Taliban lassen 200 US-Bürger ausreisen

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Die radikal-islamischen Taliban lassen nach US-Angaben 200 Amerikaner und andere Zivilisten aus Afghanistan ausreisen, die nach Ende des Evakuierungseinsatzes zurückgeblieben sind. Genutzt würden Charter-Flüge vom Flughafen Kabul. Die Abflüge würden für Donnerstag erwartet, teilte ein namentlich nicht genannter US-Vertreter mit. Der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, habe die Taliban gedrängt, die Menschen ausreisen zu lassen, hieß es weiter.

Ob diese Menschen aus den USA und Drittländern unter denen seien, die tagelang in Masar-i-Scharif festsaßen, weil ihre private Charter-Maschine nicht starten durfte, war unklar. Die USA hatten am 31. August ihre letzten Soldaten aus Afghanistan abgezogen und ihren Militäreinsatz dort nach 20 Jahren beendet. Damit stoppten die USA und auch andere Länder ihre Evakuierungsflüge aus der Hauptstadt Kabul, mit denen sie eigene Staatsangehörige und afghanische Ortskräfte sowie besonders gefährdete Personen außer Landes gebracht hatten.

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Pro Asyl forderten die deutsche Bundesregierung unterdessen auf, die Evakuierung gefährdeter Menschen aus Afghanistan fortzusetzen. „Es ist vordringlich, dass besonders gefährdete Menschen die Nachbarstaaten erreichen können, um von dort evakuiert zu werden“, erklärte der Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland, Markus Beeko. Die Bundesregierung müsse jetzt auf eine schnelle Einigung drängen, damit Schutzbedürftige in die Nachbarländer Afghanistans einreisen könnten, um von dort nach Deutschland gebracht zu werden.

Zu den Gefährdeten gehörten Mitarbeitende lokaler Partnerorganisationen und deutscher Organisationen, Frauenrechtlerinnen und Menschenrechtsaktivisten, hieß es in der von mehr als 20 Organisationen mitgetragenen Erklärung. Verwiesen wird darin auf bei Subunternehmen beschäftigte Ortskräfte und Regierungsangestellte, die für einen demokratischen Staat und eine unabhängige Justiz eingetreten sind.

Zusätzlich müssten die Nachbarstaaten Afghanistans unterstützt werden. Dabei gehe es um humanitäre Hilfe, aber auch darum, dass Deutschland gemeinsam mit anderen EU-Mitgliedsstaaten Flüchtlinge aufnimmt. „Es braucht jetzt zügig Aufnahmeprogramme auf Bundes- und Landesebene, um einem angemessenen Kontingent afghanischer Flüchtlinge einen sicheren Zugangsweg nach Deutschland zu gewähren“, erklärten die Organisationen.


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