Zeuge in Mordprozess um Brandanschlag in Linz untergetaucht

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Der Prozess gegen drei Letten, die im September des Vorjahres einen Landsmann in einem Hotelzimmer niedergeschlagen, mit Rum übergossen und angezündet haben sollen, ist am Dienstag fortgesetzt worden. Hintergrund soll ein Streit innerhalb der Geldwäscherbande gewesen sein. Ein Zeuge - Mitglied der Gruppe - ist untergetaucht, etliche weitere sollten am Dienstag befragt werden.

Die Staatsanwaltschaft legt den 51, 45 und 47 Jahre alten Männern schwere Körperverletzung und Mord durch Brandstiftung zur Last. Die drei Angeklagten, das Opfer und ein weiterer Mann dürften nach Linz gekommen sein, um Geld zu waschen. Zum Hintergrund dieser Taten ist wenig bekannt, offenbar sollte bei einer Linzer Bank ein Konto eröffnet werden. Die Männer haben bereits kriminelle Karrieren hinter sich: Ein Angeklagter und das Opfer sind wegen Mordes gesessen, die anderen sind wegen Waffen- und Drogendelikten, Einbruch oder Raub vorbestraft.

In einem Linzer Hotelzimmer kam es in der Nacht auf den 23. September 2020 nach dem Genuss von reichlich Alkohol offenbar zu einem Streit innerhalb der Gruppe. Laut seinen Komplizen soll das 50-jährige Opfer einen anderen unflätig beleidigt haben. Im Raum steht auch, dass es versucht haben soll, ein Messer zu ergreifen. Bei der folgenden Rauferei wurde der 50-Jährige verletzt, danach verließen die anderen den Raum. Die Frage, die nun mithilfe von Überwachungsvideos und Zeugenaussagen geklärt werden soll, ist, ob bzw. welche Angeklagten wieder zurückkamen. Laut Anklage wurde der Verletzte mit Rum übergossen und angezündet. Er starb einige Tage später im Spital. Die Angeklagten wollen mit dem Brand und dem Mordvorwurf nichts zu tun haben. Die Körperverletzung geben sie zumindest teilweise zu.

Am Montag waren die drei Angeklagten getrennt voneinander vernommen worden. Am Dienstag wurden etliche Zeugen befragt, die den Brand in dem Hotel mitbekommen haben. Das Gericht hat auch versucht, den fünften Mann zu laden, der mit der Gruppe nach Linz gekommen und im Hotelzimmer dabei war. Er hatte aber bei der Polizei eine Scheinadresse angegeben, daher scheiterte das Vorhaben. Die Verteidigung eines Angeklagten lieferte dann einen Zettel mit einer Adresse in Riga und beantragte, den Mann einzuvernehmen. Der Richter bezweifelt allerdings, dass der Zeuge - so diese Adresse wirklich existiert - nach Österreich oder zumindest zu einer Videokonferenz in ein lettisches Gericht kommen würde.

Konkret geht es dabei um die Frage, ob das Opfer zum Zeitpunkt, als die Angeklagten das Zimmer verließen, noch bei Bewusstsein und bekleidet war. Laut den bisherigen Einvernahmen war er nämlich noch angezogen. Als die Feuerwehr ins Zimmer kam, trug er aber nur mehr Unterwäsche. Im Raum steht die Theorie: Der Mann hat sich, als seine Komplizen nach der Rauferei das Zimmer verlassen hatten, selbst entkleidet - und muss daher bei Bewusstsein gewesen sein. Damit wäre er auch bei Sinnen gewesen, als es zu brennen begann und könnte das Feuer selbst verursacht haben, lautet die Verteidigungslinie.

Im Laufe des Tages sollte auch ein Gutachter gehört werden. Ein Urteil ist erst am Mittwoch zu erwarten.


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