Mehrere Raketen auf Flughafen Kabul abgefeuert

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Kurz vor dem Ende der Luftbrücke zur Evakuierung Schutzbedürftiger aus Afghanistan ist der Flughafen Kabul nach US-Angaben erneut unter Beschuss geraten. Bis zu fünf Raketen wurden laut US-Regierungsangaben Montagfrüh auf den Airport abgefeuert. Sie seien aber von einem Raketenabwehrsystem abgefangen worden. Ersten Berichten zufolge habe es keine Opfer unter den Amerikanern gegeben. Am Montag soll indes eine UN-Sicherheitszone in Kabul besprochen werden.

Afghanischen Medienberichten zufolge wurden die Raketen von einem Fahrzeug aus abgefeuert. In Kabul seien an mehreren Stellen Raketen eingeschlagen, meldete die Agentur Pajhwok. Der Vorfall unterstrich, wie gefährlich der unter Hochdruck laufende Einsatz auch in den letzten Stunden vor Ablauf der mit radikalislamischen Taliban vereinbarten Frist am Dienstag bleibt.

Erst am Sonntag hatten die Amerikaner nach eigenen Angaben mit einem Drohnen-Angriff einen Selbstmordattentäter in einem Wagen getötet, der im Auftrag des IS-Milizenablegers Isis-K einen Anschlag auf den Flughafen vorbereitet haben soll. Dabei sollen mindestens zehn Zivilisten getötet worden sein. Das berichtet der lokale TV-Sender ToloNews am Montag. Unter den Toten seien demnach auch Kinder.

Bei der Zerstörung des Wagens sei es anschließend zu mehreren starken Explosionen gekommen, was darauf hindeute, dass das Fahrzeug wohl mit Sprengstoff beladen gewesen sei, teilte das US-Zentralkommando mit. Die Detonationen könnten weitere Opfer verursacht haben. Berichte über betroffene Zivilisten würden untersucht.

Ein Sprecher der Taliban kritisiert die USA, weil sie die Gruppe nicht im Voraus über den Drohnen-Angriff informiert hätten. Es sei widerrechtlich, dass die USA in anderen Ländern nach Belieben Angriffe ausführten, sagt der Sprecher dem chinesischen Staats-Sender CGTN. US-Präsident Joe Biden bekräftigte hingegen abermals, dass die Militärkommandeure „alles unternehmen sollen, was nötig ist, um unsere Truppen am Boden zu schützen“, wie das Weiße Haus mitteilte.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas erklärte indes mit Blick auf einen Zeitungsbericht, es seien wesentlich mehr als die darin genannten rund 100 Ortskräfte aus Afghanistan ausgeflogen worden. Laut aktuellen Zahlen des deutschen Innenministerium sind bisher mit den Evakuierungen insgesamt 4.587 Personen nach Deutschland eingereist, darunter 3.849 Afghanen und 403 deutsche Staatsbürger, wie ein Ministeriumssprecher mitteilt. Davon seien 138 Ortskräfte mit 496 Familienmitgliedern, also insgesamt 634 mit einem Ortskräftebezug.

Maas will über die Bundeswehr-Evakuierungen hinaus nur denjenigen Menschen bei der Ausreise aus Afghanistan helfen, die eine Zusage für die Aufnahme in Deutschland haben. „Es geht uns nur um diese Personengruppe“, betonte der SPD-Politiker am Montag nach Gesprächen in der usbekischen Hauptstadt Taschkent. Das zentralasiatische Nachbarland ist derzeit eine erste Anlaufstation für Schutzsuchende aus Afghanistan.

Die Regierung in Taschkent habe sich bei der von Deutschland definierten Personengruppe zur Kooperation bereit erklärt. Insgesamt geht es nach jetzigem Stand um mehr als 40.000 Menschen, die in Deutschland aufgenommen werden sollen - wenn es ihnen gelingt, das Land zu verlassen. Maas will jedenfalls nicht selbst mit den Taliban reden, sondern über einen Diplomaten, der derzeit mit Vertretern der neuen afghanischen Machthaber im Golfemirat Katar verhandelt.

Afghanistans Nachbarstaaten wollen sich absprechen und - wenn möglich - eine gemeinsame Position entwickeln. Alle wichtigen Akteure, auch Russland und China, sollen dabei sein. Russlands Botschaft in Kabul erklärte sich am Montag bereit, Anträge von Ausreisewilligen anzunehmen. Dazu seien zusätzliche Flüge geplant. Gleichzeitig schlägt Russland eine internationale Konferenz zum Wiederaufbau der Wirtschaft des Landes vor.

Im Lauf des Tages wollen UN-Generalsekretär António Guterres und die Vertreter der ständigen Sicherheitsrats-Mitglieder über eine mögliche UN-Sicherheitszone in Kabul sprechen. Frankreich und Großbritannien wollen das im UN-Sicherheitsrat durchsetzen.

US-Außenminister Anthony Blinken telefonierte nach Angaben seines Ministeriums am Sonntag mit seinem chinesischen Kollegen Wang Yi. Dieser machte die USA für die „chaotische“ Situation in Afghanistan mitverantwortlich. Der Krieg in Afghanistan habe sein Ziel, terroristische Kräfte zu beseitigen, nicht erreicht, sagte er laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua in dem Telefonat mit Blinken.


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