Biden warnt vor neuem Anschlag in Kabul

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Kurz vor dem Ende des Evakuierungseinsatzes in Afghanistan hat US-Präsident Joe Biden eindringlich vor weiteren Anschlägen gegen amerikanische Soldaten gewarnt. Die Lage sei weiterhin „extrem gefährlich“ und das Risiko von Terroranschlägen auf den Flughafen von Kabul hoch, erklärte Biden am Samstagnachmittag in Washington (Ortszeit). Das Militär halte einen Anschlag in den nächsten 24 bis 36 Stunden für „sehr wahrscheinlich“.

Kurz darauf rief die US-Botschaft in Afghanistan alle Amerikaner in der Nähe des Flughafens dazu auf, das Gebiet wegen „einer spezifischen, glaubwürdigen Bedrohung“ sofort zu verlassen. Die US-Truppen begannen unterdessen ihren Abzug aus Kabul. Sie sollen Afghanistan bis Dienstag verlassen.

Nach dem Vergeltungsschlag gegen Terroristen des örtlichen Ablegers der Miliz Islamischer Staat (IS) kündigte Biden weitere Luftangriffe an. „Dieser Angriff war nicht der letzte“, versprach Biden am Samstag. Mit Blick auf den verheerenden Terroranschlag in Kabul vom Donnerstag fügte er hinzu: „Wir werden weiterhin alle Personen, die in diesen niederträchtigen Anschlag verwickelt waren, jagen, fassen und dafür bezahlen lassen.“ Bei dem Anschlag waren 13 US-Soldaten und Dutzende weitere Menschen getötet worden. Die Soldaten und Soldatinnen waren zwischen 20 und 31 Jahre alt.

Das US-Militär hatte bei dem Drohnenangriff in der Provinz Nangarhar nach eigenen Angaben zwei ranghohe Vertreter des örtlichen IS-Ablegers getötet. Ein weiterer sei verletzt worden, sagte Generalmajor William Taylor im Pentagon. Nach dem Luftangriff hatte das Militär am Freitagabend (Ortszeit) zunächst angegeben, „einen Planer“ des tödlichen Terroranschlags in Kabul getötet zu haben. Nun gehe man davon aus, zusätzlich auch einen Unterstützer des Vorhabens getötet zu haben, hieß es. Zivile Opfer gebe es nach bisherigen Erkenntnissen nicht, sagte Taylor.

Das US-Militär werde noch bis zum geplanten Abzug am Dienstag für Sicherheit und Betrieb des Flughafens Kabul verantwortlich sein, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby. Alle Tore des Flughafens stünden weiter unter Kontrolle der US-Armee. Die militant-islamistischen Taliban hatten zuvor behauptet, bereits mehrere Tore des Flughafens zu kontrollieren. Kirby erklärte, die Taliban hätten zwar Sicherheitskontrollen rund um den Flughafen errichtet. „Aber sie kontrollieren keine Tore, sie sind nicht am Flughafen und haben keine Rolle für die Sicherheit.“

Am Freitag waren noch mehr als 5.000 US-Truppen am Flughafen Kabul stationiert gewesen. Bis zum vollständigen Abzug werde man aus Sicherheitsgründen keine Informationen zur Truppenstärke mehr bekanntgeben, sagte Kirby.

Die Taliban stehen bereit, den Kabuler Flughafen von den USA zu übernehmen. „Wir warten auf das abschließende Kopfnicken der Amerikaner“, sagte ein Sprecher der Islamisten am Sonntag Reuters. Nach seinen Worten verfügen die Taliban über ein Expertenteam, das die Flughafen-Technik beherrsche. Ein Vertreter der westlicher Sicherheitskräfte sagte Reuters, es seien noch über Tausend Ausländer im Flughafen, die ausgeflogen werden müssten.

Deutschland und mehrere andere Verbündete der USA haben ihre Einsätze in Kabul bereits beendet, am Samstag flog auch Großbritannien seine letzten Soldatinnen und Soldaten aus. Das Verteidigungsministerium in London dankte am Abend über Twitter „all denen, die unter enormem Druck und schrecklichen Bedingungen so tapfer gedient haben, um die am meisten gefährdeten Zivilisten sicher zu evakuieren“.

Bisher brachten die US-Luftwaffe und Verbündete seit Mitte August mehr als 112.000 eigene Staatsbürger und frühere afghanische Helfer außer Landes. Das US-Militär soll noch bis Dienstag Menschen evakuieren, allerdings wird die Zahl der ausgeflogenen Personen wegen des gleichzeitigen Abzugs von Soldaten und Ausrüstung sinken. Deutschland hofft, dass Schutzsuchende künftig auch mit zivilen Flugzeugen ausreisen können. Offenbar warten noch rund 300 Deutsche und mehr als 10.000 Afghanen auf Ausreise nach Deutschland.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas bricht am Sonntag zu einer viertägigen Reise in fünf Länder auf, die alle eine Rolle bei den weiteren Bemühungen um die Ausreise Schutzsuchender spielen. Erste Station ist die Türkei. Danach besucht der SPD-Politiker mit Usbekistan, Pakistan und Tadschikistan drei Nachbarländer Afghanistans sowie Katar.

Die deutsche Bundeswehr hat nach der Rückkehr aller Soldaten des Evakuierungseinsatzes inzwischen auch ihr Sanitätsflugzeug aus dem usbekischen Taschkent abgezogen, das dort noch für eine mögliche Rettung Verletzter stationiert war. Die Luftbrücke der Deutschen war bereits am Donnerstag beendet worden, die des französischen und spanischen Militärs am Freitag.


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