donaufestival über das „virologisch-biologische Schicksal“

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Planen, umplanen, neuplanen: Als Festivalmacher hat man es in der Coronapandemie nicht leicht. Das weiß auch Thomas Edlinger, künstlerischer Leiter des donaufestivals in Krems, das nach seiner Absage im Vorjahr heuer vom Frühjahr in den Herbst verlegt wurde. „Du wirst wirklich zu einem Hobbyvirologen und beobachtest die Entwicklungen relativ genau“, sagte Edlinger. An den ersten beiden Oktoberwochenenden soll es nun aber ernst werden mit dem Mehrspartenevent.

„Die Pandemie hat sich insofern ausgewirkt, als dass wir Pläne immer wieder umstürzen mussten und bei manchen Projekten sehr vorsichtig waren, weil wir nicht wussten, wie weit wir zu welchem Zeitpunkt gehen können“, erklärte Edlinger im APA-Gespräch. Verlaufskurven und Prognosen für die nächsten Monate wurden plötzlich enorm wichtig, und dennoch müsse man stets flexibel bleiben. „Du musst ja trotzdem mit offenen Szenarien arbeiten.“

Das bedeutet auch, dass aktuell noch nicht endgültig feststeht, wie die Regeln für die Besucher ausschauen werden. Fix ist bereits 2G als Voraussetzung - also Zutritt nur für geimpfte und PCR-getestete Personen. Auch das Tragen von Masken will man nach derzeitigem Stand empfehlen. „Das ist momentan unsere Herangehensweise“, nickte Edlinger, der allerdings eine Verpflichtung seitens des Festivals nicht völlig ausschließen möchte.

Neben den Bedingungen für das Publikum müsse man aber auch auf Künstlerseite vieles mitdenken. „Wer kann kommen, wer muss in Quarantäne, und wie kompliziert sind An- und Abreise? Zudem gibt es weitere Fragen, die sich über die Verschiebung ergeben“, meinte Edlinger angesichts des notwendigen Personals für unter anderem Bühnenaufbau oder die grundsätzliche Verfügbarkeit der Spielstätten. „Es geht also nicht, dass man beliebig verschiebt.“

Nicht nur deshalb habe man als Team in der Pandemie immer wieder Rückschläge verkraften müssen. „Es gab immer neue Problemlagen und Fragen in den Monaten der Vorbereitung, mit denen man sich so oder so auseinandersetzt.“ Zu Jahresbeginn, als noch der normale Termin Ende April, Anfang Mai Thema war, hätte man sich auch die Frage gestellt: „Wie lange gehen wir noch davon aus, dass wir das machen, und ab wann wird es unverantwortlich, an diesem Datum festzuhalten?“ Diese Abwägung sei auch eine „Gratwanderung“ gewesen.

Aber nicht nur die Planungsarbeit und die Situation vor Ort ändere sich durch Covid-19, auch inhaltlich mache sich die Pandemie bemerkbar - auf mehrfache Weise. „Wir haben diesmal eher einen spielerischen Umgang mit unserem Leitmotiv ‚In The Year Of The Metal Ox‘. In diesem Ausnahmejahr können wir kein eigenes Motto entwickeln.“ Der Metallochse verweise aber „auf das virologisch-biologische Schicksal, dem wir uns stellen und damit umgehen müssen.“ Zudem werden Assoziationen zum 2020er-Thema „Machines Like us“ hergestellt. „Da ging es ja nicht nur um das Verhältnis Mensch-Maschine, sondern auch den Übergang von Maschine zu Natur und Tier.“

Etwa die Hälfte der heuer geplanten Arbeiten wurden aus dem Vorjahr übernommen, wobei nicht selten Adaptierungen notwendig waren. So etwa bei der Uraufführung von Lisa Hinterreithner. „Die musste im Kern verworfen werden, weil gewisse Dinge nicht möglich sind“, verwies Edlinger auf die eigentlich geplante Verschmelzung von Performer und Publikum. „Trotzdem ist der Care- und Touch-Gedanke, auf dem die Arbeit basiert, noch weiterhin vorhanden, wenngleich nun unter Bedingungen, die Covid-tauglich sind.“ Das Stück „linger on“ wird am ersten Wochenende zu sehen sein.

Dabei sei es auch eine kuratorische Frage gewesen, wie mit ursprünglich geplanten Performances oder Auftritten umgegangen wird. „Verfechten wir als Festival einen totalen Neuigkeitskult und werfen alles weg, was 2020 geplant war?“, formulierte es Edlinger provokant. „Wir haben uns aber aus vielerlei Gründen dagegen entschieden. Vor allem sollten Künstlerinnen und Künstler, die im Vorjahr etwas Spannendes für uns gemacht hätten, nicht doppelt bestraft werden. Was wir für möglich und machbar hielten, haben wir also rübergezogen. Auch darauf spielt unser Motto an.“

Und Corona als eigentliches Thema von Performances? „Auch das war eine wichtige Frage: Sind im Oktober noch spezifisch auf diese Situation abzielende Arbeiten sinnvoll oder nicht? Das ist natürlich schwer zu sagen“, gab Edlinger zu bedenken. „Will man das überhaupt selber noch sehen? Das ist nicht unwesentlich beim Antizipieren von Besuchererwartungen. Gibt es etwa einen interessanten Aspekt einer Lockdown-Arbeit, wenn kein Lockdown ist? Oder ist man dann doch an ganz anderen Dingen interessiert, an Blickweisen auf eine postpandemische Welt, die nach vorne schaut und diesen Zustand schon kassiert hat?“

Begleiten wird uns Corona jedenfalls noch länger. Edlinger selbst blickt bereits auf das kommende Jahr. „Wir planen 2022 mit der vollen Idee des Festivals, auch mit einem definitiven Leitmotiv und sind dabei schon relativ weit fortgeschritten. Die Frage ist ehrlicherweise nur, ob der Termin gehalten werden kann oder es Sinn macht, schon prophylaktisch zu verschieben.“ Das hänge wiederum von mehreren Parametern ab. Zuerst einmal steht aber die diesjährige Ausgabe im Vordergrund.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

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