weitere im Zuge eines Protests am Nationalfeiertag verletzt worden, hieß es weiter. Lokale Journalisten berichteten, Taliban-Kämpfer hätten das Feuer eröffnet. Vergangenen Samstag habe es bewaffnete Zusammenstöße zwischen Kämpfern der Taliban und der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Bezirk Alingar der Provinz Laghman im Osten gegeben.


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