„Eine Entdeckung!“: Sammlung Schedlmayer im Leopold Museum

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Das Sammlerehepaar Rudolf und Elisabeth Leopold hat mit seinen Aktivitäten Österreichs Museumsszene unendlich bereichert. Parallelen zum Ehepaar Hermi (1941-2018) und Fritz Schedlmayer (1939-2013) liegen durchaus nahe, wenn man durch die neue Ausstellung des Leopold Museums schlendert. „Die Sammlung Schedlmayer. Eine Entdeckung!“ biete „eine spannende Reise durch Wien um 1900 und die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts“, sagte Direktor Hans-Peter Wipplinger am Donnerstag.

Die Vorgeschichte ist ebenso interessant wie die Präsentation selbst: 1903/4 wurde von Josef Schmid eine Villa in Baden bei Wien erbaut, bereits 1912 beauftragten die neuen Besitzer, die Familie Rothenberger, den Architekten Otto Prutscher mit Umbau und Neu-Einrichtung. In den folgenden Jahrzehnten ging viel von der originalen Ausstattung verloren. 1989 erwarb das Ehepaar Schedlmayer die Villa Rothenberger und kümmerte sich in der Folge um Renovierungen und Restaurierungen. Sie wurden zu begeisterten Sammlern und konzentrierten sich dabei auf das vielseitige Oeuvre von Otto Prutscher (1880-1949).

Der Tischlersohn absolvierte nach einer Lehre im elterlichen Betrieb u.a. ein Studium an der Wiener Kunstgewerbeschule. War Holz sein bevorzugtes Material, zu dem er „geradezu ein erotisches Verhältnis hatte“, zeigte er sich stilistisch flexibel und ging auf die unterschiedlichsten Wünsche seiner Auftraggeber ein: „Durch diese Flexibilität erwarb er sich eine Omnipräsenz im Wiener Leben“, erläuterte Kurator Ivan Ristić bei der Presseführung. Ein 1911 entstandener und mit kunstvollen Intarsienarbeiten versehener Prunkschrank und ein 1912 angefertigtes, deutlich schlichteres weißes Salonkästchen aus gebogenem, bemalten Pappelholz illustriert in der bis 20. Februar laufenden Schau diese Bandbreite deutlich. Neben Möbeln gibt es auch Luster, Vasen, Kleinskulpturen, Gemälde, Aquarelle, Drucke, Stielgläser und viele Kunsthandwerkobjekte zu sehen. „Es gibt kaum ein Medium, das nicht vertreten wäre“, fasste Wipplinger zusammen. „Das Gros der Exponate hat noch nie eine breite Öffentlichkeit gesehen.“

Das gilt aber nicht für die Leihgaben aus dem MAK: 2017 erfolgte eine großzügige Schenkung der Familie an das Museum für angewandte Kunst, das zwei Jahre später unter dem Titel „Allgestalter der Wiener Moderne“ auch ein Personale Prutschers zeigte. Viele Stücke aus der frühen österreichischen Moderne, darunter Gemälde von Broncia Koller-Pinell, Jean Egger, Anton Kolig, Franz Wiegele und Anton Faistauer, aber auch Werke des deutschen Expressionismus von Karl Hofer, Christian Rohlfs, Max Pechstein oder Ernst Ludwig Kirchner machen die Schau im Leopold Museum zu einer 220 Exponate umfassenden Würdigung der Sammlung Schedlmayer, die mit eindrucksvollen Fotos der heutigen Interieurs der Villa ergänzt werden. Ein würdiger Start der Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen des Museums.

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