Taliban wollen bald neue Regierung vorstellen

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Die Taliban haben eigenen Angaben zufolge auch die umkämpfte Provinz Panjshir vollständig eingenommen und wollen nun rasch eine neue Regierung bilden. „Panjshir, das letzte Versteck des geflohenen Feindes, ist eingenommen“, sagte Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid am Montag. Die Widerstandskämpfer riefen indes zum weiteren Kampf auf. Einen Termin für die Vorstellung der Regierung gab es zunächst nicht, es werde sich aber um ein „interimistisches System“ handeln, so Mujahid.

„Die endgültigen Entscheidungen sind getroffen, wir arbeiten jetzt an den technischen Fragen“, sagte Mujahid. „Wir hoffen, dass wir die Ankündigung der Regierung in den nächsten Nächten hören, auch wenn das genaue Datum noch nicht klar ist“, so der Taliban-Sprecher. Man habe mehrere Länder eingeladen, an der Zeremonie zur Verkündung der Regierung teilzunehmen. Gerüchte über Unstimmigkeiten über die Bildung innerhalb der Bewegung dementierte er.

Die Taliban hatten vor drei Wochen die Kontrolle über den größten Teil Afghanistans und am 15. August auch die Macht in der Hauptstadt Kabul übernommen, nachdem die vom Westen unterstützte Regierung zusammengebrochen und Präsident Ashraf Ghani geflohen war. In der Nacht auf Montag verkündeten die Islamisten auch die Eroberung des Panjshir-Tals. Bilder auf Internet-Plattformen zeigten Taliban-Kämpfer, die nach Gefechten mit der Nationalen Widerstandsfront Afghanistans (NRFA) unter Führung von Ahmad Massoud vor dem Tor des Gouverneurs der Provinz Panjshir standen.

Massoud, der Reste der regulären afghanischen Armee und Spezialeinheiten sowie lokale Milizkämpfer vereint hatte, ist eigenen Angaben nach in Sicherheit. Den Taliban zufolge sollen Massoud und der ehemalige Vizepräsident Amrullah Saleh ins benachbarte Tadschikistan geflohen sein. In einer am Montagnachmittag veröffentlichten Audiobotschaft rief Massoud zum Widerstand auf: „Wir rufen Sie auf, einen allgemeinen Aufstand zu beginnen, um der Ehre, Freiheit und dem Stolz unserer Heimat willen!“ Zur aktuellen Situation in Panjshir äußerte er sich nicht. Massoud sagte lediglich, dass die Menschen in jeder möglichen Form kämpfen könnten, sei es durch bewaffneten Kampf oder durch Proteste. Die Nationale Widerstandsfront stünde bis zum letzten Moment an ihrer Seite.

Der NRFA-Vertreter Ali Maisam Nasary schrieb, die Opposition werde weiter kämpfen. „Die NRF-Kräfte sind in allen strategischen Positionen im Tal präsent, um den Kampf fortzusetzen“, erklärte er via Facebook. Zuvor hatten die Widerstandskämpfer einen Waffenstillstand vorgeschlagen - ein Zeichen für die drohende Niederlage gegen die vorrückenden Taliban. Wie die NRF am Sonntagabend mitteilte, wurden bei den Kämpfen auch ein bekannter Sprecher, Fahim Dashti, sowie ein General der Widerstandsgruppe getötet.

Mujahid warnte indes vor weiterem Widerstand gegen die Herrschaft der Taliban. Dieser werde hart bestraft. Frühere Regierungstruppen forderte der Sprecher auf, sich den Taliban anzuschließen.

Weiters kündigten die Islamisten an, an der Wiedereröffnung des Flughafens in Kabul zu arbeiten. Es seien „ernsthafte Schritte“ für den Wiederaufbau unternommen worden. Technische Teams aus Katar, der Türkei und einem in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässigen Unternehmen arbeiteten vor Ort. Auch Pakistan stelle Hilfe bereit.

Inlandsflüge sind demnach bereits wieder aufgenommen worden. Derzeit arbeite man auch am Radar. Dieses sowie andere Teile des Flughafens sind nach Darstellung von Mujahid von US-Kräften mutwillig zerstört worden. Die Reparatur brauche Zeit.

Unterdessen sitzen rund 1.000 Personen trotz Visa für die USA oder andere Länder weiter am Flughafen in Mazar-i-Sharif fest, wie ein Organisator von Charterflügen Reuters sagte. Sechs Flugzeuge mit Amerikanern und Afghanen an Bord könnten aus Mazar-i-Sharif nicht abheben, weil sie von den Taliban keine Freigabe erhalten hätten, hatte zuvor der Republikaner Mike McCaul, der im Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten des US-Repräsentantenhauses sitzt, dem Sender „Fox“ gesagt. Die Taliban hielten die Passagiere „als Geiseln“. Er gehe davon aus, dass sie „die volle Anerkennung durch die Vereinigten Staaten von Amerika“ anstrebten. Die „New York Times“ zitierte indes einen Organisator der Flüge mit den Worten, die Maschinen hätten die notwendige Freigabe erhalten und warteten auf die endgültige Genehmigung der Taliban. Die Passagiere würden nicht als Geiseln festgehalten.


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