Schüsse und Militär in den Straßen von Guineas Hauptstadt

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Im Zentrum von Conakry, der Hauptstadt Guineas, sind am Sonntag Soldaten aufmarschiert und es ist zu anhaltenden Schusswechseln gekommen. Das Militär war vor allem auf den Straßen der Halbinsel Kaloum zu sehen, wo sich das Präsidialamt und zahlreiche Regierungsinstitutionen des westafrikanischen Landes befinden, wie die AFP berichtete. Erklärungen von offizieller Stelle zu den Ereignissen lagen zunächst nicht vor. Ein westlicher Diplomat ging von einem Putschversuch aus.

Er habe „kein Zweifel“, dass ein Putschversuch im Gange sei, der von guineischen Spezialkräften angeführt werde. Seinen Informationen zufolge hat die Eliteeinheit den Präsidentenpalast zumindest vorübergehend übernommen. Der Diplomat, der anonym bleiben wollte, vermutete als Ursache Spannungen zwischen der Regierung und dem Kommandanten der Spezialeinheit.

Telefonisch kontaktierte Bewohner von Kaloum sprachen unterdessen von heftigem, anhaltendem Beschuss. Die Straßen seien voller Soldaten, welche die Bewohner aufforderten, in ihre Häuser zurückkehren und diese nicht zu verlassen. Der Zugang zur Halbinsel ist aufgrund ihrer geografischen Lage eingeschränkt. Die Sicherheitskräfte können ihn leicht blockieren.

Guinea, das trotz beträchtlicher Bodenschätze zu den ärmsten Ländern der Welt zählt, wird seit Monaten von einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise erschüttert, die durch die Corona-Pandemie noch verschärft wurde.

Präsident Alpha Condé hatte vergangenes Jahr eine Verfassungsänderung durchgesetzt, die ihm eine dritte Amtszeit ermöglicht. Im Oktober ging der heute 83-Jährige nach offiziellen Angaben aus der von Gewalt begleiteten, umstrittenen Wahl als Sieger hervor, was wiederum zu Massenprotesten führte. Bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften starben damals dutzende Menschen.


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