Filmlegende Jean-Paul Belmondo mit 88 Jahren verstorben

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Schauspiellegende Jean-Paul Belmondo ist tot. Der Franzose, der mit „Außer Atem“ den Durchbruch zum Kinostar schaffte, starb im Alter von 88 Jahren. Das bestätigte die Kanzlei seines Anwalts, Michel Godest, am Montag. Der Film „Außer Atem“ von Jean-Luc Godard machte Belmondo an der Seite von Jean Seberg in den 60er-Jahren zum Aushängeschild des „Nouvelle Vague“-Kinos.

Er wurde zum Symbol für Rebellion und Anarchismus. In dem Film spielte der damals 26-Jährige einen Ganoven und Polizistenmörder, der ziellos in den Tag hineinlebt. Der Nachwelt hinterlässt Belmondo gut 80 Kinofilme und mehr als 40 Theaterrollen.

Belmondo schrieb mit seiner Rolle als Antiheld Filmgeschichte. Mit seiner Boxernase und seinem zerknautschten Gesicht wurde er zum Protagonisten einer neuen Generation von Filmstars, die keine schönen Helden mehr waren. Die bedeutendsten „Nouvelle Vague“-Regisseure, die mit ihrer innovativen Bildsprache das französische Kino revolutionierten, rissen sich um ihn. Mit François Truffaut drehte er das „Geheimnis der falschen Braut“, ein weiterer Film mit Godard war die Dreiecksgeschichte „Eine Frau ist eine Frau“.

Seine Glanzzeit als Draufgänger, Gangster und Actionheld erlebte er in 60er und 70er Jahren. Neben Brigitte Bardot und Jean Gabin gehörte er damals zu den großen Leinwandstars. Zu seinen Kassenhits zählte auch „Abenteuer in Rio“ von Philippe de Broca. Darin spielte er einen jungen Soldaten, der auf der Suche nach seiner entführten Freundin in die haarsträubendsten Abenteuer verwickelt wird. In Henri Verneuils Abenteuerfilm „100 000 Dollar in der Sonne“ schlüpfte er in die Haut des Ganoven Rocco, der auf der Flucht durch die unwegsame Sahara ist.

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Im Jahr 1974 stand er für Alain Resnais vor der Kamera - als Hochstapler und Millionenbetrüger in „Stavisky“. Dem breiten Publikum gefiel Belmondo auch als Ex-Agent des französischen Geheimdienstes in „Der Profi“ und als Findelkind Sam Lion in „Der Löwe“ von Claude Lelouch.

Belmondo, von seinen französischen Fans „Bébel“ genannt, wurde am 9. April 1933 im eleganten Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine geboren. Sein Vater Paul, dessen Familie aus Sizilien stammte, war ein bekannter Pariser Bildhauer, seine Mutter eine Tänzerin. Als Kind galt Jean-Paul als besonders undiszipliniert. Er wechselte mehrmals die Schule und entdeckte als Gymnasiast den Boxsport. Er bestritt mehrere Kämpfe, bevor er sich dazu entschloss, Schauspieler zu werden.

Der stets braun gebrannte Haudegen hatte vier Kinder aus den Beziehungen mit der Tänzerin Elodie Constant und Nathalie Tardivel. Im Jahr 2008 lernte er das einstige „Playboy“-Model Barbara Gandolfi kennen. Die Liaison mit der um mehr als 40 Jahre jüngeren Belgierin war einige Jahre später vorbei.

Zuletzt stand Belmondo 2008 in einem Spielfilm vor der Kamera. In „Ein Mann und sein Hund“ von Francis Huster spielte er einen vereinsamten älteren Herrn - gezeichnet von seinem Schlaganfall im Jahr 2001.

Präsident Emmanuel Macron bezeichnete die Schauspielikone auf Twitter als „nationalen Schatz“. In ihm hätten sich alle wiedergefunden. „Belmondo bleibt für immer der Teufelskerl“, schrieb Macron, wobei er sich auf den gleichnamigen Film von 1973 bezog, in dem Belmondo einen Autor und Möchtegern-Geheimagenten spielt. Auch Premierminister Jean Castex würdigte Belmondo auf Twitter in Anlehnung an den Film. Belmondo war schon seit längerer Zeit erschöpft. Nun sei er ruhig entschlafen.

Filmemacher Philippe Labro, der etliche Streifen mit Belmondo drehte, schrieb: „Er war ein viel komplexeres Wesen, als man glaubt. Er hatte einen Sinn für das Tragische. (...) Er war ein Mensch mit einem enormen Herzen, mit Geschmack und Freude am Leben.“ Und die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, sagte: „Danke für diese fabelhaften Erinnerungen die so viele Generationen geprägt haben.“

Auch die Organisatoren des Roland-Garros-Tennisturniers würdigten den „immensen Schauspieler“. „Roland Garros ist das Waisenkind eines seiner treuesten Liebhaber.“ Denn kaum ein Turnier verpasste der Schauspieler auf den Zuschauerrängen. Selbst die Fremdenlegion widmete Belmondo ein „Adieu“ - immerhin hatte Belmondo in dem Streifen „Die Glorreichen“ einen Legionär gespielt.

Vollkommen am Boden zerstört reagierte auch ein weiterer französischer Leinwandstar, Alain Delon. „Das ist ein Teil meines Lebens, wir haben zusammen in den sechziger Jahren begonnen“, sagte Delon dem Sender CNews. Seit einigen Wochen habe er gewusst, dass es Belmondo sehr schlecht geht.

In memoriam Jean-Paul Belmondo ändert der ORF sein Programm und zeigt heute, Montag, nach Nachrufen in „Kultur Heute“ (19.45 Uhr, ORF III) und „kulturMontag“ (22.30 Uhr, ORF 2) um 23.30 Uhr in ORF 2 im Rahmen von „kulturMontag“ die 2015 entstandene Dokumentation „Belmondo, der Unwiderstehliche“. Das für 23.30 Uhr geplante Porträt „Heimito und die Doderers - Eine Familie und ihr Schriftsteller“ entfällt.


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