Wachsende Terrorgefahr am Flughafen Kabul

  • Artikel
  • Diskussion

Ein Vertreter der britischen Regierung hält einen Terroranschlag am Flughafen in Kabul binnen Stunden für möglich. Auf die Frage des Senders Sky News, ob sich ein Anschlag innerhalb der nächsten Stunden ereignen könne, sagte Verteidigungsstaatssekretär James Heappey am Donnerstag ausdrücklich „Ja“. Ein NATO-Diplomat appellierte, Drohungen von IS-Ablegern nicht zu ignorieren.

Zwar seien die Taliban für die Sicherheit außerhalb des Flughafens verantwortlich. Dennoch könnten Drohungen etwa von Ablegern der Extremistenorganisation „Islamischer Staat“ (IS) nicht ignoriert werden. Die westlichen Streitkräfte wollten unter keinen Umständen in eine Lage geraten, in der sie einen Angriff abwehren oder selbst in die Offensive gehen müssten. Die Taliban und der afghanische IS-Ableger ISIS-K gelten als verfeindet. „Unsere Kräfte riskieren auch ihr Leben am Kabuler Flughafen“, erklärte ein Taliban-Vertreter mit Blick auf einen möglichen Anschlag des IS.

Im Laufe der Woche seien sich die Geheimdienste immer sicherer darüber geworden, dass ein „ernsthafter, unmittelbarer, tödlicher Angriff“ auf den Flughafen oder die von westlichen Truppen genutzten Zentren drohe, erklärte Heappey weiter. „Während die Uhr bis zum Ende des Monats weiter tickt, müssen wir diese sehr, sehr reelle Bedrohung mit den Menschen in Kabul teilen und ihnen raten, sich vom Flughafen zu entfernen anstatt dorthin zu kommen“, erklärte der Staatssekretär.

Der Sender Sky News zitierte zudem eine nicht genannte, hochrangige britische Quelle, die von einem „sehr hohen Risiko eines Terroranschlags“ auf die Evakuierungsmission in Kabul sprach. Auch deutsche und US-Behörden hatten davor bereits gewarnt. Wann die britischen Evakuierungsflüge enden sollen, wollte Staatssekretär Heappey nicht genauer bekanntgeben. In den nächsten 24 Stunden sollten aber - wenn möglich - elf Flüge stattfinden.

"Ice Road": 50x2 Karten für den Premieretag gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Deutschland wollte am Donnerstag nochmals mit vier Flugzeugen Menschen aus Kabul ausfliegen. Bis Freitag sollten dann auch militärische Kräfte weitgehend abgezogen sein. Frankreich will ab Freitagnachmittag keine Schutzsuchenden mehr evakuieren. Das teilte Premierminister Jean Castex am Donnerstag RTL Radio mit. Auch Spanien beendet am Freitag seine Evakuierungsfluge. Die niederländische Regierung rechnet damit, dass am Donnerstag die letzte ihrer Maschinen für Evakuierungsflüge in Kabul abheben wird.

Belgien, Polen und Dänemark haben die Evakuierung von Menschen aus Afghanistan bereits beendet. Auch Ungarn hat seine zwei Militärmaschinen, die an den Evakuierungen beteiligt waren, abgezogen.

„Versagen“ und „Untätigkeit“ bei der Hilfe für Österreicher in Afghanistan warf die SPÖ am Donnerstag Außenminister Alexander Schallenberg sowie Bundeskanzler Sebastian Kurz (beide ÖVP) vor. Andere Staaten hätten die Evakuierungen ihrer Staatsbürger schon vor einer Woche abgeschlossen bzw. würden diese von Verstecken abholen und sie zum Flughafen geleiten. Die Bundesregierung sage „unseren Mitbürger*innen lapidar, sie sollen sich selbst zum Flughafen durchschlagen. Das ZiB2-Interview mit dem Außenminister hat erschreckend deutlich gemacht, dass außer Showpolitik und Sprüchen kaum etwas übrigbleibt“, kritisierte der stellvertretende Klubvorsitzende Jörg Leichtfried. Anstatt zu helfen, Österreicher und vom Tod bedrohte Helfer herauszubekommen, seien Kurz und Kogler „mit ihrem Asyl-Streit beschäftigt“.


Kommentieren


Schlagworte