Lyrikerin Putuma bot Politisches bei den Wiener Festwochen

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„Black girls don‘t die for your amusement / Backspace / Black girls don‘t die / Period.“ Wer sich am Freitag zur Weltpremiere der performativen Lesung von Koleka Putumas neuem Gedichtband „Hullo, Bu-Bye, Koko, Come In“ im brut Nordwest einfand, wurde auf einen hochpolitischen Streifzug durch Schwarze Lebensrealitäten entführt. Bei allem gebotenen Ernst sorgte die Südafrikanerin auch für so manche mit Selbstironie garnierte Auflockerung für das Wiener-Festwochen-Publikum.

Zu großer Bekanntheit gelangte Putuma mit ihrem 2017 erschienenen Debütgedichtband „Collective Amnesia“. Darin widmet sich die 1993 Geborene den vor allem für queere, Schwarze Personen unerfreulichen Seiten des Lebens wie Apartheid, Patriarchat, Rassismus und geschlechtsspezifische Gewalt. Ihr Werk avancierte zum Bestseller in Südafrika und wurde bald schon Pflichtlektüre auf der einen oder anderen Universität. Angesichts von mittlerweile zwölf Auflagen und Übersetzungen in acht Sprachen - Deutsch im Jahr 2020 - war eine internationale Lesereise nur eine Frage der Zeit.

Diese sollte für Putuma, die auch als Theaterregisseurin und Videokünstlerin tätig ist, als Inspiration für ihren heuer erschienenen zweiten Gedichtband „Hullo, Bu-Bye, Koko, Come In“ dienen. Darin reflektiert sie ihre Position als Schwarze Künstlerin in weißen Institutionen und fragt sich, wo Begeisterung für ihr Werk aufhört und (erneute) westliche Aneignung anfängt. Auch schreibt sie über Verunsicherung und Erschöpfung, schließlich gilt es für volle Auditorien zu performen, Bücher zu signieren und stets zu lächeln. Wenn das Visum abgelaufen ist, heißt es aber bitte wieder pünktlich nach Südafrika heimzukehren, skizziert Putuma die Grenzen des Star-Daseins.

Bei der von den Wiener Festwochen in Auftrag gegebenen performativen Lesung zum neuen Gedichtband trat Putuma ganz in weiß gekleidet und umgeben von großteils weißen Requisiten auf. Was als Hinweis auf Weiße Aneignung gelesen werden kann, erwies sich aus technischer Perspektive als praktisch - musste doch Text und Bewegtbild in rauer, kaum rezipierbarer Menge auf Körper und Gegenstände projiziert werden. Putuma selbst agierte auf der Bühne als Alleinunterhalterin. Mit beeindruckender Präzision trug sie eine Stunde lang eine Fülle an auswendig gelerntem Text vor, während sie mal erschöpft mit Taucherbrille am Meeresgrund liegend, mal mit Megafon zum Kampf gegen diverse Ismen aufrufend das Publikum seine Position reflektieren lässt.

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Nicht alle Gedichte vermochte die junge Lyrikerin szenisch einprägsam umzusetzen. Zwischenzeitlich drohte der Lesung trotz der geringen Dauer ein deutlicher Spannungsabfall. Das war wohl auch der Performerin bewusst, die für zwei sorgsam eingestreute Auflockerungen sorgte. „Vienna, are you awake?“, wollte Putuma zu dröhnenden Bässen vom vorwiegend jungen Publikum wissen, während sie Auflockerungs- und Tanzübungen betrieb. Für die eine oder andere eingeschlafene Person kam das aber zu spät. Die Freude Putumas über eine im Großen und Ganzen gelungene Weltpremiere konnte das aber nicht schmälern. Sie bedankte sich bei den lauten Applaus spendenden Zuschauerinnen und Zuschauern mit einem kleinen Freudensprung.

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