Gerda Ridler will „klares Profil“ für die Landesgalerie NÖ

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Eine Profilschärfung durch stärkere Berücksichtigung der Bestände der Landessammlung in den Ausstellungen sowie eine Adaption von Architektur der Innenräume und Besucherführung - das hat sich die neue künstlerische Direktorin der Landesgalerie Niederösterreich, Gerda Ridler, vorgenommen. Die Kunsthistorikerin wird am 1. Jänner 2022 in Krems auf Christian Bauer folgen und am 17. November im Wiener Museumsquartier ihre Pläne vorstellen. Mit der APA sprach sie über ihre Vision.

„In fünf Jahren soll sich die Landesgalerie in die erste Riege der Kunstmuseen in Österreich einreihen“, lautet Ridlers Ansage. „Meine programmatischen Leitlinien entnehme ich der großartigen Architektur des Hauses, die sich auch im Programm spiegeln muss: Dynamik, Bewegung, Innovation und Wagemut!“ Abseits solcher gut klingenden Begriffe hat die gebürtige Mühlviertlerin, die seit 2020 Präsidentin des Salzburger Kulturvereins ist, jedoch etwas anders klingende Vorgaben mitbekommen: „Ich habe die Aufgabe, ein klares Profil zu entwickeln und das künstlerische Programm zu schärfen. Der Vorteil ist: Dadurch, dass es sich um eine junge Institution handelt, gibt es noch keine ausgetretenen Pfade.“ Aber einen Gründungsdirektor, der offenbar bei der Niederösterreichischen Kulturwirtschaft GesmbH (NÖKU) in Ungnade gefallen ist. Bauers Vertrag wurde nicht verlängert.

Sein Programm sei zu wenig auf die landeseigenen Sammlungen eingegangen und habe zu stark Privatsammlungen einbezogen, heißt es. Dass nun ausgerechnet eine Fachfrau, deren Studie „Privat gesammelt - öffentlich präsentiert“ laut ihrer eigenen Homepage „zur Standardliteratur über Privatsammlungen“ gehört, die in Deutschland ein Privatmuseum geleitet und die den Industriellen Heinz Josef Angerlehner beim Aufbau eines privaten Kunstmuseums beraten hat, einen Kurswechsel vollziehen soll, ist nicht ohne Ironie. Doch als wissenschaftliche Direktorin des Oberösterreichischen Landesmuseums hat Ridler 2013 bis 2018 ohne Zweifel auch Erfahrung im Umgang mit Landessammlungen gesammelt. Die über 90.000 Werke umfassende und in St. Pölten untergebrachte Kunstsammlung des Landes Niederösterreich sei „in ihrer musealen Qualität beachtlich“, versichert sie. „Ich war hoch erfreut. Die Sammlung umfasst Werke vom Mittelalter bis heute, Schwerpunkte reichen vom Biedermeier bis zur zeitgenössischen Kunst. Dieser Bestand gibt den Rahmen vor, in dem wir uns bewegen werden.“ Dabei soll ein besonderes Augenmerk auf Künstlerinnen gelegt werden, die bisher im Schatten der österreichischen Kunstgeschichtsschreibung standen: „Man kann da noch viele Entdeckungen machen.“

Dass die Bestände und ihre wissenschaftliche Erforschung genau genommen nicht zur Landesgalerie, sondern dem Land gehören, das deren Beforschung und Bewahrung unabhängig managt, sieht Ridler als unproblematisch an. Wichtiger ist ihr eine Flurbereinigung innerhalb der Kunstmeile Krems: Künftig soll die vis-à-vis gelegene und unterirdisch verbundene Kunsthalle Krems sich ganz auf zeitgenössische internationale Kunst konzentrieren, die Landesgalerie dagegen auf heimische Positionen. „Ich bin in dieser Hinsicht mit Florian Steininger (dem Leiter der Kunsthalle, Anm.) in bestem Einvernehmen.“ Internationalität will Ridler mit der Einladung an ausländische Kunstgrößen zu installativen und partizipativen Arbeiten ins Haus bringen.

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Gemeinsam mit den Planern der Landesgalerie, den Vorarlberger Architekten Marte Marte, will sie im Haus nicht nur für bessere Orientierung, sondern auch für bessere Präsentationsmöglichkeiten sorgen. „98 Prozent der Sammlung sind Gemälde. Da ist es ein Problem, wenn man keine geraden Wände hat.“ Auch die Umgebung des Museums, das mit Gefängnis, zwei Kreisverkehren und Handwerksbetrieben nicht immer einladend wirkt, möchte sie versuchen aufzuwerten. Dass sich das Ganze auch in einer positiven Besucherentwicklung niederschlagen soll, an die unter Coronabedingungen zuletzt nicht zu denken war, ist kein Geheimnis. Das Land wünscht sich 70.000 jährliche Besucher. „Diese Zahl kenne ich auch. Es ist eine hoch gegriffene Zahl. Aber hohe Ziele sind ja nichts Schlechtes. Wichtig ist nur, beim Versuch, diese Zahl zu erreichen, nicht dem Populismus zu frönen.“ Der verstärkte Rückgriff auf die Landessammlungen bedeute nämlich keineswegs per se den Verzicht auf Aktualität und gesellschaftliche Relevanz bei den Ausstellungsthemen, versichert Ridler. „Lassen Sie sich überraschen!“

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)

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