Regisseur Ruzowitzky sieht in Politik „Bogen überspannt“

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Regisseur Stefan Ruzowitzky hat sich angesichts der aktuellen Korruptionsvorwürfe kritisch zur politischen Lage in seiner Heimat geäußert. „Der Bogen ist eindeutig überspannt“, sagte der Oscar-Preisträger der „Süddeutschen Zeitung“ mit Blick auf Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und sein Umfeld. „Man kann Kurz und seiner Partei nur wünschen, das selbst möglichst bald zu erkennen und Konsequenzen zu ziehen.“

Auf die Frage, ob die heutige Lage im seit Jahren an Skandale gewöhnten Österreich eine andere Qualität habe, sagte der Filmemacher: „Ja, es gibt eine neue Art von Professionalität, machterhaltende Maßnahmen durchzuziehen, Einfluss auf die Presse und die Justiz zu bekommen. Das ist beängstigend.“

Für Ruzowitzky scheint es bei alledem, was man Kurz vorwirft, „ja nie um persönliche Bereicherung gegangen zu sein, sondern darum, Macht zu erwerben und auszubauen. Leute wie Viktor Orbán in Ungarn haben ihren Einfluss auf Justiz und Presse auch dazu genutzt, eine ganz neue Dimension systematischer Korruption zu installieren. Ob das der Masterplan war? Eine gesellschaftspolitische Vision war bei Kurz nicht zu erkennen. Auf die Migrationskrise mit ‚Zusperren!‘ zu antworten und auf die Klimakrise mit dem Hinweis, der Wirtschaft dürften die Maßnahmen nicht schaden, ist ja eher ein Konzept aus den Sechzigerjahren als eine zeitgemäße Idee.“

Ruzowitzkys neoexpressionistischer Thriller „Hinterland“ läuft derzeit im Kino. 2008 gewann er in Hollywood mit dem Anti-Nazi-Drama „Die Fälscher“ einen Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film.

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