Hunderttausende in Louisiana nach „Ida“ weiter ohne Strom

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Nach dem Hurrikan „Ida“, der inzwischen zu einem Tropensturm herabgestuft wurde, sind im US-Staat Louisiana weiterhin Hunderttausende Haushalte ohne Strom. „Ich kann Ihnen nicht sagen, wann die Stromversorgung wiederhergestellt wird, ich kann Ihnen nicht sagen, bis wann alle Trümmer beseitigt sein werden“, sagte Gouverneur John Bel Edwards. Zudem gibt es Probleme mit der Wasserversorgung, kaum offene Geschäfte und viele Straßen, die noch überflutet sind.

„Das war ein katastrophaler Sturm“, so Edwards weiter. Edwards und die Bürgermeisterin von New Orleans, LaToya Cantrell, forderten alle, die sich rechtzeitig vor dem Sturm anderswo in Sicherheit gebracht hatten, bis auf Weiteres nicht nach Hause zurückzukehren. „Jetzt ist nicht die Zeit, zurückzukehren“, erklärte Edwards. Die Menschen sollten abwarten, bis die örtlichen Behörden eine Rückkehr explizit begrüßten.

Videos von ersten Flügen der Küstenwache über küstennahe Gebiete zeigten ein Bild der Verwüstung - viele Häuser schienen schwer beschädigt, Ortschaften glichen einem Trümmerfeld. In den meisten Orten waren die Bürger vor dem Sturm aufgefordert worden, sich im Landesinneren in Sicherheit zu bringen. Trotzdem wurden am Montag im Lauf des Tages Dutzende Menschen in küstennahen Gebieten mit Hubschraubern oder Booten aus überfluteten oder zerstörten Häusern gerettet, stellte Edwards fest. Auch rund 40 Bewohner der Insel Grand Isle, die direkt vom Hurrikan getroffen worden war, konnten demnach mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht werden.

Zunächst gab es infolge des Sturms zwei bestätigte Todesopfer. Ein Mann wurde von einem herabstürzenden Baum erschlagen, ein weiterer versuchte mit seinem Auto auf einer überfluteten Straße zu fahren und ertrank, wie die Behörden mitteilten. Angesichts der verbreiteten Schäden sei ohne „Wunder“ aber zu befürchten, dass die Opferzahl in den kommenden Tagen noch steigen werde, warnte Edwards. Rund 5.000 Soldaten der Nationalgarde waren für den Aufräum- und Bergungsarbeiten im Einsatz. In den kommenden Tagen sollten sie noch Verstärkung aus anderen Bundesstaaten bekommen, erklärte Edwards. Die Chefin der Katastrophenschutzbehörde Fema, Deanne Criswell, und Heimatschutzminister Alejandro Mayorkas wollten sich am Dienstag gemeinsam mit dem Gouverneur vor Ort ein Bild von der Lage machen.

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„Ida“ war am Sonntag als Hurrikan der Stärke vier von fünf auf die Küste südwestlich von New Orleans getroffen. „Ida“ hatte New Orleans am 16. Jahrestag des Hurrikans „Katrina“ erreicht. Jener Sturm hatte 2005 für verheerende Schäden und Überschwemmungen gesorgt, rund 1.800 Menschen kamen ums Leben. Danach wurden Milliarden in den Hochwasserschutz investiert. Edwards und Bürgermeisterin Cantrell erklärten, das System habe seinen Härtetest nun durch „Ida“ erfolgreich bestanden. Wären Dämme gebrochen, wäre eine Katastrophe unvermeidbar gewesen, sagte Edwards.

Anders sah es mit der Stromversorgung aus. Das Weiße Haus warnte, die komplette Wiederherstellung der Versorgung könnte „Wochen“ dauern. Die von den Stromversorgern berichteten Schäden seien „katastrophal“, sagte Sprecherin Jen Psaki. Edwards erklärte, das US-Militär werde für Krankenhäuser noch zusätzliche Generatoren bringen.

Der Stromversorger und der Staat haben bereits rund 20.000 Arbeiter und Experten mobilisiert, um die Schäden zu beheben. In Louisiana hatten wegen Sturmschäden gut eine Million Haushalte keinen Strom mehr - und das ausgerechnet während der Sommerhitze, in der die meisten Bewohner auf ihre elektrischen Klimaanlagen angewiesen sind.

Alle acht Hochspannungsleitungen, die nach New Orleans führen, wurden von „Ida“ beschädigt oder zerstört. Der Chef des Versorgers Entergy, Phillip May, erklärte, eine massive Hochspannungsleitung über den Fluss Mississippi, die einst sogar „Katrina“ widerstanden hatte, sei schwer beschädigt worden und nicht mehr funktionstüchtig.

Der Sturm sollte zunächst in nordöstlicher Richtung nach Mississippi weiterziehen, am Dienstag (Ortszeit) sollte er dann auf die US-Staaten Alabama und Tennessee treffen.


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