Albertina zeigt vorwiegend neue Arbeiten von Hubert Scheibl

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Mit zarten Linien und Flecken durchsetztes Weiß, farbensatte Großformate, organische Gebilde: Anhand von 36 Werken zeigt die Albertina ab Dienstag in der Ausstellung „Seeds of Time“ die Vielfalt des Schaffens von Hubert Scheibl, einem der wichtigsten heimischen Vertreter der abstrakten Malerei. Der Fokus der Schau liegt vor allem auf Arbeiten, die in den vergangenen Jahren - teils erst während der Pandemie - entstanden sind.

Die auf die drei Räume der Pfeilerhalle verteilte Schau hätte eigentlich schon im Vorjahr stattfinden sollen, musste coronabedingt allerdings verschoben werden, erklärte Direktor Klaus Albrecht Schröder am Montag bei einem Pressetermin. Gleich im ersten Raum zeigt sich die nach wie vor unterschiedliche Bildgestaltung des 1952 geborenen Schülers von Arnulf Rainer und Max Weiler, der in den 1980ern den „Neuen Wilden“ angehörte. „Euglena“ korrespondiert hier mit „Steps of Evolution“ - beide entstanden 2020/21. Während sich in ersterem eine Explosion aus Silber über den in allen Regenbogenfarben leuchtenden Hintergrund verteilt, präsentiert sich letzteres als großteils weiße Oberfläche, durch die nur einzelne Kratzer eine Ahnung von der Farbigkeit dahinter freigeben.

Schröder erwähnte formalästhetische Parallelen zu Gerhard Richter. Doch während Richter den Malgrund versiegle, gehe Scheibl mit seiner Technik des Herauskratzens den umgekehrten Weg, meinte der Hausherr: „Er reißt den Raum auf, öffnet ihn.“ Kuratorin Antonia Hoerschelmann erkannte in „Steps of Evolution“ einen Rückgriff auf die Höhlenmalerei.

Ein paar Schritte weiter hängt das ebenfalls erst in den vergangenen Monaten entstandene, in vielerlei Blautönen gehaltene „Kalben“, das einen an Herbert Brandl denken lässt. Eine Art riesiger Eiswürfel treibt hier im Wasser.

Dass Leben und Natur Scheibl beschäftigen, wird auch im nächsten Raum sichtbar. Dominiert wird es von einer elf Meter langen Arbeit auf Papier. Auf dem weißen Material breiten sich feine Linien und Farbflecken aus. „Itamaraca“ entstand 2004 inmitten der Natur Brasiliens - und tatsächlich erinnern die abstrakten Formen an Pflanzenteile oder Äste. „Einzeller auf Reisen“ heißt eine Serie von 2016/17 entstandenen Aquarellen mit farbenfrohen Gebilden, die an Mini-Lebewesen unter dem Mikroskop erinnern. Besucherinnen und Besucher können in den Arbeiten, die zu einer Art Mappe gebunden sind, nach Lust und Laune blättern.

Organisch nehmen sich auch einige der Skulpturen aus, die in der Ausstellung verteilt sind und laut Schröder gleichrangig zu den Bildern präsentiert werden. „Hard 2 B One“ heißt etwa eine über Jahre entstandene Serie, in der Scheibl vorrangig aus Holz und Papier mikroben-, pilz- oder wasserlebewesenähnliche Gebilde geformt und sie teils mit Überresten aus seinem Atelier - Farbtubendeckel oder Pinsel - bestückt hat.

Exakte Pinselführung spielt wiederum bei „Ones“ eine zentrale Rolle: Wie der Titel schon sagt, hat Scheibl den auf lachsfarbenen Grund gesetzten schwarzen dicken Strich, der mehrmals ineinander verdreht scheint und letztendlich wie ein Gehörn eines Tieres wirkt, ohne Unterbrechung und Chance auf Korrektur gezogen. Ähnlich dürfte es sich bei „My private B.“ verhalten haben - eine Auseinandersetzung mit der Pinseltechnik von Francis Bacon, wie Schröder erklärte.

Eine kleine Auswahl etwas älterer Arbeiten, die ab den 1990ern entstanden sind, findet man schließlich im dritten Raum. Sieben quadratische, überwiegend monochrome Bilder hängen hier in den unterschiedlichsten Farbtönen und ergäben ein „Farbakkordorchester“, wie Kuratorin Hoerschelmann meinte.

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