Elfriede Jelineks „Lärm“ im Akademietheater bejubelt

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Mit langem Jubel ist am Samstagabend im Wiener Akademietheater nach über dreieinhalb Stunden die Österreichische Erstaufführung des Stückes „Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen!“ von Elfriede Jelinek zu Ende gegangen. Der deutsche Regisseur Frank Castorf hat das Stück, das im Juni am Deutschen Schauspielhaus Hamburg uraufgeführt worden war, mit einem sechsköpfigen Ensemble als eine Art Tanz um einen großen, auch innen bespielbaren eisernen Masken-Kopf inszeniert.

Schweine - mal in Gold, mal in Plastik, mal in echt - spielen auch eine große Rolle. Schließlich hat die Nobelpreisträgerin Odysseus‘ Stranden auf der Insel der Zauberin Kirke, die seine Gefährten in Schweine verwandelt, als ein Zentralmotiv ihres Textes verwendet. Immer wieder eingewoben, aber nicht vordergründig präsent, ist die Auseinandersetzung mit Corona-Leugnern und dem Umgang mit der Pandemie. Nahm Karin Beier in ihrer Uraufführung deutlich Bezug auf die Geschehnisse in Ischgl und die Reaktionen deutscher Politiker, wird bei Castorf der Wintersportort nur am Rande angespielt, der österreichische Bundeskanzler jedoch textlich wie szenisch aufgewertet - von der Einspielung eines Zusammenschnittes seiner Reden bis zur überdimensionalen Kurz-Maske.

Mhemet Atesci, Marcel Heuperman, Dörte Lyssewski, Branko Samarovski, Marie-Luise Stockinger und Andrea Wenzl bekommen von Castorf einiges zu tun und auch einiges zu schreien. Und wie stets spielt Live-Video eine große Rolle. Diesmal gibt‘s auch Übertragungen aus einem Verlies in der Unterbühne, in dem Matratzen und Kartons voller Bananen auf die Insassen warten.

Für Frank Castorf war der Abend nur die erste von zwei Wiener Premieren innerhalb von 14 Tagen. Schon am 18. September bringt er am Burgtheater mit Peter Handkes „Zdenek Adamec“ ein Stück des zweiten österreichischen Literaturnobelpreisträgers heraus.

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