Klingende Sprache beim „Heartbreaking Final“ der Festwochen

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Was Worte und Klang nicht alles bewirken können. Vor allem, wenn man sie frei neben- und übereinander schichtet. Beim „Heartbreaking Final“, der vorerst letzten Produktion der diesjährigen Wiener Festwochen, türmen Tim Etchells und Aisha Orazbayeva Text und Sound zu einer pulsierenden, mäandernden Skulptur auf. Den narrativen Faden musste man bei der Uraufführung Donnerstagabend im Jugendstiltheater am Steinhof allerdings schon selber spinnen.

Eine aufwendige Inszenierung sieht anders aus: Neben einer simplen Konstruktion, auf der in Leuchtschrift der Stücktitel prangt, reichen drei Mikrofone für die Sprecher (Tim Etchells, John Rowley, Nicki Hobday) sowie Stühle, auf denen zunächst die Violinen von Aisha Orazbayeva und Chihiro Ono Platz finden. Doch sowohl Instrumente wie Mikrofone werden bald gebraucht und für eine Stunde lang kaum mehr aus der Hand gelegt. Es beginnt ein Gedankenfluss, scheinbar unzusammenhängend und zufällig, der von Unsicherheiten über Banalitäten bis zu meditativen Auswüchsen reicht.

Und die Musik? Sie passt dazu, greift mal die Intensität des Gesprochenen auf, geht dann aber auch einige Schritte weiter, wobei die klangliche Ausgestaltung meist im atmosphärischen Bereich bleibt. Es werden Wände aufgezogen und wieder eingerissen, was besonders effektiv gerät, wenn Etchells, Rowley und Hobday in solchen Momenten in einen gemeinsamen Rhythmus fallen und etwa „And what kind of object is the sun?“ deklamieren.

Andererseits geht die Aufmerksamkeit mal hierhin, mal dorthin, wenn die Textmassen in verschiedenen Tempi vorgetragen werden und zufällig entstehende Pausen plötzlich ein Schlaglicht auf einzelne Wörter und Phrasen werfen: Dann sind es Angst oder Glück, ein dunkler Himmel oder die Umrisse des Nebels, die nach vorne treten und für das Publikum zum Ankerpunkt für die eigenen Gedanken werden. Denn schon in der nächsten Sekunde geht es wieder weiter, Wort um Wort, Klang um Klang.

Am Ende kommt dann auch der Herzschmerz zu seinem Auftritt, wieder und wieder wird „Break Your Heart“ variiert, bis sich die Worte aufzulösen beginnen und ins Nichts entschwinden. Wie das in den restlichen Abend einzugliedern ist? Das muss wohl jeder für sich selbst beantworten. Vielleicht findet man ja eine Lösung, bis die Festwochen - heuer eigentlich seit Mitte Mai laufende Festmonate - ab 19. November mit „Eraser Mountain“ des japanischen Theatermachers Toshiki Okada einen letzten Nachschlag servieren.

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