Putsch in Guinea: Militärjunta will Macht festigen

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Die Anführer eines Militärputsches im westafrikanischen Guinea haben Regierungsmitgliedern am Montag untersagt, das Land zu verlassen. Die Mitglieder des Kabinetts, die einen Tag nach der Absetzung von Präsident Alpha Condé zusammengerufen wurden, sollten ihre Reisepässe und Dienstfahrzeuge abgeben, sagte der Anführer des Umsturzes, Mamady Doumbouya, in der Hauptstadt Conakry.

Doumbouya, der Befehlshaber einer von Condé geschaffenen Elite-Militäreinheit, hob außerdem einen am Sonntag verhängten Stopp des Luftverkehrs sowie eine Ausgangssperre in Bergbaugebieten auf. Guinea ist einer der weltweit größten Lieferanten von Bauxit, einem Erz, das zur Herstellung von Aluminium verwendet wird. Das Land beliefert alle wichtigen Weltmärkte, mit China einer seiner größten Abnehmer.

Im Anschluss an die Sitzung fuhr Doumbouya in einem Militärkonvoy zum Zentralgefängnis Siruté in der Hauptstadt und veranlasste die Freilassung von vier Oppositionspolitikern, wie ein dpa-Reporter vor Ort berichtete. „Die anderen werden später befreit“, sagte der Putschistenführer mit Blick auf Tausende von Oppositionsmitgliedern, die unter Präsident Condé verhaftet worden waren.

Hunderte von Anhängern der Opposition feierten den Sturz Condés in den Straßen der Hauptstadt. Menschen tanzten am Straßenrand, hielten Fäuste als Siegeszeichen in die Luft und lieferten sich Hupkonzerte, um ihre Freude und Hoffnung auf eine Neuanfang auszudrücken.

Der Aufenthaltsort des abgesetzten Präsidenten blieb am Montag unklar. Nach Angaben von Militärquellen soll sich Condé unter Hausarrest in einem Hotel in Conakry befinden. Die Vereinten Nationen, Europäische Union, Vereinigte Staaten und Russland haben den Umsturz verurteilt.

Condé war 2010 bei der ersten freien demokratischen Wahl seit Guineas Unabhängigkeit 1958 an die Macht gekommen. Ihm werden Reformen in der Wirtschaft und im Militär zugeschrieben, außerdem sorgte er nach politisch turbulenten Jahrzehnten für mehr Stabilität. Kritiker sehen Condé indes als zunehmend autoritären Herrscher, dessen Amtszeit von Menschenrechtsverletzungen geprägt war. Vergangenes Jahr sicherte er sich nach einer umstrittenen Verfassungsänderung eine dritte Amtszeit. Der Abstimmung waren monatelange politische Spannungen und gewalttätige und brutal unterdrückte Proteste vorausgegangen, bei denen Dutzende starben.

Der Putsch habe ein Jahrzehnt politischer Stabilität auf den Kopf gestellt und sei zweifellos von den Umstürzen im Mai 2021 und August 2020 im benachbarten Mali inspiriert, sagte Eric Humphery-Smith, Afrikaexperte der Sicherheitsberatungsfirma Verisk Maplecroft. Für den globalen Bauxitmarkt sagte Humphery-Smith „eine erhebliche Versorgungsunterbrechung“ für die nächsten Tage, wenn nicht sogar Wochen voraus.

In Afrika kommt es häufig zu Regierungswechseln durch Militärputsche. In Mali, in dem auch das Bundesheer als Teil einer UN Friedensmission im Einsatz ist, entmachtete das Militär Präsident Ibrahim Boubacar Keita im August 2020. Neun Monate später zwangen die Putschisten auch den Interimspräsidenten zum Rücktritt. 2019 wurde Autokrat Omar al-Bashir im Sudan vom Militär abgesetzt. Das gleiche Schicksal ereilte Präsident Robert Mugabe 2017 in Simbabwe sowie Präsident François Bozizé 2013 in der Zentralafrikanischen Republik.


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