Nuggets, Sekt und Ringe: Goldige Schau im Grazer Joanneum

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Eine politische Maßnahme, die „Goldstandard“ ist, ein Fußballer, der wegen des Verspachtelns eines mit Blattgold ummantelten Steaks gedisst wird, ein Skifahrer, der als mehrfacher Olympiasieger zum Goldjungen wird - Gold ist tatsächlich und tagtäglich in aller Munde. Dem weichen und ebenso vielseitigen wie geschätzten Edelmetall widmet das Grazer Universalmuseum Joanneum ab 1. Oktober eine Ausstellung im Naturkundemuseum unter dem Titel „Gold, Gold, nur du allein ...“.

Unterschieden wird in der Schau im Joanneumsviertel zwischen Berggold und Flussgold - nach dem Auffindungsort benannt. Die Berggold-Exponate stammen fast ausschließlich nicht aus Österreich. Hier wurde eher Flussgold gesucht. Riesige Goldstück-Funde sind aus weit entfernten Ländern wie Australien bekannt. Zu sehen ist dabei ein altes Ausstellungsstück des Universalmuseums, eine Replik des beim Fund 1858 drittgrößten australischen Goldklumpens „Welcome Nugget“. Er wiegt 83,5 Kilogramm und auf dem Sockel des Exponats ist sogar der damalige Wert in der österreich-ungarischen Währung angegeben: 210.000 Kronen. Beim Flussgold werden kleinere Brötchen gebacken, bzw. gewaschen. Es mag überraschen, dass in den vergangenen zwei Jahrhunderte an Mur und Mürz eifrig Gold gewaschen wurde. Gefunden wurden Körnchen, oft nur staubkorngroß.

Auch heute gibt es noch eine kleine, aber sehr aktive Goldwäscher-Szene. Deren Funde waren auch die Inspiration, die Ausstellung zu machen. Eine Grazer Goldschmiedin kauft von diesen Goldwäschern das sogenannte „Murgold“, das sie zu Schmuck oder Eheringen verarbeitet. Zwei solcher Ringe sind zu sehen - einer gehört einem Mann, der als Rollstuhlfahrer mit seinem Händen sein Gefährt antreibt - dementsprechend dünner ist das Schmuckstück an seinem Ringfinger bereits geworden - Gold ist zwar ein edles, aber auch sehr weiches Metall.

Zu sehen sind auch die Werkzeuge, mit den vor tausenden Jahren im Alpenraum und aktuell in aller Welt Gold geschürft oder gewaschen wird: Alleine bei den Goldwaschpfannen sind verschiedene Typen wie Chinesenhut, Klondikeschüssel oder ein Holztrog aus den Tauern zu sehen, dazu Goldschürferwerkzeuge, die eine spannende Geschichte bergen: Sie wurden in der Rauriser Gegend vor dem Winterbeginn in einer hoch gelegenen Mine zurückgelassen. Eine Kältephase in der Klimaentwicklung führte dazu, dass die Mine wegen Schnee und Eis im darauffolgenden Frühjahr nicht mehr aufgesucht werden konnte. Sie geriet in Vergessenheit, die Werkzeuge wurden vor einiger Zeit wieder entdeckt. Kaum vorzustellen, unter welchen Mühen Schlägel und Keile über die fast senkrechte Wand gebracht wurden, so Kurator Bernd Moser.

Gold spielt auch in der Kulinarik eine Rolle - früher maß man ihm besondere Eigenschaften bei, wenn man es mit Nahrung zu sich nehmen würde. Daran erinnert u. a. der Gewürzlikör Danziger Goldwasser mit Blattgoldflocken oder eine heimische Sektmarke, die mit Goldblättchen im Blubberwasser Exklusivität geriert. Auch in manchen in Großbritannien ansässigen indischen Lokalen kann man sich ein Dessert mit Blattgold gönnen.

„Es gibt so enorm viele Anwendungsbereiche und Themenfelder, da mussten wir uns eher in der Kunst des Weglassens üben“, sagte Moser am Mittwoch bei der Presseführung über die goldige Schau aus Leihgaben und eigenen Exponaten - die übrigens extra versichert werden musste.

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