Griechischer Minister entschuldigte sich für Antisemitismus

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Der seit Ende August neu im Amt befindliche griechische Gesundheitsminister, Athanasios (Thanos) Plevris, hat sich für antisemitische Äußerungen aus der Vergangenheit entschuldigt. Nach einer Aufforderung durch die Jüdische Gemeinde Griechenlands, erklärte der enge Vertraute des konservativen Premiers Kyriakos Mitsotakis (Nea Dimokratia/ND) laut jüngsten Medienberichten, dass er die Opfer des Holocausts respektiere und sich gegen jede Form von Antisemitismus stelle.

Die jüdische Gemeinde hatte sich auf als antisemitisch eingestufte Äußerungen des nunmehr 44-jährigen Juristen und Nea-Dimokratia-Politikers vor über zehn Jahren bezogen, als er noch Mitglied der nationalistisch-ausländerfeindlichen Völkischen Orthodoxen Gesamtbewegung (LAOS) war und dem rechtsextremen Lager zugeordnet wurde. Damals habe er auch den Holocaust geleugnet, so der Vorwurf, der anlässlich der Regierungsumbildung in der vergangenen Woche gegen Plevris erhoben wurde.

Die Mitglieder des Zentralrats der Juden in Griechenlands hatten bei dieser Gelegenheit auch ihre Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass Plevris trotz seiner einschlägigen Vergangenheit als neuer Gesundheitsminister „alle Bürger des Landes, unabhängig der Nation, Hautfarbe oder Religion respektieren“ werde.

Früher hatte Athanasios Plevris für die Rechtsanwaltskanzlei seines Vaters, Konstantinos (Kostas) Plevris (82), gearbeitet, von dem er sich mittlerweile ideologisch und politisch aber distanziert. Kostas Plevris bezeichnet sich selbst als „Nazi, Faschist, Rassist, Antidemokrat und Antisemit“. Er gilt auch als Theoretiker des Rechtsextremismus in Griechenland und als dezidierter Bewunderer des nationalsozialistischen Diktators Adolf Hitler.

Als Anwalt verteidigte Konstantinos Plevris öffentlich und vor Gericht die mittlerweile als „kriminell“ eingestufte Rechtsextremen-Organisation „Goldene Morgenröte“ und versuchte, ihr einen rein politischen Charakter zuzuschreiben. Er ist zudem Autor eines Buches, in dem unter anderem ausgeschlossen wird, dass Juden gleichzeitig Griechen sein könnten. Auch der Holocaust wird darin geleugnet. Konstantinos Plevris wurde mehrmals vor Gericht für schuldig befunden, zu Judenhass und rassistischer Gewalt angestiftet zu haben.

Vor allem in Thessaloniki und anderen nordgriechischen Städten lebte noch im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts eine große jüdische Gemeinde. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurde der Großteil der griechischen Juden in Konzentrationslager deportiert und dort ermordet. Athen und Thessaloniki verfügen jeweils über ein jüdisches Museum, wo über die Geschichte des Judentums in Griechenland informiert wird.

Athanasios Plevris soll als Gesundheitsminister unter anderem den Corona-Impffortschritt - etwa im Gesundheitswesen - vorantreiben. In Griechenland ist Anfang September die verpflichtende Frist für Krankenhauspersonal, sich gegen Corona impfen zu lassen, abgelaufen. Athen hatte dies gesetzlich festgelegt. Wer die Impfung weiterhin verweigert, könnte vom Dienst suspendiert werden und keinen Lohn bekommen. „Das Gesetz wird Anwendung finden“, sagte Plevris dazu im Staatsfernsehen. Die Impfverweigerer wurden bisher auf etwa 20 Prozent des Krankenhauspersonals geschätzt.


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