Triathlet Brungraber gewinnt Silber bei Paralympics

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Österreichs Team hat bei den Paralympics in Tokio das Medaillenkonto auf zwei Stück erhöht. Nach Dressur-Silber durch Pepo Puch eroberte Triathlet Florian Brungraber ebenfalls die Silbermedaille. „Es ist überwältigend, ein Wahnsinn! Ich habe so viel dafür gegeben, so hart gearbeitet, dass ich hier am Stockerl stehen darf“, sagte der 36-Oberösterreicher. Leichtathlet Thomas Geierspichler wurde im Rennrollstuhl über 1.500 m Vierter.

Nach der Schwimmstrecke über 750 m („Ich habe schnell einen guten Rhythmus gefunden“) war der vierfache ITU-Weltcupsieger Brungraber mit einem Rückstand von 1:53 Minuten Achter. Nach einem blitzschnellen Wechsel zündete der 36-Jährige im Handbike auf der 20 Kilometer langen Strecke aber so richtig den Turbo. „Ich habe gewusst, dass ich voll abfeuern und das härteste Radrennen meines Lebens fahren muss. Es war ein fehlerfreies Rennen.“

Als Dritter und damit bereits in den Medaillenrängen wechselte er bei heißen und schwülen Bedingungen schließlich auf den fünf Kilometer langen Rennrollstuhl-Abschnitt, wo der den nach dem Schwimmen noch vorangelegenen Italiener Giovanni Achenza überholte. Gold ging in der Klasse PTWC an den niederländischen „Mr. Triathlon“ Jetze Plat, der seit fünf Jahren ungeschlagen ist und auch im Paracycling als Top-Favorit an den Start gehen wird.

Er habe gewusst, dass er einen guten Job gemacht habe, erklärte Paralympics-Debütant Brungraber. „Dass es jetzt so aufgegangen ist, dass ich am Tag X mein bestes Rennen zeigen kann, bedeutet mir unglaublich viel.“ Bei der Rückkehr aus dem Odaiba Marine Park ins Olympische Dorf wurde er von Österreichs Abordnung mit einem Fahnenmeer empfangen. Seit einem Paragleiterunfall vor zehn Jahren mit einem inkompletten Querschnitt ist er auf den Rollstuhl angewiesen.

Für Günther Matzinger endete sein erster paralympischer Triathlon mit Rang neun. „Das war das härteste Triathlon-Rennen, das ich je gemacht habe“, sagte der frühere Leichtathlet, der im Laufen die viertbeste und im Radfahren die sechstbeste Zeit erzielt hatte. „Nach dem Finish habe ich auch lange gebraucht, um mich wieder zu erfangen. Ich kann mir nichts vorwerfen, habe alles gegeben.“ In der Kategorie PTS5 hatte der 34-Jährige 4:43 Minuten Rückstand auf den deutschen Goldmedaillengewinner Martin Schulz, der seinen Rio-Titel erfolgreich verteidigte.

Für Brungraber, bei dem daheim in Lasberg mehr als 70 Personen bei einem Public Viewing den Triathlon mitverfolgten, freute sich Matzinger mit. „Ich habe mich so gefreut für ihn. Das war richtig gut“, erklärte der Salzburger, der noch offen ließ, ob er bis Paris 2024 weitermachen wird.

Letztlich chancenlos im Kampf um eine Medaille war Geierspichler über 1.500 m, denn als hervorragenden Vierter fehlten dem neunfachen Medaillengewinner auf Bronze mehr als zehn Sekunden. Es setzte sich unter sieben Teilnehmern der Klasse T52 der Japaner Tomoki Sato im paralympischen Rekord von 3:29,13 Minuten durch. Geierspichler benötigte 3:54,77, dies war allerdings Saisonbestzeit für ihn. Im Vorfeld hatte er die Klasseneinteilung kritisiert. Über 400 m war Geierspichler Sechter geworden, auch dieses Rennen hatte Sato gewonnen.

Im Schwimmen landete Janina Falk (Mentalbehinderung) in ihrem Vorlauf über 100 m Brust in der Zeit von 1:28,68 Min. an der siebenten Stelle, die 18-Jährige wurde Gesamt-14. „Die Zeit war nicht gut, ich weiß nicht genau warum. Es ist einfach nicht so gut gelaufen“, meinte die Wienerin selbstkritisch. Betreuer Gottfried Müllner erklärte, dass die Athletin Oberschenkelprobleme habe und zudem die Eindrücke „gewaltig“ für sie seien. „Janina lernt in Tokio sehr viel. Bei ihren ersten Spielen haben wir nicht erwartet, dass sie gleich überall ins Finale schwimmt.“ Die dreifache EM-Medaillengewinnerin von heuer hat mit den 200 m Lagen und 100 m Rücken weitere zwei Bewerbe vor sich.

Das Tennis-Männer-Doppel Thomas Flax/Nicolas Langmann mussten sich in der zweiten Runde des Rollstuhl-Tennisbewerbes den topgesetzten Briten Alfie Hewett/Gordon Reid mit 0:6,0:6 geschlagen geben. „Sie waren uns eindeutig überlegen, sind in allen Belangen einen Tick besser. Sicher will man als Sportler immer gewinnen, aber da müssen wir den Hut ziehen“, sagte Langmann. „Sie sind nicht umsonst die Nummer 1 der Welt und dominieren seit Jahren. Eigentlich spielen sie in einer anderen Liga“, meinte Flax.

Österreichs Dressurteam beendete den Teambewerb mit 213,502 Punkten an der neunten Stelle. Nach Puch mit Sailor‘s Blue (74,909 Prozent) und Julia Sciancalepore mit Heinrich IV (72,643) war am Sonntag Bernd Brugger mit Bellagio im Einsatz (65,950). Der Paralympics-Titel ging an Großbritannien (229,905).


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