Fotoreportagen von Susan Meiselas im Kunst Haus Wien

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Das Kunst Haus Wien im Hundertwasserhaus bringt das Werk der US-amerikanischen Dokumentarfotografin Susan Meiselas erstmals nach Österreich und eröffnet am 15. September um 19 Uhr und bei freiem Eintritt die Schau „Mediations“. Zu sehen sind Schwarz-Weiß- und Farbfotos, ergänzt durch den Input der Protagonistinnen und Protagonisten - darunter Straßenfotografie aus den 1970er-Jahren, eine Reportage über den Sandinisten Aufstand in Nicaragua und das Langzeitprojekt „Kurdistan“.

„Ich möchte präsent sein und doch unsichtbar“, kommentierte Susan Meiselas in einem Pressegespräch am Mittwoch das Foto, auf dem sie selbst nur verblasst zu sehen ist, und erklärte ihre Vorgehensweise als Fotografin. „Ich möchte nicht die dominante Rolle haben.“ Meiselas teile die Deutungshoheit über die Fotos stets mit den Modellen und bringe so ihr Bewusstsein zum Ausdruck, dass sie als Fotografin nicht die alleinige Autorität über ein Bild inne habe, erklärte Kuratorin Verena Kaspar. Die Kontextualisierung der Fotos durch die Protagonisten ist und war Meiselas stets ein Anliegen, und das macht die Ausstellung auch besonders, denn die verschiedenen Fotoserien wurden mit Text-, Audio- oder Videomaterial der abgelichteten Personen ergänzt.

Der Beziehungsaspekt zwischen Fotografin und Modellen zieht sich als roter Faden durch ihr Werk. In der Ausstellung sind ausschließlich Serien zu sehen, denn Meiselas‘ Anspruch ist es, Menschen mit ihrer Kamera ein Stück des Weges zu begleiten. So sind sie auch stets namentlich erwähnt. Die Entwicklung der „Prince Street Girls“, eine Gruppe von Mädchen aus Meiselas‘ Nachbarschaft in „Little Italy“ in New York, dokumentierte die Fotografin über 17 Jahre hinweg. „Die Kaugummis werden irgendwann natürlich durch Zigaretten ersetzt“, fasste sie die chronologische Serie über die heranwachsenden Mädchen zusammen. Meiselas erzählte, der Kontakt zu den Frauen bestehe bis heute.

Auch die Serie „Carnival Strippers“ zeigt den Alltag junger Frauen. Zwischen 1972 und 1975 hat die Fotografin Stripperinnen auf einem Jahrmarkt in Neuengland besucht und ihre Arbeitsbedingungen dokumentiert - nicht bloß durch Fotografie, denn Meiselas hat die Atmosphäre des Ortes auch auditiv eingefangen. Das Audiomaterial ergänzt die Fotoserie mit den Stimmen der Stripperinnen, ihrer Manager, ihrer Kunden und macht den Ausstellungsbesuch zur lebendigen Erfahrung.

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Im oberen Stockwerk ist die Reportage über Nicaragua zu sehen, die Meiselas erst international bekannt machte. Die Fotografin begleitete zwischen 1978 und 1982 den Aufstand der Sandinisten gegen den damaligen Präsidenten Anastasio Somoza Debayle, der von den USA gestützt wurde. Die für die Ausstellung namensgebende Installation „Mediations“ veranschaulicht, auf welche Weise Meiselas‘ Fotos von der Presse aufgegriffen wurden - und rekonstruiert so die Verbreitung der Bilder, die sich im Laufe der Zeit verselbstständigt hat. „Molotov Man“ ist zur Ikone geworden: „Das ist das Foto, von dem ich am meisten gelernt habe“, erzählte die Fotografin. Das Motiv - ein mit Gewehr und Molotow-Cocktail bewaffneter Mann, der zum Wurf ausholt - wurde zuletzt 2018 im Rahmen der Studierendenproteste Nicaraguas wieder aufgegriffen und auf T-Shirts gedruckt. Ein solches ist auch in der Ausstellung zu sehen. Auch hier wird eine Beziehung zum Fotomodell hergestellt. Denn Meiselas hat jenen Mann, der durch ihre Kamera-Linse zu „Molotov Man“ wurde, besucht: Videoausschnitte des Interviews vervollständigen das Werk der Fotografin.

Nach den Serien „Archive of Abuse“ und „A Room of Their Own“, die sich beide mit häuslicher Gewalt auseinandersetzen und nochmals den feministischen Anspruch der Fotografin unterstreichen, schließt die Ausstellung mit Meiselas Langzeitprojekt „Kurdistan“. Ausgangspunkt war die Dokumentation des Genozids an den Kurden durch das irakische Regime unter Saddam Hussein im Jahr 1988. Mittlerweile hat Meiselas ein multimediales Archiv erstellt, das die Geschichte der kurdischen Diaspora bewahren soll und für welches die Fotografin im Rahmen von Workshops laufend mit Kurdinnen und Kurden in Beziehung tritt. Der letzte Workshop fand kurz vor Ausstellungseröffnung in Wien statt.

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