Klettern, Judo Gewinner bei nächster Sommersport-Förderung

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Die Bundes-Sport GmbH hat die Fördersummen für den nächsten Olympia-Zyklus im Sommersport 2022 bis 2024 vorgelegt. Dabei kam es zur einer Neubewertung, die Gelder werden künftig stärker anhand von Medaillenchancen und Erfolgserwartungen verteilt. Die großen Gewinner im Vergleich zur abgelaufenen Förderperiode sind - in absoluten Zahlen - die Verbände im Klettern, Judo, Leichtathletik und Rudern. Das größte Minus steht bei Turnen, gefolgt von Tischtennis und Badminton.

Zur Verteilung kommen im ersten Jahr (2022) insgesamt 20,481 Mio. Euro, über 30 Fachverbände im olympischen Sommersport naschen am Kuchen mit. Jene Sportarten, die im Vergleich zum aktuellen Jahr finanziell profitieren, sind fast ausnahmslos solche, die sich bei den vergangenen Weltmeisterschaften und den Spielen in Tokio mit Medaillen belohnten. So steigerte der erfolgreiche Kletterverband seinen Förderbetrag von 761.872 Euro auf 962.523 Euro - ein Gewinn von 200.651 Euro (oder 26,3 Prozent). Der Judoverband bekommt 2022 168.789 Euro mehr (+16,2), der Leichtathletik-Verband 114.785 Euro (+9,1). Rudern darf sich über ein Plus von 108.712 Euro (+12,0) freuen, Basketball über 105.253 Euro (+21,2) mehr.

Bei der Beurteilung spielten erbrachte Leistungen bei internationalen Wettkämpfen die Hauptrolle, erklärte Clemens Trimmel, der Geschäftsführer der Bundes-Sport GmbH im Gespräch mit der APA. „Wir wollen aber nicht nur strikt nach Ergebniskriterien gehen“, sagte der Ex-Tennis-Profi. Daher kann der jeweilige Verband auch Punkte für das Potenzial seiner Athleten sammeln, für „die Qualität und das Ausmaß der Nachwuchsarbeit sowie die Qualität der Verbandsstruktur und der Verbandsarbeit“. Dieser Auftrag geht bereits aus Bundes-Sportförderungsgesetz (BSFG) 2017 hervor.

Die potenzialorientierte Bewertung basiert im Detail auf Selbsteinschätzungen von den Verbänden, die in eine Datenbank eingepflegt werden. Die finale Bewertung dieser Inputs erfolgt durch die Kommission der Bundes-Sport GmbH. Mitglieder sind u.a. Ex-Para-Skiläuferin Claudia Lösch oder ÖOC-Funktionär Christoph Sieber. Hohes Potenzial wurde etwa Leichtathletik, Judo und Handball beschieden. „Es gibt keine Formel für sportlichen Erfolg“, meinte Trimmel. „Aber du kannst die Wahrscheinlichkeiten erhöhen.“

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Überschaubare Leistungen auf internationaler Ebene bewirkten für viele Verbände geringere Förderbeträge im Vergleich zu 2021. Turnen verlor 188.538 Euro (-17,0 Prozent), Tischtennis 124.016 Euro (-10,8) und Badminton 123.259 Euro (-20,3). Auch Schwimmen, der Sportschützen-Bereich und Fechten zählen zu den Verlierern im Reigen der Olympia-Sportarten. Die Summen werden in Quartalszahlungen im Vorhinein ausgeschüttet.

Abseits der Verbandsförderung bildet die athletenspezifische Spitzensportförderung die zweite Säule der Fördermittelvergabe im Leistungs- und Spitzensport. Aus diesem Topf von 7,5 Millionen Euro werden Protagonisten mit Potenzial in Olympia-Sportarten direkt unterstützt. Ausgezahlt wird über den jeweiligen Fachverband, das Geld ist jedoch zweckgewidmet. Verpflichtende Unterschriften von Athlet und Verband sollen belegen, dass alle Betroffenen über die Förderung Bescheid wissen.

Im aktuellen Kader für die Spiele Paris 2024 stehen 81 Athletinnen und Athleten, dazu kommen 103 aus dem Bereich Nachwuchs/Anschluss sowie sechs Mannschaften in der allgemeinen Klasse und vier Nachwuchsmannschaften. Kriterien sind wieder einerseits erbrachte Leistungen, andererseits mehrjährige Entwicklungsverläufe und Prognosen. Top-Empfänger im Sommersport für das Jahr 2022 ist der Handballverband, der für die beiden Nationalteams der Männer und Frauen 450.000 Euro erhält. Im Winter-Kader für Peking 2022 steht der Österreichische Skiverband (ÖSV) mit 1,34 Mio. Euro an der Spitze. Großverdiener wie Dominic Thiem (Tennis) oder Bernd Wiesberger (Golf) werden generell nicht unterstützt.

In nicht-olympischen Sportarten werden 171 Athletinnen und Athleten und 17 Mannschaften gefördert. Die Kader sind noch ohne Para-Athletinnen und -Athleten, da aufgrund der erst kürzlich beendeten Paralympics „noch keine professionelle Evaluierung möglich war“, wie Trimmel erklärte. Es gebe derzeit etwa keine Klarheit darüber, welche Sportlerinnen und Sportler weitermachen, welche eventuell die Karriere beenden werden. Daher werde dieser Kader nachgereicht.

Wie zielgerichtet das neue System ist und ob damit mehr Olympia-Medaillen produziert werden, konnte Trimmel freilich nicht beantworten. Selbst bei sehr erfolgreichen Sommerspielen 2024 in Paris würde er aber keinen Verdienst der Bundes-Sport GmbH darin sehen. „Am Tag X wird keiner an die Bundes-Sport GmbH denken“, meinte der frühere Sportler. „Wir brauchen uns aber auch nicht verstecken.“ Das Konzept sei gut, nicht umsonst hätten die Macher der Potenzialanalyse im deutschen Olympia-Sport (POTAS) sich davon das eine oder andere Element abgeschaut.


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