Afghanistan - Katar: Bald Einrichtung humanitärer Korridore

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Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan könnten die internationalen Hilfsbemühungen schneller anlaufen als erwartet. Die mit den Islamisten in Verhandlungen stehende Regierung von Katar gab am Freitag bekannt, dass sie auf die Einrichtung von humanitären Hilfskorridoren an den afghanischen Flughäfen innerhalb von 48 Stunden hoffe.

Mit der Wiederaufnahme des Flugbetriebs steigt die Hoffnung auf eine Fortsetzung der Evakuierungsaktionen von ausländischen Staatsbürgern und afghanischen Ortskräften.

Die EU stellte den Taliban unterdessen Bedingungen für weitere Hilfszahlungen und diplomatische Kontakte. Die Bekanntgabe einer Regierung für Afghanistan zog sich weiter hin und wird nach Angaben eines Taliban-Sprechers nun frühestens am Samstag erwartet.

Katars Sondergesandter Mutlak al-Kahtani sagte dem Sender Al-Jazeera am Freitag, innerhalb der nächsten zwei Tage könne hoffentlich „Hilfe über den Flughafen Kabul und andere funktionierende Flughäfen“ in Afghanistan eintreffen. Am Donnerstag waren Experten aus Katar in Kabul gelandet, um den Flughafen nach dem US-Truppenabzug und dem Ende der Evakuierungsmission zu inspizieren.

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Schon vor der Machtübernahme der Taliban Mitte August war Afghanistan in hohem Maße von Hilfslieferungen abhängig. Im Jahr 2020 gingen 40 Prozent des afghanischen Bruttoinlandsprodukts auf internationale Hilfen zurück. Zuletzt warnte die UNO, dass 18 Millionen Afghanen von einer humanitären Katastrophe bedroht seien. Ebenso so viele könnten bald hinzukommen.

Die afghanische Fluggesellschaft Ariana stellte unterdessen die Wiederaufnahme des ausgesetzten Inlandsflugverkehrs in Aussicht. Die Vereinigten Arabischen Emirate kündigten die Entsendung eines Flugzeugs mit „medizinischer Soforthilfe und Nahrungsmitteln“ für „Tausende von Familien“ nach Afghanistan an. Zuvor hatten die Vereinten Nationen die Wiederaufnahme von humanitären Flüge in Teile des Landes verkündet, darunter nach Mazar-i-Sharif im Norden und Kandahar im Süden.

In den Diskussionen um eine gemeinsame Linie in den Verhandlungen mit den Taliban machte die EU Druck auf die neuen Herrscher am Hindukusch. Die EU-Außenminister stellten den Islamisten bei einem Treffen in Slowenien eine Reihe von Bedingungen für eine Zusammenarbeit und weitere Hilfszahlungen. Dazu zählen die Achtung der Rechte von Frauen und Mädchen und eine freie Ausreise für europäische und afghanische Staatsbürger.

Im Streben nach internationaler Anerkennung suchen die Taliban derweil den Schulterschluss mit China. Peking wolle, dass die Botschaft in Kabul weiter betrieben wird und „unsere Beziehungen im Vergleich zur Vergangenheit gestärkt werden“, teilte Taliban-Sprecher Suhail Schahin auf Twitter mit. Zuvor hatte Abdul Salam Hanafi, Mitglied des politischen Büros der Taliban in Katars Hauptstadt Doha, offenbar mit dem chinesischen Vize-Außenminister Wu Jianghao telefoniert.

Chinas Außenamts-Sprecher Wang Wenbin bestätigte die Angaben. Neben dem Aufbau von „offenen und integrativen politischen Strukturen“ und einer „gemäßigten und stabilen Innen- und Außenpolitik“ hoffe China auf einen „klaren Bruch der Taliban mit allen terroristischen Gruppen“, sagte er. China hatte sich zuvor zu „freundlichen und kooperativen“ Beziehungen zu den Taliban bereit erklärt.

Auch Russlands Präsident Wladimir Putin äußerte sich zu möglichen Beziehungen mit den Islamisten. Er sprach sich für „zivilisierte Beziehungen“ und „die Einhaltung zivilisierter Regeln“ aus, damit diplomatische Beziehungen mit Kabul gepflegt werden könnten.


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