59. Viennale lädt zum Überwinden „imaginärer Grenzen“

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Eine idyllisch anmutende Insel mit spitzen Berggipfeln, umspielt vom blauen Meer: Es ist ein sehr harmonisches Plakatsujet, mit dem die Viennale Lust auf ihre 59. Ausgabe macht. Am Donnerstag hat Direktorin Eva Sangiorgi erste Einblicke in das von 21. bis 31. Oktober stattfindende Filmfestival gewährt und auch den vom britischen Filmemacher Terence Davies gestalteten Trailer vorgestellt.

„Diese Fantasielandschaft ist Teil einer Karte aus dem 19. Jahrhundert, die eine pädagogische Funktion hatte“, erklärte Sangiorgi zur Plakatserie und stellte in Bezug auf das Kennenlernen von fremden Welten einen aktuellen Bezug her: „Dies ist ein sehr spezielles Jahr, wie uns allen bewusst ist. Es wird uns die Möglichkeit gegeben, über Grenzen neu nachzudenken - und damit meine ich nicht physische, sondern imaginäre Grenzen.“ Immerhin habe das Kino die Kraft, diese zu überwinden.

Einer von mehreren roten Fäden im diesjährigen Programm ist der Generationendialog: Die Auseinandersetzung zwischen Jung und Alt steht bei Ignacio Cerois Debütfilm „Qué será del verano“ ebenso im Fokus wie bei „Petite maman“ von Céline Sciamma, die 2019 noch mit „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ das Festival eröffnet hatte. Aber auch Maria Speths „Herr Bachmann und seine Klasse“ oder „The Inheritance“ von Ephraim Asili fügen sich in diese Reihe ein, in der zudem Nadav Lapids in Cannes ausgezeichnetes Werk „Ha‘berech“ zu nennen ist.

Als Kommentare zum aktuellen Zeitgeschehen sind wiederum Arbeiten wie Alice Diops „Nous“ oder „Hygiène sociale“ von Denis Côté zu lesen. Das mit dem Festivalplakat möglicherweise evozierte Fernweh könnte hingegen bei jenen Filmen gestillt werden, die sich mit dem Reisen auseinandersetzen - wenngleich auf höchst unterschiedliche Weise. Darunter etwa „Drive My Car“ von Ryūsuke Hamaguchi nach einer Kurzgeschichte von Bestsellerautor Haruki Murakami (und ebenfalls in Cannes prämiert) oder „Hytti nro 6“ des Finnen Juho Kuosmanen. Das heimische Filmgeschehen ist u.a. mit Sebastian Meises „Große Freiheit“ und „Beatrix“ vom Regieduo Milena Czernovsky und Lilith Kraxner vertreten.

Sangiorgi zeigte sich „dankbar, dass Kulturevents wieder stattfinden können. Aber wir werden uns an dieses Jahr nicht nur aufgrund der Coronakrise erinnern, sondern auch aufgrund einer Krise der Demokratie.“ Das werde sich auch in vielen Filmen des Festivals widerspiegeln. Natürlich habe die Viennale im Programm stets politische Aspekte aufgegriffen. „Aber es ist ein Anliegen und eine Vision, die Sie heuer besonders finden werden.“

Eine Monografie ist Terence Davies gewidmet, der sich stets Trends oder Moden verweigert hat. Seine Literaturverfilmungen „The House of Mirth“ oder „A Quiet Passion“ sind dabei ebenso zu sehen wie seine neueste Arbeit „Benediction“. Und natürlich der von ihm gestaltete Trailer: Im etwas mehr als eine Minute dauernden, mit „Buy Why?“ betitelten Film ist Davies‘ Stimme zu hören, wie er in sehr poetischen Worten über das Leben und die Vergänglichkeit spricht. Eine Treppe, die ein jüngerer Mann hoch steigt und nach einem Schnitt von einem älteren Mann wieder hinabgeschritten wird, dient ihm dabei als beispielgebendes Motiv. Davies wird auch zum Festival kommen.

Ein weiterer Schwerpunkt beleuchtet das Schaffen von Henrik Galeen, der 1881 in Lemberg (Lwiw) in der heutigen Ukraine geboren wurde. Zwar wird er maßgeblich mit Gruselfrühwerken wie „Nosferatu“ in Verbindung gebracht, doch soll bei der Viennale die gesamte Bandbreite seines künstlerischen Schaffens beleuchtet werden. „Gedanke und Vorstellungskraft“ ist wiederum eine Programmschiene zu Fabrizio Ferraro übertitelt, während Segundo de Chomon als „Pionier der Kunst der Illusion“ gefeiert wird. Die gemeinsam mit dem österreichischen Filmmuseum konzipierte Retrospektive „Film as a Subversive Art“ ist schließlich als Hommage an den großen Filmwissenschafter und -kritiker Amos Vogel angelegt. Der in Wien geborene und 2012 verstorbene Filmexperte hätte heuer seinen 100. Geburtstag gefeiert.

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