CDU/CSU lobt Laschet nach TV-Triell trotz schlechter Umfrage

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In Deutschland fordert die Union ihren Kanzlerkandidaten Armin Laschet nach dem ersten TV-Triell im Bundestagswahlkampf auf, den kämpferischen Kurs gegen die Rivalen von SPD und Grünen beizubehalten. Der CDU-Vizevorsitzende Jens Spahn mahnte zu einem Strategiewechsel, um die Unterschiede zu anderen Parteien deutlich zu machen. Laschet und CSU-Chef Markus Söder zeigten sich zufrieden mit dem TV-Auftritt, bei dem Laschet in einer Forsa-Umfrage jedoch am schlechtesten abschnitt.

„Wir müssen kämpfen die nächsten vier Wochen“, sagte Spahn bei „Bild TV“. „Die einen wollen Steuern einführen und erhöhen, wir wollen Steuern senken. Klimaschutz durch Verbote oder Klimaschutz durch Innovation? Multikulti oder Leitkultur?“

Die Forderung nach einem Wechsel des Kanzlerkandidaten von Laschet zu Söder wies Spahn zurück. „Im laufenden Spiel wechseln Sie doch nicht den Trainer aus.“ Söder sprach von einem starken Auftritt Laschets, der beim Triell kämpferischer als sonst agierte und unter anderem SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz wegen einer möglichen Koalition mit der Links-Partei attackierte. Laschet habe eine gute Basis für das nächste Triell in zwei Wochen gelegt, so Söder. „Das war aus meiner Sicht genau das, was wir uns erhofft hatten, um neuen Schwung zu geben. Es motiviert auch die eigenen Wahlkämpfer.“ Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans twitterte: „Wir schalten jetzt den Turbo ein.“

In einer INSA-Umfrage war die Union zuletzt weiter abgestürzt - auf das Rekordtief von 21 Prozent. Die SPD erreichte bei dem Meinungsforschungsinstitut mit 24 Prozent den höchsten Stand seit September 2017. In einer Forsa-Blitzumfrage für RTL hatten nach dem Triell 36 Prozent angegeben, Scholz als Sieger zu sehen. Für 30 Prozent lag die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock vorne, Laschet kam auf 25 Prozent. „Umfragen fangen ja nie bei null an“, sagte Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner. Die jüngste Favoritenrolle von Scholz schlage sich hier nieder. Für Baerbock seien es daher „bärenstarke Werte“.

Laschet sagte, endlich sei konzentriert über Themen gesprochen worden, obwohl für ihn wichtige Bereiche wie die Digitalisierung nicht angesprochen worden seien. Zur Forsa-Umfrage ergänzte der CDU-Chef: „Lassen wir doch die Wähler entscheiden, was sie kanzlerisch finden.“ Zum Auftritt von Scholz sagte er: „Dass das nun ein Feuerwerk der Ideen war, habe ich nicht gespürt.“ RTL teilte mit, mit dem ersten Triell in der deutschen Geschichte 11,48 Millionen Menschen erreicht zu haben. Bei früheren Wahlkämpfen gab es immer ein Duell. Diesmal haben die Grünen aber mit Baerbock eine eigene Kanzlerkandidatin ins Rennen geschickt.

Der Sozialverband VdK kritisierte, soziale Aspekte hätten so gut wie keine Rolle gespielt. Dabei seien dies genau die Themen, die für die Menschen tägliche Herausforderungen bedeuteten, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Wenn sie noch mit 70 arbeiten müssen, weil die Rente nicht zum Leben reicht.“

Laschet will im Endspurt des Wahlkampfs mit fünf Kernthemen punkten, die jeweils mit einer Person besetzt werden sollen: „klimaneutrales Industrieland“, „digitale Modernisierung von Staat und Wirtschaft“, „Entlastung der gesellschaftlichen Mitte“, „Stärkung der wirtschaftlichen Mitte“ und „Sicherheit Innen und Außen“.

Am Montag verabschiedeten die CDU-Gremien ein Grundsatzpapier zur Energiewende. Es gehe darum, die „Energiewende als Motor für den Klimaschutz und als Motor für neue Arbeitsplätze“ zu nutzen, sagte Laschet. Federführend für das Thema sollen der stellvertretende Fraktionschef Andreas Jung, die Bundestagskandidatin Wiebke Winter sowie der Abgeordnete Thomas Heilmann sein. Die Köpfe für die anderen Themen sollen in den nächsten Tagen benannt werden. Kellner kritisierte, die Union stehe für ein Weiter-so. Es gebe daher bei der Bundestagswahl am 26. September echte Alternativen. „Es ist eine Richtungswahl.“ Es werde vermutlich verdammt knapp.

Die Linke lehnte unterdessen ein von SPD und Grünen geforderte Bekenntnis zur NATO ab. „Ein klares Bekenntnis zur NATO würde heute bedeuten, einem Kriegsbündnis tatsächlich die Stimme zu geben“, sagte Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow am Montag in Berlin. Vielmehr müssten sich SPD und Grüne als Mit-Unterstützer des Afghanistan-Einsatzes „einen Kopf machen, wie sie die eigene Außen- und Sicherheitspolitik neu orientieren wollen“. Konfrontation und Intervention hätten jedenfalls nicht zum Erfolg geführt.


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