Belvedere zeigt ostasiatische Einflüsse auf Klimts Werk

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Wie lohnend es sein kann, ein einziges Werk aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, zeigt die neue Schau „Dame mit Fächer. Gustav Klimt und Ostasien“ im Oberen Belvedere. Schon seit Ende März war das Gemälde „Dame mit Fächer“, das zuvor seit 100 Jahren nicht mehr in Österreich zu sehen war, im Kontext von „Klimts letzten Werken“ zu bestaunen. Im nun startenden Teil zwei richtet Kurator Markus Fellinger den Blick auf den Einfluss ostasiatischer Kunst auf das Gemälde.

An die Stelle der bisher gezeigten unvollendeten Werke wie „Die Braut“, „Amalia Zuckerkandl“ oder „Adam und Eva“, die Klimt kurz vor seinem plötzlichen Tod im Jahr 1918 schuf, rückt das Belvedere jetzt Leihgaben aus dem MAK und der Albertina. „Ganz unverblümt fügte Klimt Figuren und dekorative Ornamente aus ostasiatischen Kunstgegenständen in seine Gemälde ein“, erläuterte Fellinger am Mittwoch im Rahmen der Presseführung. Die augenscheinlichen Vorbilder umrahmen nunmehr die „Dame mit Fächer“. So finden sich etwa kompositorische Ähnlichkeiten in den gezeigten japanischen Holzschnitten mit Bildnissen von Kurtisanen und Geishas. Für den Hintergrund des Gemäldes ließ sich Klimt laut Expertenmeinung möglicherweise von Utagawa Kuniterus Holzschnitt „Schnee“ inspirieren. So finden sich im Bildhintergrund von „Dame mit Fächer“ charakteristische Motive wie der Kranich, der Goldfasan oder die Lotusblume.

Das Gewand der - unbekannten - Porträtierten mutet hingegen chinesisch an, die Ähnlichkeit demonstriert man etwa mit chinesischen Stickereien, Vasen und Schüsseln. Klimts eigene Sammlung ostasiatischer Kunst ist nicht erhalten geblieben, allerdings findet sich in der Ausstellung ein Foto aus Klimts Ateliervorraum, in dem einige der Artefakte seiner Sammlung zu sehen sind.

Zu sehen ist die „Dame mit Fächer“ übrigens nur mehr bis zum 13. Februar, bevor die Leihgabe wieder an ihre - anonym bleiben wollenden - Besitzer zurückgeht. Für die Schau in Wien wurde dem Werk übrigens „temporäre Immunität“ erteilt, wie Belvedere-Generaldirektorin im Frühjahr erläutert hatte. Schließlich war das Werk 1994 in New York für 9,3 Mio. Euro versteigert worden, ohne überhaupt über eine Ausfuhrgenehmigung aus Österreich zu verfügen. Die Provenienzkette war lückenhaft. Eine Entziehung in der NS-Zeit wurde allerdings ausgeschlossen, da das Werk seit den 1920er-Jahren bei Heinrich Böhler in der Schweiz in Familienbesitz war, wo es bis in die 1960er auch blieb. Fest steht, dass es sich danach kurzfristig auch in der Sammlung Leopold befand.

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Rudolf Leopold hatte für das Werk 1981 eine befristete Ausfuhrgenehmigung bekommen, um „Dame mit Fächer“ in Tokio zu zeigen und hat das Werk nachweislich wieder zurück nach Österreich gebracht. Die Zeit danach ist hingegen unklar. Laut der Sammlerwitwe sei das Werk „über einen Händler in Wien“ verkauft worden, bevor es schließlich 1994 zum letzten Besitzerwechsel in New York kam. Die Behörden ermittelten damals wegen mutmaßlich fehlender Ausfuhrgenehmigung, stellten das Verfahren jedoch ein, da die handelnden Personen nicht auszuforschen waren.

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