Taliban erlauben mehr als 200 Menschen Ausreise

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Vom Kabuler Flughafen ist am Donnerstag erstmals seit dem Abzug der US-Truppen aus Afghanistan wieder ein ziviles Verkehrsflugzeug abgehoben. Die Taliban wollen nach US-Angaben 200 Amerikaner und andere Zivilisten aus Afghanistan ausreisen lassen, die nach Ende des Evakuierungseinsatzes zurückgeblieben sind. Genutzt würden Charter-Flüge vom Flughafen Kabul, sagte ein US-Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters.

„Wir haben es hinbekommen, dass die erste Maschine mit Passagieren vor einer Stunde abheben konnte“, sagte der Außenminister Katars, Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al-Thani, in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Der Flughafen sei in den vergangenen Tagen wieder einsatzfähig gemacht worden. Al-Thani dankte den Taliban für die Hilfe bei der Wiedereröffnung des Flughafens für den zivilen Luftverkehr. Vor allem westliche Staaten hoffen, ehemalige Ortskräfte sowie andere Schutzsuchende über den Luftweg aus Afghanistan herausbringen zu können.

Zusammen mit seinem pakistanischen Kollegen Shah Mahmood Qureshi forderte Al-Thani, internationale humanitäre Hilfen für Afghanistan sollten an keine Bedingungen gebunden werden. Qureshi plädierte darüber hinaus dafür, vom Westen eingefrorene Finanzmittel für die Taliban freizugeben. Vor zwei Tagen hatte die radikal-islamischen Taliban eine Übergangsregierung für den Vielvölkerstaat ernannt, der vorwiegend Paschtunen angehören, darunter von den USA gesuchte Islamisten, und von der Frauen ausgeschlossen sind. Beobachter sehen darin einen Hinweis, dass die Taliban die Macht nicht teilen und keinen toleranteren Kurs als in früheren Jahren einschlagen wollen.

In Kabul wurden nach Angaben des Chefredakteurs der Zeitung „Etilaat Roz“, Saki Darjabi, zwei Journalisten in Polizeigewahrsam geschlagen, nachdem sie über Proteste von Frauen gegen die neuen Machthaber berichtet hatten und von Taliban festgenommen wurden. Er veröffentlichte in sozialen Netzwerken Bilder seiner Mitarbeiter mit großen, roten Striemen auf Rücken und Beinen. In ihren Gesichtern waren Blutergüsse und Schnittwunden zu sehen.

Die militärische Evakuierungsmission in Kabul war Ende vergangenen Monats mit dem Abzug der letzten US-Soldaten aus Afghanistan beendet worden. Seitdem bemühen sich westliche Länder, ihren Staatsangehörigen und ihren früheren afghanischen Ortskräften die Ausreise zu ermöglichen. US-Außenminister Antony Blinken hatte die Taliban am Mittwoch bei einem Besuch auf der US-Luftwaffenbasis Ramstein in Deutschland aufgefordert, ihre Zusage einzuhalten, Afghanen mit entsprechenden Reisedokumenten ausreisen zu lassen.

Unterdessen wurde offenbar das Grab des legendären Anführers der Nordallianz und Taliban-Gegners, Ahmad Shah Massoud, im Panjshir-Tal teilweise zerstört. In sozialen Netzwerken kursierten am Donnerstag Fotos und Videos vom beschädigten Grab Massouds, dessen Todestag sich am Donnerstag zum 20. Mal jährt.


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