Wien Modern will heuer zum 34. Mal durchstarten

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„Mach doch einfach was du willst“ - mit diesem Motto zwischen Liberalismus und Patzigkeit macht sich das Neue-Musik-Festival Wien Modern ab Ende Oktober auf, die Bundeshauptstadt wieder mit zeitgenössischen Klängen zu bespielen. Innerhalb des Festivalmonats von 30. Oktober bis 30. November sind dabei 120 Veranstaltungen an 38 Spielorten zu sehen, darunter alleine 80 Uraufführungen, wie bei der Präsentation am Donnerstag enthüllt wurde.

Das Bestreben, neben der Kernspielstätte Konzerthaus tatsächlich die ganze Stadt in die Vorhaben einzuschließen, nimmt man ernst und hat Spielstätten in elf Bezirken aufgestellt - vom Cafe Korb bis zum Musikverein, von den neuen SOHO Studios bis zum Studio Molière. „Das Festival entwickelt sich rapide“, freute sich Bernhard Günther als künstlerischer Leiter. Das liege nicht zuletzt an der Bereitschaft der Stadtregierung, den Trend zur Kürzung der Subventionen umzukehren. So wurde vonseiten der Stadt die Subvention nun von 700.000 Euro auf 1 Million Euro erhöht. Und auch vom Bund habe er eine informelle Zusage, die bisherige Subvention von 150.000 Euro auf 200.000 Euro anzuheben, so Günther.

Ungeachtet dieser positiven finanziellen Entwicklung bleibe in Coronazeiten und den damit einhergehenden Verschiebungen zu konstatieren: „Kulturprojekte kuratieren ist derzeit nicht lustig.“ Man habe nun tendenziell größere Säle vorgesehen, um etwaige Sicherheitsabstände einhalten zu können. „Selbst wenn eine Abstandsregel wieder kommen sollte, sind wir so gut vorbereitet wie menschenmöglich“, unterstrich Günther.

So ist es heuer gelungen, wieder ein überbordendes Füllhorn des Genres zusammenzustellen. Zu den großen Produktionen 2021 gehört etwa die neue Oper „Poppea“ von Michael Hersch und Stephanie Fleischmann, die sich ab 5. November im Odeon in der Regie von Markus Bothe der römischen Kaisermutter widmen wird. Das Stück ist eine von acht Musiktheateruraufführungen der heurigen Ausgabe, zu denen auch „Alles kann passieren. Eine Chorprobe“ von Norbert Sterk und Doron Rabinovici im Radiokulturhaus oder „Operan21 - Logoratorium „ von Bertl Mütter im Literaturmuseum gehören.

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Mit von der Partie ist nach der Verschiebung im Vorjahr auch Altmeister Georg Friedrich Haas, dessen vierstündige Installationsperformance „ceremony II“ die Säle des Kunsthistorischen Museums bespielen wird. Marino Formenti schlägt diese Aufführungsdauer mit „Feldman 760“ am 24. November in der Albertina locker, umfasst seine Arbeit doch nicht 240, sondern eben 760 Minuten. Das Projekt ist Teil eines von Malerstar Georg Baselitz cokuratierten Subfestivals, das zwischen 22. und 25. November angesetzt ist. „Georg Baselitz einmal als Ohrenmensch gesehen“, umriss Günther das Vorhaben, zu dem neben einem Schwerpunkt auf Quartette auch Uraufführungen von Olga Neuwirth und Elisabeth Harnik auf Texte des Meisters gehören. Ein weiteres Festival im Festival stellt „comprovise“ statt, bei dem sich zwischen 26. und 28. November die Improvisationsszene versammeln soll.

Der Erste Bank Kompositionspreis geht heuer an den Kärntner Christof Ressi, dessen Arbeit am 24. November zu hören sein wird. Und bereits zuvor wird am 14. November erstmals „Oratorium“ des Büchner-Preisträgers Lukas Bärfuss und des Elektrokomponisten Thomas Kessler in der Jesuitenkirche uraufgeführt.

Monumental zu geht es am 19. November zu, wenn das RSO unter Ingo Metzmacher nach den Salzburger Festspielen nun im Konzerthaus Friedrich Cerhas „Spiegel“ in toto aufführt. Auch das Eröffnungskonzert am 30. Oktober wird wieder traditionell im Konzerthaus begangen, wo Marin Alsop ihr RSO durch einen Abend führt, an dem unter anderem Thomas Wallys „Utopia I“ erklingen wird. Am anderen Ende des Bogens steht dann Beat Furrer, der ab 20. November neben der Präsentation seiner sämtlichen Streichquartette und dreier Uraufführungen zum Festivalabschluss auch als Dirigent am Pult der Wiener Symphoniker am 30. November stehen wird.

Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) nahm die Präsentation am Donnerstag zum Anlass, die Bedeutung des Kulturbereichs allgemein zu unterstreichen. „Im Feld der Kunst und Kultur können Fragen gestellt werden“, so die Kulturpolitikerin. Und eben deshalb sei Kunst und Kultur überlebensnotwendig für eine Zivilgesellschaft.

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