Österreich gibt 18 Millionen Soforthilfe für Afghanistan

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Zur Bekämpfung der humanitären Krise in Afghanistan und der Region hat die Bundesregierung im Ministerrat am Mittwoch 18 Millionen Euro Soforthilfe beschlossen. Die Mittel des Auslandskatastrophenfonds (AKF) sollen „sofort und unbürokratisch“ zur Verfügung stehen, teilte das Außenministerium in einer Aussendung mit. Zehn Millionen Euro davon gehen an das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR), fünf Millionen Euro an UN Women und 3 Millionen Euro an das UN-Welternährungsprogramm.

Durch die bereits Jahrzehnte andauernden Konflikte im Land sind laut UNHCR beinahe die Hälfte der afghanischen Bevölkerung, über 18 Millionen Menschen, auf humanitäre Hilfe angewiesen. Knapp drei Millionen Afghanen seien im eigenen Land Vertriebene, weitere 2,5 Millionen ins Ausland geflohen, betonte das Ministerium. Die Machtübernahme der radikalislamistischen Taliban habe diese Entwicklungen weiter verstärkt und wirke zudem destabilisierend auf die gesamte Region.

„Wir wollen in der Region helfen und dadurch weitere Fluchtbewegungen nach Europa verhindern,“ sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in einer Stellungnahme. Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) ergänzte: „Die Lage der Frauen und Mädchen, der Flüchtlinge und die Ernährungslage für ein Drittel der Bevölkerung sind alarmierend. Das macht die internationale humanitäre Hilfe so dringend notwendig.“ Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) betonte: „Wir müssen den Menschen in Afghanistan rasch helfen, um eine weitere Destabilisierung der Region zu verhindern.“ Und Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) hob die österreichische Hilfe für Frauen hervor, „denn sie sind es, die unter der islamistischen frauenfeindlichen und gewalttätigen Schreckensherrschaft der Taliban besonders leiden“.

Österreich hat laut Ministerium in den vergangenen vier Jahren bereits über 11 Millionen Euro für humanitäre Hilfsprojekte und Entwicklungsprojekte in Afghanistan sowie für afghanische Flüchtlinge in Pakistan geleistet.

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Das UNHCR begrüßte die Ankündigung zur Soforthilfe. „Wenn jetzt langsam die Bilder aus Afghanistan von unseren Bildschirmen verschwinden, bleiben Millionen Menschen dennoch weiterhin von der Hilfe der internationalen Gemeinschaft abhängig. Bereits vor der aktuellen Krise waren unsere Hilfsprogramme drastisch unterfinanziert, umso wichtiger ist dieser Schritt der österreichischen Bundesregierung“, so Christoph Pinter, Leiter von UNHCR Österreich, in einer Aussendung. UNHCR werde die Spende sowohl für Vertriebene innerhalb Afghanistans als auch für Menschen, die großzügig von den Nachbarländern aufgenommen wurden, einsetzen.

Gleichzeitig rief das UNHCR alle Staaten auf, unter den aktuellen Umständen keine Afghanen nach Afghanistan oder in Nachbarstaaten abzuschieben und die Grenzen für Flüchtlinge aus Afghanistan „weltweit offen zu halten, unabhängig davon, wann sie Afghanistan verlassen haben“.


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