steirischer herbst setzt auf Projekte im öffentlichen Raum

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Nachdem im Vorjahr pandemiebedingt der steirische herbst vorwiegend digital stattgefunden hat, gibt es heuer wieder ein Live-Programm, vorwiegend allerdings unter freiem Himmel. So findet schon die Eröffnung am 9. September am Europaplatz statt, auch mit Performances, Spaziergängen und Radtouren will man „The Way Out“ dem Publikum schmackhaft machen. Der Fokus liegt heuer unübersehbar auf performativen und partizipativen Projekten im öffentlichen Raum.

„Es ist alles sehr prekär, vieles ändert sich in letzter Sekunde“, meinte Intendantin Ekaterina Degot bei der Programmpräsentation am Mittwoch. Der herbst müsse „sich wieder entdecken und zeitgenössisch sein“, betonte sie. Das Motto „The Way Out“ passiere allerdings „nicht konkret in jedem Werk, sondern zwischen den Werken und der Realität“. Es soll aber auch den Weg hinaus aus der Krise und der Pandemie bedeuten - was hoffentlich im Herbst nicht reines Wunschdenken bleibt.

Vorsichtshalber wurde der steirische herbst drei Wochen vorgezogen, damit man sich noch weitgehend im Freien bewegen kann. Die Eröffnung umfasst nicht nur die Rede der Intendantin, sondern auch eine Lichtinstallation von Marinella Senatores mit barocken Glühbirnenornamenten und einem Teaser von Dejan Kaludjerovic auf seine Oper, die aus Kinderbefragungen auf der ganzen Welt entstanden ist und am ersten Wochenende zu sehen sein wird. Auf dem Hauptplatz wird es eine Tanz- und Musikperformance des Komponisten Uriel Barthelemi, der Fagottistin Sophie Bernado und des Hip-Hop-Tänzers Salomon Baneck-Asaro geben.

Eine Installation von Thomas Hirschhorn würdigt das Schaffen der Philosophin Simone Weil in Form eines „Volksdenkmals“. Im Besucherinnenzentrum in der Murgasse gestaltet Peter Schloss mit der Gruppe Ee ein Allover-Gemälde. Einen Liebesbrief an die Grazer Bevölkerung wird Paul B. Preciado schicken, der ganz traditionell in den Briefkästen der Empfänger landen wird. Tino Sehgal entwarf „Sonnenauf- bis Sonnenuntergang“, eine jeweils 24 Stunden dauernde Performance, bei der sich 40 Interpretinnen und Interpreten unter Parkbesucher mischen. „Radieschen“ nennt sich die Arbeit der Künstlergruppe G.R.A.M., die vor dem Grazer Kunsthaus ein symbolisches Maschinenballett auftanzen lässt.

Im Orpheum gibt es drei Bühnenprojekte, die auch digital übertragen werden. Eines davon ist eine Arbeit von Yael Bartana, das eine spiritistische Seance zeigt, bei der Geister und österreichisch-jüdische Geschichte zur Sprache kommen.

Unter dem Titel „Lageberichte“ wird heuer ein neues Fernsehformat stattfinden, bei dem die Künstlerinnen und Künstler verschiedene Möglichkeiten ausloten. So wird Stefanie Sargnagel vom „Aufsteirern“ berichten oder Pia Hierzegger sich mit der Grazer Gemeinderatswahl beschäftigen. Den Abschluss des Festivals bildet eine Gala mit dem Theater im Bahnhof im Fernsehformat.

Angeboten werden heuer auch Herbstspaziergänge vom Bahnhof bis zum Besucherzentrum, bei denen verschiedene Stationen des Festivals erlebt werden können. Mit dem Fahrrad wird eine erweiterte Tour ermöglicht.

Da die Plakate immer wieder für Aufregung beim steirischen herbst sorgten, wurden heuer zehn Personen gebeten, ihre Ideen in diesem Genre zu verwirklichen. Diese Arbeiten können im Pressezentrum besichtigt und als Sammleredition erworben werden.

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