Ex-Innenminister Einem laut Zeitungsbericht verstorben

  • Artikel
  • Diskussion

Der ehemalige Innenminister und SPÖ-Politiker Caspar Einem ist einem Bericht des „Standard“ zu Folge im 74. Lebensjahr verstorben. Auch ein langjähriger Weggefährte des prominenten Politikers berichtete der APA vom Ableben des Sohns des Komponisten Gottfried von Einem. Erst vor wenigen Tagen war Einem noch beim Forum Alpbach, dessen Vizepräsident er lange Jahre war, aufgetreten. Einem war verwitwet und Vater eines Sohns.

Der streitbare Einem, der eigentlich einem bürgerlichen Haushalt entstammte, galt in der SPÖ lange als Paradelinker, der wegen früheren Kontakten zur linksextremen Szene auch Anfeindung des Boulevard ausgesetzt war. Erstmals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde er als Staatssekretär unter anderem für Beamtenagenden im Jahr 1994. Die turbulente Zeit begann aber danach, als Einem Innenminister wurde. Diese Zeit war von Machtkämpfen mit der Exekutive und dem Briefbomben-Terror von Franz Fuchs gekennzeichnet. Dessen Festnahme verbuchte dann schon Nachfolger Karl Schlögl, während Einem ins Wissenschafts- und Verkehrsressort gewechselt war.

Nach dem Aus der Großen Koalition ging er ins Parlament, wo er im SPÖ-Klub unter anderem als Europasprecher fungierte. Aus der Politik zog sich Einem schließlich 2007 zurück. Damals wurde er zum Vorstandsmitglied im Bedarfsflugunternehmen „Jetalliance AG“. Vor dem Einstieg in die Politik war der studierte Jurist unter anderem für die OMV im Gasgeschäft tätig gewesen. Auch bei der Austro Control war er aktiv und zwar im Aufsichtsrat.

Verdienste holte er sich bei der Aufarbeitung der Geschichte des Bundes Sozialdemokratischer Akademiker (BSA), dem er rund sechs Jahre lang vorstand. Unter Einem wurde die Aufarbeitung der „braunen Flecken“, also die Integration ehemaliger Nazis in der Organisation, vorangetrieben.

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahre-Vignetten 2021 gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

TT ePaper

Zur Parteipolitik äußerte sich Einem, der einst Wunschkandidat der Linken bei der Nachfolge Viktor Klimas war, dabei aber ebenso wie der „rechte“ Kandidat Schlögl an der polarisierten Stimmung in der Partei scheiterte, in den vergangenen Jahren selten. Allzu glücklich war er mit der Performance der Bundespartei aber nicht. So meinte er heuer in einem Interview zur Vorsitzenden Pamela Rendi-Wagner: „Sie hätte nicht umgepolt werden dürfen auf SPÖ-Funktionärin mit Parteisprech.“

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) meinte am Abend, Einem habe der Republik in einer besonders herausfordernden Zeit als Ressortchef gedient. Er habe im Rahmen eines persönlichen Gesprächs im vergangenen Jahr Einems weitreichende Erfahrungen und Kenntnisse zur Sicherheitspolitik kennen und schätzen lernen dürfen, schrieb Nehammer in einer Aussendung.

Auch zahlreiche SPÖ-Politiker und NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger kondolierten via Twitter seinen Angehörigen. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig nannte Einem einen ausgewiesenen Antifaschisten: „Er wird unvergessen bleiben.“ SPÖ-Chefin Rendi-Wagner meinte, man trauere „um einen großen Denker und Sozialdemokraten, einen aufrechten Kämpfer für Bildung und Wissenschaft“. Einem sei eine Inspiration für viele gewesen. Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) nannte Einem einen „kritischen Intellektuellen“, der seine Visionen in der Realität auch gegen Widerstände umsetzen habe wollen.


Kommentieren


Schlagworte