Mehrere Tote bei Anschlag beim Flughafen Kabul

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Bei einem Abschlag beim Flughafen von Kabul sind am Donnerstag mehrere Menschen getötet worden. Dutzende weitere Personen wurden verletzt. Das US-Verteidigungsministerium sprach von einer „komplexen Attacke“ und berichtete, dass auch Amerikaner zu Schaden gekommen seien. Laut Außenministerium sind keine Österreicher unter den Opfern. Die Evakuierung der verbliebenen Österreicher wird immer schwieriger, nachdem Länder wie Deutschland ihre Evakuierungsflüge beendet haben.

Bei dem Anschlag am Flughafen Kabul wurden laut der Nichtregierungsorganisation Emergency mindestens sechs Menschen getötet. Mehr als 60 weitere seien verletzt worden, teilte die NGO, die ein Krankenhaus vor Ort betreibt, mit. Ein Vertreter der Taliban sprach zunächst von 13 Toten, darunter mehrere Kinder sowie Taliban-Mitglieder. Später sagte Taliban-Sprecher Zabiullah Mujahid von mindestens 52 Verletzten. Es habe auch Tote gegeben, allerdings sei die Zahl noch unklar.

Die Vereinten Nationen sprechen nach dem Anschlag in Kabul von mehreren Toten und Verletzten. UN-Generalsekretär António Guterres „verurteilt diesen Terroranschlag, bei dem eine Reihe von Zivilisten getötet und verletzt wurden, und spricht den Familien der Getöteten sein tief empfundenes Beileid aus“, sagte UN-Sprecher Stephane Dujarric am Donnerstag. Es gebe bisher keine Informationen zu Hintergründen der „abscheulichen“ Tat.

Der TV-Sender Al Jazeera berichtete, auch Ausländer seien unter den Opfern. Nach Auskunft eines US-Regierungsvertreters wurden Mitglieder der US-Sicherheitskräfte verletzt. Auch Amerikaner seien bei dem Anschlag zu Schaden gekommen, schrieb der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Donnerstag auf Twitter. Eine Zahl von Toten oder Verletzten nannte er nicht.

Die US-Regierung ging davon aus, dass die Extremisten-Gruppe IS-Chorassan, der afghanische Ableger des Islamischen Staats, hinter dem Angriff am Kabuler Flughafen steckt. Das sagte ein Insider, der mit Unterrichtungen des Kongresses vertraut war.

Vor dem Flughafen hat es nach ersten Erkenntnissen zwei Explosionen gegeben - eine an einem der Flughafentore und eine bei einem nahe gelegenen Hotel. Ein auf Twitter geteiltes Bild, das offenbar vom Inneren des Flughafengeländes aufgenommen wurde, zeigte eine große Rauchwolke. Der lokale Fernsehsender ToloNews veröffentlichte auf Twitter Bilder, auf denen zu sehen ist, wie Verletzte in Schubkarren transportiert werden. Ein Augenzeuge erzählte dem TV-Sender, die Explosion sei sehr stark gewesen. Manche Menschen seien ins Wasser - an einem Gate ist ein langer Wassergraben - und mehrere ausländische Soldaten zu Boden gefallen. Er habe auch Tote gesehen.

Der gut vernetzte afghanische Journalist Bilal Sarwari schrieb auf Twitter, ein Selbstmordattentäter habe sich in einer großen Menschenmenge in die Luft gesprengt. Mindestens ein weiterer Angreifer habe danach das Feuer eröffnet. Sarwari berief sich auf mehrere Augenzeugen in dem Gebiet.

Nach der Explosion hätten US-Soldaten an einem anderen Flughafengate Tränengas eingesetzt, um die Menschen auseinander zu treiben, sagte ein Bewohner Kabuls, der an diesem Gate war. Er schätzte, zu dem Zeitpunkt seien dort 2.000 bis 4.000 Menschen gestanden. Mehrere Frauen und Mädchen seien durch das Tränengas verletzt worden.

Deutschland, Italien, Großbritannien und die Türkei erklärten, es seien keine Soldaten aus ihren Ländern unter den Opfern. Es gebe keine Hinweise, dass bei dem Anschlag am Donnerstag Österreicher zu Schaden gekommen seien, teilte das Außenministerium der APA auf Anfrage mit.

Angesichts der Terrorgefahr und den zu Ende gehenden Evakuierungsflügen wird eine Evakuierung der verbliebenen mehreren Dutzend Österreichern aus Afghanistan immer schwieriger. Die Bemühungen, Österreicher und Personen mit österreichischer Aufenthaltserlaubnis bei der Ausreise zu unterstützen, liefen mit Hochdruck weiter, sagte Außenministeriumssprecherin Gabriele Juen am Donnerstag. Die Krisenteams des Außenministeriums würden in den Nachbarländern ihre Bemühungen fortsetzen, die Österreicher vor Ort bestmöglich zu unterstützen und auch an den Grenzen zu den Nachbarländern bei einer möglichen Ausreise über den Landweg helfen.

89 Österreicher wurden bisher aus Afghanistan gebracht. Allerdings organisiert Österreich keine eigenen Evakuierungsflüge, sondern bat andere Länder - darunter Deutschland -, die betroffenen Personen mitzunehmen.

Allerdings hat Deutschland seinen Evakuierungseinsatz wegen des bevorstehenden Abzugs der US-Streitkräfte vom Flughafen und der Terrorgefahr am Donnerstag beendet. Am Donnerstagabend (Ortszeit) hoben die drei letzten Maschinen mit schutzbedürftigen Personen an Bord in Kabul ab.

Frankreich wird die Evakuierungen am Freitagnachmittag beenden, wie Ministerpräsident Jean Castex im Sender RTL Radio mitteilte. Nach Angaben von Präsident Emmanuel Macron standen am Abend noch 20 Busse mit französischen Staatsbürgern und anderen Personen, die geschützt werden sollen, vor den Toren des Flughafens. Eine erfolgreiche Evakuierung könne jedoch nicht garantiert werden. Auch die niederländische Regierung rechnete damit, dass am Donnerstag die letzte ihrer Maschinen für Evakuierungsflüge in Kabul abheben wird, wie es in Unterrichtung des Parlaments hieß. Belgien hat seine Evakuierungsflüge bereits eingestellt, wie Ministerpräsident Alexander De Croo sagte. Grund dafür seien die Warnungen vor Anschlägen. Auch Ungarn hat seine zwei Militärmaschinen, die an den Evakuierungen beteiligt waren, bereits abgezogen, wie das Verteidigungsministerium in Budapest mitteilte. Kanada stellte die Flüge ebenso ein.

Die Sicherheitslage rund um den Flughafen hatte sich in den vergangenen Stunden noch einmal deutlich zugespitzt. Mehrere Länder hatten vor einer Terrorgefahr gewarnt. Die US-Botschaft hatte US-Bürger, die sich am Abbey Gate, East Gate oder North Gate aufhielten, in der Nacht zu Donnerstag dazu aufgerufen, das Gebiet „sofort“ zu verlassen. Großbritanniens Staatssekretär im Verteidigungsministerium, James Heappey, sprach noch am Donnerstagmorgen von der Drohung eines „ernsthaften, unmittelbaren, tödlichen Angriffs“ binnen Stunden auf den Flughafen oder die von westlichen Truppen genutzten Zentren.

Seit der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban versuchen Tausende Menschen, aus Afghanistan zu fliehen. Seit mehr als einer Woche versammeln sie sich rund um verschiedene Eingänge des Flughafens, um auf einen Evakuierungsflug zu kommen. Dabei herrschten rund um den Flughafen dramatische Zustände - mehrere Menschen sind ums Leben gekommen.

Einige internationale Partner hatten die USA zu einer Verlängerung des Einsatzes aufgefordert, um noch mehr Zeit für die Evakuierungen zu haben. Der Militäreinsatz ist von den US-Truppen abhängig. Taliban-Kämpfer sollen an ihren Kontrollstellen im Umfeld des Flughafens bereits mehrere Attentäter der Terrormiliz IS abgefangen und getötet haben, heißt es aus Militärkreisen.

Die Taliban haben Mitte August die Macht in Afghanistan an sich gerissen.


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