Nobelpreisträger Handke musste im Lockdown Strafe zahlen

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Der in Frankreich lebende Literaturnobelpreisträger Peter Handke hat im Corona-Lockdown in Hinterzimmern von Gasthäusern getrunken, sich mit einem „Schwindelzettel“ seines Verlags nächtens im Freien aufgehalten und beim Spazierengehen ein Strafmandat bekommen. Und wenn Experten aufgetreten sind, dachte er sich: „Hau dem links und rechts eine runter! Schon wieder ein Experte!“, sagte der Schriftsteller in einem Interview mit dem „Kurier“ (Sonntag-Ausgabe).

Während des Ausgangsverbots hatte Handke „Schlupfwinkel in den Hinterzimmern von ein paar Gasthäusern - wie in Amerika während der Prohibition. Ich war oft allein, hab‘ was getrunken, der Wirt kam hinzu, wir haben geredet“. Der Nobelpreisträger hatte sich von seinem Verlag Gallimard einen „Schwindelzettel“ für Polizeikontrollen beschafft, auf dem „völlig verlogen“ gestanden sei, dass er in der Nacht unterwegs sei, um ein großes Werk zu schreiben.

Als er „mit meinem Flachmann allein vor der Fassade von Notre Dame“ gesessen sei, hat dieser Zettel bei einem Polizisten tatsächlich genutzt, nicht hingegen, als er in Chaville im Departement Hauts-de-Seine, wo er lebt, auf der Straße ging: „Auf der anderen Straßenseite fängt das Departement Yvelines an. Ich ging dort, da kam ein Polizeiwagen: ‚Ist Ihnen bewusst, dass Sie das andere Departement in Gefahr bringen?‘ Ich dachte, der Polizist macht einen Witz. Zwei Wochen später bekam ich den Strafbescheid, dass ich den Virus vom einen Departement ins andere gebracht hätte. 135 Euro“, erinnerte sich Handke.

Er habe damals an seiner im Frühjahr dieses Jahres erschienenen Erzählung „Mein Tag im anderen Land“ gearbeitet, und sich gedacht: „Scheiß drauf! Denn wenn ich protestiert hätte, hätte ich nur mehr daran denken können. Aber was da an Irrwitz passiert ist! Damals war es auch verboten, allein in den Wald zu gehen!“ Jetzt gehe es ihm „weniger gut als damals“. „Mir kommt alles so falsch vor. Man sieht fast nur noch die Jungen unterwegs, und es gibt unendlich vereinsamte Alte. Sie huschen durch, als ob sie Gespenster wären. Vielleicht war das immer so, aber jetzt ist es auffällig. Wenn ich daran denke, wie man die Leute im Altersheim hat sterben lassen! Für mich müsste man die Verantwortlichen vor das Völkergericht stellen. Es gibt viel Schlimmes in der Geschichte, aber das war eine Variante und Nuance, wie wir sie noch nicht gekannt haben.“


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