Flughafen Kabul laut Pentagon weiter unter US-Kontrolle

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Die USA haben Berichte, wonach die Taliban den Flughafen Kabul unter ihre Kontrolle haben sollen, als „falsch“ zurückgewiesen. Der Flughafen stehe weiter gänzlich unter der Kontrolle des US-Militärs, sagte der Sprecher des Pentagons, John Kirby, am Freitag. „Sie kontrollieren keines der Tore, sie kontrollieren nicht den Betrieb des Flughafens - das ist weiter unter der Kontrolle des US-Militärs“, sagte Kirby. Frankreich beendete indes die Evakuierungsflüge aus Kabul.

Zuvor hatten Berichte und Beiträge in sozialen Medien nahegelegt, die Taliban hätten an dem Flughafen inzwischen das Sagen oder stünden kurz davor. Ein Sprecher der Taliban hatte erklärt, die Radikalislamisten hätten die Kontrolle über Teile des Flughafens übernommen. Am Freitag habe das US-Militär „drei wichtige Bereiche“ im militärischen Teil des Flughafens verlassen, erklärte der Taliban-Sprecher Bilal Karimi auf Twitter. Diese Bereiche seien nun „unter der Kontrolle des Islamischen Emirats“ und nur noch „ein sehr kleiner Teil“ des Airports werde von US-Soldaten kontrolliert.

Die französische Verteidigungsministerin Florence Parly teilte im Online-Dienst Twitter mit, die am 15. August gestartete Luftbrücke sei am Abend zu Ende gegangen. „Fast 3.000 Menschen“ seien ausgeflogen worden, darunter mehr als 2.600 Afghanen. Die deutsche Bundeswehr hatte am Donnerstag ihre Rettungsflüge aus Kabul beendet, ebenso die Niederlande und Australien. An der deutschen Evakuierungsmission in Afghanistan war auch der Bundesnachrichtendienst (BND) beteiligt. Der Auslandsgeheimdienst habe bis zuletzt im äußeren Umfeld des Flughafens von Kabul gearbeitet, berichtete die „Bild“ am Samstag unter Berufung auf Regierungskreise. Am Freitag beendeten auch Spanien, Schweden, Norwegen und die Schweiz ihre Evakuierungen.

Die US-Regierung betonte indes ihre Entschlossenheit, die Drahtzieher des verheerenden Anschlags von Kabul töten zu lassen. „Er hat klar gemacht, dass er nicht will, dass sie noch auf der Erde leben“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, am Freitag in Washington mit Blick auf die jüngste Drohung von US-Präsident Joe Biden gegen die Terroristen. Psaki reagierte auf die Frage, ob Biden die Urheber der Attacke töten lassen oder vor Gericht stellen wolle.

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Außerhalb des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt Kabul hatte sich am Donnerstag nach US-Angaben ein Selbstmordattentäter des IS-Ablegers Provinz Khorasan (ISIS-K) in die Luft gesprengt und zahlreiche Menschen mit in den Tod gerissen, darunter 13 US-Soldaten. Laut „New York Times“ kamen bei dem Anschlag am Donnerstag insgesamt 183 Menschen ums Leben. Offizielle Zahlen sprachen von mindestens 92 Toten. Den Angaben zufolge handelt es sich bei einem Teil der Toten um US-Bürger mit afghanischen Wurzeln.

Biden hatte den Terroristen wenige Stunden nach der Attacke mit Vergeltung gedroht und gesagt: „Wir werden euch jagen und euch dafür bezahlen lassen.“ Psaki sagte, die Regierung werde sich nicht zu Details äußern, wie genau man gegen die Urheber des Anschlags vorgehen werde. Sie betonte aber, dieses Bekenntnis dazu bleibe bestehen, „bis es erledigt ist“. Der Präsident und das Militär hätten keinen Zweifel, dass sie jede Befugnis hätten, ISIS-K anzugreifen.

Bei dem Terroranschlag außerhalb des Flughafens in Kabul kamen offiziellen Angaben zufolge auch britische Staatsbürger ums Leben. Zwei britische Erwachsene und ein Kind eines britischen Staatsbürgers seien unter den Getöteten gewesen, teilte Außenminister Dominic Raab am Freitag mit.

Nach Erkenntnissen des US-Verteidigungsministeriums hatte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt - nicht zwei. US-Generalmajor William Taylor sagte am Freitag im Pentagon, man sei nicht sicher, wie es am Vortag zu der falschen Angabe von zwei Selbstmordattentätern habe kommen können. „Wir hielten es für wichtig, die Angaben hier zu korrigieren“, so Taylor. Das Verteidigungsministerium hatte am Donnerstag nach dem Terrorangriff von zwei Selbstmordattentätern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gesprochen.

Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace warnte am Freitag, je näher der Abzugstermin rücke, umso größer werde die Bedrohung. „Wir tun alles, um vorbereitet zu sein“, sagte der Chef des US-Zentralkommandos, General Frank McKenzie. Die USA sichern nach Abzug anderer Soldaten noch den Flughafen und wollen bis Dienstag Menschen die Ausreise ermöglichen.

Unterdessen fordert die grüne Justizministerin Alma Zadic Frauen, Mädchen und Menschen, die für die frühere Regierung in Kabul oder westliche Staaten gearbeitet haben, aus Afghanistan herauszuholen. Sie müssten fürchten, von den Taliban gefoltert, exekutiert oder gesteinigt zu werden. „Es ist dringend geboten, jetzt gemeinsam als Europa zu helfen“, sagte Zadic im Interview mit dem „Kurier“ (Samstagsausgabe).


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