Neuer MAK-Showroom rückt Wiener Werkstätte in anderes Licht

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Michael Anastassiades hebt die Wiener Werkstätte aufs Podest: Der in Zypern geborene und in London lebende Designer hat die erste Ausstellung im neuen MAK-Showroom inszeniert und dafür mehr als 30 Möbel- und Textilstücke dieser prägenden Ära der Wiener Moderne auf zwei erhöhten weißflächigen Präsentationsdisplays arrangiert. Durch Interventionen, die die gewohnten Präsentationsweisen stören, sollen die Objekte neuartig betrachtet werden können. Sehprobe ab Mittwoch möglich.

Der neu eingerichtete und flächenmäßig überschaubare „Showroom Wiener Werkstätte“ im MAK (Museum für angewandte Kunst) liegt oberhalb der Schausammlung „Wien um 1900“. Das Konzept: Zeitgenössische Designerinnen und Künstler sollen sich mit den hochwertigen Erzeugnissen dieser Produktionsgemeinschaft rund um Josef Hoffmann und Koloman Moser auseinandersetzen und einen bis dato nicht da gewesenen Blick auf die Sammlung ermöglichen.

Anastassiades ist nun der erste Gastkurator. Der gelernte Industriedesigner ist in erster Linie als Entwerfer für Beleuchtungskörper bekannt, arbeitet aber auch mit anderen Manufakturen zusammen und entwickelte etwa Gläser für Lobmeyr oder Möbel für Thonet. 2012 hatte er sich auf MAK-Einladung bereits mit dem Biedermeier-Interieur im Geymüllerschlössel auseinandergesetzt.

Die Wiener Werkstätte habe viel Einfluss auf seine Arbeit und auf sein Verständnis von Design gehabt, erzählte Anastassiades am Dienstag in einem Pressegespräch. Es ist kein Zufall, dass er im Zentrum einer der beiden Präsentationsflächen den aufgeklappten Werkzeugkoffer mit allerlei Gerätschaften aus der Tischlerei der Werkstätte positioniert hat. Dieser repräsentierte „das Herz der Wiener Werkstätte“ - nämlich die Verbindung von Kunst und Handwerk in höchster Qualität.

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Die übrigen ausgewählten Vitrinen, Sitzmöbel, Tischchen und Kommoden - sie stammen teils aus dem MAK-Bestand, teils aus der Sammlung von Ernst Ploil - präsentiert der Kurator teils auf ungewöhnliche Art und nicht ohne leisen Humor. Ein Küchensessel von Hoffmann für das Sanatorium Purkersdorf (1904/5) steht auf Stelzen, ein anderer Stuhl auf goldenen Kugeln, als könnte man damit durch den Raum rollen. Eine weiß-graue Garderobenfront (1906) liegt wie eine umgefallene Filmkulisse am Boden. An die Rückseiten einer Vitrine und eines Bibliotheksschranks hat Anastassiades Spiegel angebracht. In einen davon schaut ein Schaufenstertorso, dem ein Damenkleid für eine Redoute (1910) - ebenfalls ein Entwurf Hoffmanns - übergestülpt wurde. Ins Innere eines Hoffmann-Bartischchens (1909) hat der Designer wiederum drei Exemplare seiner für Lobmeyr entworfenen „Flint“-Whiskeygläser gestellt.

Das erste Gastspiel im Showroom ist gleichzeitig die erste Ausstellungseröffnung für die neue MAK-Generaldirektorin Lilli Hollein. Sie verwies auf die „kleinen Kunstgriffe“ Anastassiades, mit denen er die gezeigten Objekte miteinander kommunizieren lasse. Dies soll nicht nur mit Spiegelelementen gelingen, sondern auch mit den aus eigener Kreation stammenden Leuchtkörpern, die teils wie weitarmige Gebilde über den Möbeln schweben und eine Art visuelle Verbindung zwischen ihnen herstellen.

Der Hauptfokus der Exponatauswahl liegt auf der frühen Phase der Wiener Werkstätte, die vor allem durch Rastermotive und strenge Geometrie geprägt war. Kein Wunder also, dass es dem Gastkurator auch die bekannten Gitterobjekte - aus weiß gestrichenem Eisenblech gefertigte Vasen, Obst- und Brotkörbe sowie Tafelaufsätze - angetan haben. 20 davon werden in zwei gegenüberliegenden, in die Mauer eingelassenen Schaukästen gezeigt und bilden somit auch eine Art Brücke zwischen den beiden „Bühnen“.

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