Alternative Nobelpreise an Aktivisten aus vier Weltgegenden

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Die auch als Alternative Nobelpreise bekannten Right Livelihood Awards gehen dieses Jahr an vier weitgehend unbekannte Basisaktivisten aus unterschiedlichen Weltteilen. Die am Mittwoch in Stockholm präsentierten Preisträger sind die Kamerunerin Marthe Wandou, die sich gegen Gender-basierte Gewalt im Tschadbecken einsetzt, der russische Umweltaktivist Wladimir Sliwjak, die kanadische Indigenenvertreterin Freda Huson und die indische Rechtsinitiative für Wald und Umwelt (LIFE).

Right-Livelihood-Direktor Ole von Uexkull sagte, die diesjährigen Preisträger zeichneten sich allesamt dadurch aus, dass sie „nicht nur gegen Klimakrise, besinnungslose Gewalt und eklatante Menschenrechtsverletzungen Widerstand leisten, sondern auch aktiv ganze Gemeinschaften dazu mobilisieren, ihre Rechte einzufordern und so Wandel bewirken, wo Regierungen versagen“.

Mit Wandou wird erstmals eine Person aus Kamerun ausgezeichnet. Sie setzt sich seit den 1990er-Jahren für die Prävention und Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder, insbesondere gegen Mädchen, sowie für die psychosoziale Betreuung der Überlebenden derartiger Gewalt ein.

Wladimir Sliwjak ist einer der Mitbegründer der Umweltorganisation Ecodefense und steht seit Jahrzehnten an der Spitze zivilgesellschaftlicher Kampagnen gegen umweltzerstörende Projekte in Russland, vor allem im Bereich der Kohle- und Atomindustrie. Damit droht ihm in seinem Heimatland Repression.

„Aus Sicht der (russischen, Anm.) Regierung ist Aktivismus ein Verbrechen. Natürlich macht das Angst, aber irgendwer muss ja das Klima retten“, sagte Sliwjak am Mittwoch im Ö1-Mittagsjournal. „Im Gegensatz zu Europa herrscht in Russland eine klimaskeptische Haltung vor.“ Russland tue „praktisch nichts“, um den Treibhausgasausstoß zu senken und lasse sich die Waldbestände als Klimaschutzmaßnahmen anrechnen.

Freda Huson ist ein weibliches Oberhaupt (Dzeke ze‘) der Wet‘suwet‘en in Kanada. Sie bemüht sich um die Rückerlangung von Kontrolle über das Land ihrer Volksgruppe und kämpft gegen umweltzerstörerische Projekte wie Pipelines. Außerdem ist sie Koordinatorin eines Zentrums, das sich der Heilung kolonialer Traumata widmet.

Die 2005 von zwei indischen Rechtsanwälten gegründete Organisation Legal Initiative for Forest and Environment (LIFE) nutzt kreative juristische Mittel und Verfahren für mehr Umweltschutz. LIFE unterstützt und befähigt dabei lokale Gemeinden, sich gegen übermächtige Interessen zu wehren und Mitspracherecht bei der Entscheidungsfindung zu erlangen.

Die Zahl der vorgeschlagenen Kandidatinnen und Kandidaten war mit 206 Personen aus 89 verschiedenen Ländern diesmal besonders hoch. Die Preisträger des Jahres 2021 werden am Mittwoch, 1. Dezember, im Rahmen einer Live-Veranstaltung in Stockholm geehrt. Im Vorjahr konnte die Verleihung wegen der geltenden Covid-Restriktionen nur online stattfinden.

Die Alternativen Nobelpreise wurden 1980 ins Leben gerufen und fördern Personen, die sich auf mutige Weise für die Lösung der Probleme der Welt einsetzen. Jedes Jahr werden vier Preisträger bestimmt, die jeweils eine Summe von einer Million Schwedische Kronen (knapp 100.000 Euro) erhalten.

Die Jury der Right-Livelihood-Stiftung hat mit ihren Entscheidungen immer wieder für Aufsehen gesorgt. In den vergangenen Jahren erhielten etwa der weißrussische Dissident Ales Bjaljazk, die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg oder der US-Whistleblower Edward Snowden einen der Preise. Mit Leopold Kohr (1983), Robert Jungk (1986) und Erwin Kräutler (2010) sind auch drei Österreicher unter den Trägern des Alternativen Nobelpreises.


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