Protest in Montenegro gegen Amtseinführung von Metropolit

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Im Kloster von Cetinje, der alten montenegrinischen Hauptstadt, ist am Sonntagvormittag inmitten von Protesten die Zeremonie der Amtseinführung des serbisch-orthodoxen Metropoliten Joanikije abgehalten worden. Joanikije und das serbische Kirchenoberhaupt, Patriarch Porfirije, waren wegen Straßenblockaden und Protesten von Gegnern der Inthronisierung im Kloster unter starker Polizeibegleitung im Hubschrauber eingetroffen.

Mehrere serbisch-orthodoxe Würdenträger, die aus dem gut 36 Kilometer entfernten Podgorica nach Cetinje in zwei Bussen unterwegs waren, mussten wegen Straßenblockaden in die Hauptstadt zurückkehren. Der öffentliche TV-Sender RTCG, der zuvor mit der TV-Übertragung der Zeremonie beauftragt worden war, verzichtete bereits im Vorhinein auf die Reise. Dem TV-Team sei keine sichere Versetzung nach Cetinje ermöglicht worden, ließ der Sender wissen.

Hunderte Anhänger der Unabhängigkeit Montenegros wollten mit einer Blockade die Amtseinführung verhindern. An der wichtigsten Zufahrtsstraße, die von der heutigen Hauptstadt Podgorica nach Cetinje führt, sah ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur (dpa) aufgetürmte Autoreifen, Steinbrocken und einen quergestellten Sattelschlepper. In der vordersten Reihe saßen rund 50 Frauen auf der Straße. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschoße ein. Es gab Verletzte auf beiden Seiten. In den Morgenstunden wurden bereits mehrere Blockaden entfernt.

Die Anhänger der Unabhängigkeit Montenegros bewerten die Zeremonie im Kloster der historischen Hauptstadt als Machtdemonstration des pro-serbischen Lagers. Unter den Demonstranten befanden sich mehrere Funktionäre der bis zum Vorjahr regierenden Demokratischen Partei der Sozialisten (DPS) des Präsidenten Milo Djukanovic und andere Oppositionsparteien. Der Sicherheitsberater des DPS-Chef und fünf weitere Demonstranten wurden festgenommen.

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Premier Zdravko Krivokapic beschuldigte unterdessen die DPS wegen der Organisation von Protesten. „Alles, was in Cetinje passiert ist, ist ein Versuch von Terroraktionen“ ließ Krivokapic auf Twitter wissen.

Metropolit Joanikije (1959) wurde im Mai von der serbischen Kirchenversammlung in Belgrad zum Nachfolger des im Vorjahr am Covid-19 verstorbenen Metropoliten Amfilohije bestellt. Die vorjährigen Parlamentswahlen haben zum ersten Mal mehrere Oppositionsparteien, darunter die Demokratische Front, gewonnen, die für ihre engen Kontakte zu Belgrad und der serbisch-orthodoxen Kirche bekannt ist. Die DPS musste zum ersten Mal seit 1991 in die Opposition. Die Amtszeit von Präsident Djukanovic läuft noch bis 2022.


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