Britischer Außenminister reist in Nachbarländer Afghanistans

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Nach massiver Kritik an der Luftbrücke aus Kabul hat der britische Außenminister Dominic Raab eine Reise in die Nachbarländer Afghanistans angekündigt. Raab sagte am Mittwoch im Parlament, er werde noch am Abend in die Region aufbrechen, um weitere Ausreisemöglichkeiten für britische Staatsbürger und schutzbedürftige Afghanen auszuloten. Wie Raab bei einer fast zweistündigen Befragung im Außenausschuss sagte, führt London bereits Gespräche mit den radikalislamischen Taliban.

Dabei geht es darum, die in Afghanistan zurückgebliebenen Briten sowie ehemalige Ortskräfte der britischen Armee möglichst bald außer Landes bringen zu können. Der ranghohe Diplomat Simon Gass reiste bereits nach Doha, um Vertreter der Taliban zu treffen.

Raab will bei seiner Reise nach eigenen Angaben nun auch „Vereinbarungen“ mit Nachbarländern Afghanistans treffen. Er stellte den Ländern auch Unterstützung in Aussicht. „Wir müssen die Grenzen offen halten“, so der Minister.

Die britische Regierung steht wegen der chaotischen Evakuierungsaktion aus Kabul massiv in der Kritik. London wird vorgeworfen, nicht genügend Menschen aus Afghanistan gerettet zu haben. Auch an Raab selbst gab es heftige Kritik, weil der Außenminister nach der Machtübernahme der Taliban nicht sofort seinen Urlaub abgebrochen hatte.

Premierminister Boris Johnson hatte bereits vor Raabs Auftritt im Parlament angekündigt, die afghanischen Ortskräfte und ihre Familien so zu unterstützen, dass sie sich „ein Leben hier im Vereinigten Königreich aufbauen können“. „Wir sind den Mitarbeitern unserer Armee in Afghanistan zu außerordentlichem Dank verpflichtet“, erklärte Johnson.

Die Regierung kündigte an, den 8.000 Ortskräften, die Afghanistan bereits verlassen konnten, unbefristete Aufenthaltsgenehmigungen zu erteilen. Außerdem gebe es für die Menschen „in der Zukunft die Möglichkeit, die britische Staatsbürgerschaft zu beantragen“.


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