Die Viennale bestreitet ihre 59. Ausgabe mit 240 Filmen

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Die Viennale ist bereit zu starten: Österreichs größtes Filmfestival will ab dem 21. Oktober wieder Tausende Filmfreunde in fünf Wiener Innenstadtkinos begrüßen. In Summe werden bis 31. Oktober rund 240 Filme zu sehen sein, wie Direktorin Eva Sangiorgi am Dienstagabend in einer Pressekonferenz enthüllte. Es gehe um zeitgenössisches Kino, das sich mit der heutigen Gesellschaft in all ihren Facetten befasse und Erinnerungen schaffe, so Sangiorgi.

Während der heurige Venedig-Gewinner, das Abtreibungsdrama „L‘Evenement“ von Audrey Diwan, als Eröffnungsfilm fungiert, wird Joachim Triers „Verdens Verske Menneske“, in Cannes gefeiert, am 31. Oktober den Abschlussfilm darstellen. „Das Befeuern des Kinos als Ereignisraum - das macht für mich die Viennale aus“, zeigte sich Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) Feuer und Flamme für das anstehende Filmfest: „Ich freue mich auf ein Feuerwerk, das uns alle wieder das Kino spüren lässt.“

Die Viennale wird dabei über weite Strecken unter 2,5G-Regel abgehalten - also offen für Geimpfte, Genesene oder jene mit einem aktuellen PCR-Test. Lediglich im Gartenbaukino, das mit 736 Plätzen mehr als 500 Besucherinnen und Besucher begrüßen kann, gilt gemäß den Wiener Vorgaben 2G, also der Zutritt nur für Geimpfte und Genesene.

Auch den Weg der Barrierefreiheit geht man weiter. In allen fünf Festivalkinos gibt es induktive Höranlagen für hörbeeinträchtigte Menschen, und in der Urania werden vier Vorstellungen mit Audiodeskription für sehbeeinträchtigte Menschen offeriert.

Allen gemeinsam ist, dass man sich seine persönlichen Leitplanken für die Filmauswahl suchen muss. Das Thema der Jugend, des Erwachsenwerdens und der Bildung zieht sich etwa als einer der Roten Fäden durch die Programmierung. Hierzu gehört etwa Maria Speths „Herr Bachmann und seine Klasse“, der bei der Berlinale gefeiert wurde, „The Inheritance“ von Ephraim Asili oder auch Ignacio Cerois Debütfilm „Qué será del verano“. Eine Besonderheit stellt hier „Lo Impide“ von Jonás Trueba dar, der über vier Jahre mit acht Heranwachsenden selbstreferenziell gedreht wurde.

Gesellschaftliche Spaltpilze und Revolutionsbewegungen rücken hingegen Alice Diop in „Nous“ oder Elisabeth Perceval und Nicolas Klotz in „Nous Disons Révolution“ ins Zentrum - oder etwas parabelhafter Denis Côté in „Hygiène sociale“. Und auch das österreichische Filmschaffen ist heuer wieder vertreten, finden sich doch sechs Langfilme aus heimischer Produktion im Programm. Dazu gehört etwa Sebastian Meises gerade eben zum Auslandsoscar eingereichtes Drama „Große Freiheit“ oder „Beatrix“ vom Regieduo Milena Czernovsky und Lilith Kraxner.

Der traditionelle Festivaltrailer stammt heuer vom britischen Filmemacher Terence Davies. Dieser lässt in dem einminütigen Werk „Buy Why?“ einen jüngeren Mann eine Stiege erklimmen, bevor sie ein älterer herabsteigt, während Davies aus dem Off über das Leben und die Vergänglichkeit philosophiert. Und die Viennale belässt es nicht bei dem Trailer, sondern widmet dem 75-Jährigen auch eine Monografie. Dabei sind unter den zehn Arbeiten seine jüngeren Literaturverfilmungen wie „The House of Mirth“ oder „A Quiet Passion“ ebenso zu finden wie seine neueste Arbeit „Benediction“ aus 2021. Die zweite Monografie widmet sich in Zusammenarbeit mit dem Filmarchiv Austria indes dem Oeuvre von Henrik Galeen, einem der Großmeister des Weimarer Gruselkinos, der an Klassikern wie „Nosferatu“ mitschrieb oder als Regisseur etwa „Der Student von Prag“ verantwortete.

Eine „Kinematografie“ ist hingegen dem italienischen Filmemacher Fabrizio Ferraro vorbehalten, von dem unter dem Titel „Gedanke und Vorstellungskraft“ sieben Filme gezeigt werden. Die dritte Retrospektivenschiene „Historiografie“ ist der kubanischen Regievorreiterin Sara Gómez, die als erste Kubanerin einen Langspielfilm drehte, sowie dem spanischen Trickpionier Segundo de Chomón gewidmet.

Und schließlich ist die gemeinsam mit dem österreichischen Filmmuseum konzipierte Retrospektive heuer als Hommage an den legendären, wienstämmigen Filmwissenschafter und -kritiker Amos Vogel angelegt, der heuer 100. Geburtstag gefeiert hätte und deshalb auch in seiner Wahlheimat New York gewürdigt wird. Unter dem Titel „Film as a Subversive Art“ sollen dabei jedoch nicht von Vogel gepushte Werke gezeigt werden, sondern die Auswahl von sechs Kuratierenden, die seinem Credo vom Film als Medium der Vielstimmigkeit, des politischen Bewusstseins und der ästhetischen Sprengkraft folgten. Man wolle Vogel als Advokaten dafür zeigen, dass Film immer gesellschaftlich wirke, so Filmmuseumsdirektor Michael Loebenstein.

Und nicht zuletzt soll das Kurzfilmschaffen bei der Viennale eine prominentere Rolle bekommen. 42 Kurz- und Mittellangfilme sind heuer programmiert, um dem Genre mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen. So laden heuer acht Kurzfilmprogramme die Liebhaber des Kurzen.

All das und mehr kann heuer in einer „Viennale Bar“ besprochen werden. In der Falkestraße 5 in der Innenstadt lädt man täglich bei freiem Eintritt ab 16.00 Uhr zu Diskussionen mit Festivalgästen oder DJ-Runden am Abend. So ist hier etwa am 24. Oktober eine von Viennale-Chefin Eva Sangiorgi geleitete Diskussion mit anderen Intendanten wie Berlinale-Direktor Carlo Chatrian unter dem Titel „Festivals on Festivals“ angesetzt.

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