Quarantäneregeln an Schulen werden gelockert

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In den Schulen werden die Quarantäneregeln gelockert, nachdem in Wien eine Woche nach Schulbeginn bereits Klassen an 285 Schulen in Quarantäne geschickt wurden. So gut wie fix ist, dass Schüler sich bereits nach fünf anstelle von bisher zehn Tagen mittels PCR aus der Quarantäne freitesten können. Darüber, ob - wie vom Bildungsministerium gewünscht - nur noch die direkten Sitznachbarn eines infizierten Schülers in Quarantäne müssen, wird derzeit noch verhandelt.

Am frühen Nachmittag werden die Landessanitätsdirektionen über die neuen Regelungen informiert, danach sollen sie veröffentlicht werden, hieß es aus dem Büro von Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) zur APA. Wie zuletzt in Deutschland beschlossen, dürfte die Dauer der Quarantäne bei engen Kontaktpersonen (K1) auf fünf Tage halbiert werden, wenn sie sich mit negativem PCR „freitesten“. Die Frage, welche Klassenkollegen im Falle eines infizierten Schülers in Quarantäne müssen, ist indes noch nicht ganz klar.

Martin Netzer, Generalsekretär im Bildungsministerium, hatte im Ö1-Morgenjournal angekündigt, dass künftig nach deutschem Vorbild bei einem positiv getesteten Schüler nicht mehr die gesamte Klasse in Quarantäne geschickt werden soll, sondern nur noch die direkten Sitznachbarn. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) betonte bei einem Schulbesuch die Notwendigkeit einer einheitlichen Regelung: „Es ist wichtig, dass wir nicht einen perforierten Schulalltag bekommen“, bei dem ständig Schüler in Quarantäne geschickt werden und nach ihrer Rückkehr eventuell bald wieder nachhause müssten.

Bedenken von Wissenschaftern, die zuletzt weiter die Quarantäne ganzer Klassen nach einem Infektionsfall befürwortet hatten, hielt Faßmann die Empfehlung der deutschen Minister entgegen. Diese stützten sich auf das Robert-Koch-Institut.

Eine Generalregel sei aufgrund der unterschiedlichen Szenarien beim Unterricht nicht möglich, wird hingegen im Gesundheitsministerium betont. Die Gesundheitsbehörden sollen hier weiterhin nach den jeweiligen Gegebenheiten entscheiden können. Immerhin würden sich die Schülerinnen und Schüler während des Unterrichts bzw. der Pausen auch im Raum bewegen und es mache einen Unterschied, wie gut ein Raum gelüftet wird und ob etwa gesungen und geturnt wird. Eine Generalregel werde es deshalb auch nicht geben können, betont der Mückstein-Sprecher, denn jede Schulklasse und jeder Schultag seien anders. Auch geimpfte Schüler und die CT-Werte der PCR-Tests, die besagen, wie ansteckend jemand aktuell ist, müssten berücksichtigt werden.

Der Wiener Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS) unterstützte die Möglichkeit der Quarantäneverkürzung von zehn auf fünf Tage explizit. Die „Sitznachbar“-Regelung wollte er dagegen nicht konkret kommentieren - außer dass es eine einheitliche Vorgangsweise brauche und Geimpfte ohnehin als K2-Personen gewertet würden. SPÖ-Bildungssprecherin Petra Vorderwinkler ortete ein „Schulchaos“, weil es schon kurz nach Schuljahresbeginn neue Quarantäneregeln brauche.

Und auch in Deutschland gibt es in der „Sitznachbar“-Frage die von den Gesundheitsministern angestrebte „einheitliche“ Regelung nicht, zeigt ein Blick auf die dortigen Vorgangsweisen: So hat etwa Nordrhein-Westfalen als Reaktion auf den Beschluss der dortigen Gesundheitsminister angekündigt, nur mehr die erkrankten Schüler in Quarantäne zu schicken, andere Bundesländer wollen zusätzlich auch das „direkte Umfeld“ einbeziehen.

Faßmann und Wiederkehr hatten am Dienstag eine Impfaktion im Zentralberufsschulgebäude in Wien-Mariahilf besucht. Dort haben sich am Montag und Dienstag jeweils 50 Schüler immunisieren lassen. Ab dem kommenden Monat sollen die Impfraten bei den Schülern veröffentlicht werden, kündigte der Minister an. Er zeigte sich dabei überzeugt, dass in dieser Altersgruppe derzeit die größten Impffortschritte erzielt würden.

Die späte Wiedereinführung der Sonderbetreuungszeit für Eltern erst ab 1. Oktober wollte Faßmann nicht näher kommentieren. Es gebe im Arbeitsrecht aber schon jetzt Möglichkeiten für Eltern, für die Betreuung ihrer Kinder freizubekommen - mit der Sonderbetreuungszeit werde nur ein Automatismus geschaffen. Ob das schon früher nötig gewesen wäre? „Fragen Sie den Arbeitsminister.“


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