Leichte Verluste für Trudeau bei Parlamentswahl

  • Artikel
  • Diskussion

Bei der Parlamentswahl in Kanada zeichnen sich nach ersten Auszählungen in der Atlantik-Region leichte Sitzverluste für die Liberale Partei von Ministerpräsident Justin Trudeau ab. Demnach lagen die Liberalen in 23 von 32 Sitzen in den vier Atlantikprovinzen in Führung. Vor der Wahl verfügten die Liberalen über 27 Sitze.

„Ist der Rückgang der Liberalen in der Atlantikregion ein Hinweis auf einen nationalen Trend? Das wäre besorgniserregend für die Liberalen“, sagte Scott Reid, ein ehemaliger Berater der Partei. Es sei jedoch noch zu früh Schlussfolgerungen zu ziehen, da sich die Ergebnisse in den unterschiedlichen Regionen stark unterscheiden könnten. Die rivalisierenden Konservativen von Erin O‘Toole hatten sich darauf konzentriert, ihre vier atlantischen Sitze auszubauen, und lagen in neun Sitzen in Führung.

Die Wahllokale in den bevölkerungsreichsten Provinzen Quebec und Ontario waren noch nicht geschlossen. Sie machen insgesamt mehr als die Hälfte der Sitze im kanadischen Parlament aus.

Regulär wäre das Parlament erst 2023 wieder neu gewählt worden. Trudeau hatte Mitte August aber vorgezogene Neuwahlen ausgerufen und dies damit begründet, dass er für seine Pläne zum Umgang mit der Corona-Pandemie ein neues Mandat brauche. Der 49-Jährige regiert seit 2015. Bei der letzten Wahl 2019 war seine liberale Partei zwar stärkste Kraft geworden, für eine Mehrheit im Parlament reichte es aber nicht.

150 x Jahres-Vignette 2022 zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Trudeau regiert seitdem mit einer Minderheitsregierung. Beobachtern zufolge hatte er darauf gesetzt, dass hohe Impfraten und eine wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie ihm helfen, seine Macht durch die vorgezogene Wahl zu stärken.

In Umfragen lagen die Liberalen im August klar vorn, die Konservativen von Erin O‘Toole haben inzwischen aber fast gleichgezogen. Trudeau droht somit der Verlust der Regierung. Als Königsmacher könnten sich die Sozialdemokraten entpuppen. Viele Kanadier hatten zuletzt kein Verständnis dafür gezeigt, dass Trudeau im Anrollen einer vierten Corona-Welle zu den Urnen rief. Die Konservativen warfen ihm vor, persönliche Ambitionen vor das Wohl der Bevölkerung zu stellen. Für einige Kanadier scheint zudem nach sechs Jahren auch grundsätzlich der Zeitpunkt für einen neuen Regierungschef gekommen.

Für viele Wähler ist auch die Frage wichtig, wie die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise überwunden werden sollen. Im Kampf gegen die Pandemie haben die Liberalen Schulden in Höhe von umgerechnet rund 670 Milliarden Euro angehäuft und das Haushaltsdefizit auf ein Niveau getrieben wie zuletzt im Zweiten Weltkrieg. Im Wahlkampf haben sie versprochen, weitere Milliarden bereitzustellen. Trudeau erwägt zudem eine neue Steuer auf Gewinne von Banken und Versicherern.


Kommentieren


Schlagworte