Wieder Putschversuch im Sudan - Premier festgenommen

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Im ostafrikanischen Sudan hat es Montagfrüh offenbar einen erneuten Putschversuch gegeben. Der Ministerpräsident Abdalla Hamdok sei von Angehörigen des Militärs an einen unbekannten Ort verschleppt worden, hieß es in einer Mitteilung auf der offiziellen Facebook-Seite des Informationsministeriums. Zuvor berichteten Medien über die Festsetzung Hamdoks. Internet, Mobilfunk und Teile des Festnetzes wurden lahmgelegt. Umgehend wurde zum Widerstand aufgerufen.

Der Facebook-Mitteilung des Informationsministeriums zufolge weigert sich Hamdok, den Putsch zu unterstützen, und hat die sudanesische Bevölkerung aufgerufen, „am Frieden festzuhalten und die Straßen zu besetzen, um die Revolution zu verteidigen“. Mitglieder der Übergangsregierung und mehrere Minister seien ebenfalls festgenommen worden, hieß es. Das Militär habe die Zentralen von Radio- und Fernsehsendern in Omdurman nahe der Hauptstadt Khartum gestürmt und dort Mitarbeiter festgenommen. Wichtige Brücken sollen gesperrt sein.

Nach Angaben der britischen Organisation Netblocks, die weltweit Internetsperren dokumentiert, sind seit Montagfrüh das Internet, das Mobilfunknetz und Teile des Festnetzes gestört. Der Gewerkschafts- und Berufsverbändebund Sudanese Professionals Association rief auf Facebook zum Widerstand auf. Auch über die Lautsprecher der lokalen Moschee sei zum zivilen Widerstand aufgerufen worden, sagte ein Augenzeuge.

Nach Angaben des Augenzeugen war es Montagfrüh im Khartumer Wohnviertel Riad ruhig. Berichten zufolge sollen Demonstranten Reifen verbrennen; der Himmel habe sich schwarz verfärbt, sagte der Augenzeuge. Eine nahe gelegene vierspurige Straße sei von Demonstranten mit Steinen und Reifen blockiert worden.

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Die USA zeigten sich nach den ersten Berichten über den Umsturzversuch „zutiefst alarmiert“ und drohten mit der Aussetzung von Hilfsgeldern. Ein gewaltsamer Umsturz würde die demokratischen Bestrebungen des sudanesischen Volkes untergraben und sei „vollkommen inakzeptabel“, schrieb der US-Sondergesandte für die Region, Jeffrey Feltman, auf Twitter. Auch der Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für Sudan, Volker Perthes, zeigte sich in einer Mitteilung „zutiefst besorgt“ und rief beide Seiten zum Dialog auf. Der deutsche Außenminister Heiko Maas erklärte, ein erneuter Putschversuch sei „klar zu verurteilen“.

Der Ton zwischen zivilen Mitgliedern der Übergangsregierung und dem Militär war in den vergangenen Wochen immer schärfer geworden. Nach Regierungsangaben kam es bereits am 21. September zu einem Putschversuch. Seither hat sich die politische Lage im Sudan weiter zugespitzt. Seit Wochen gibt es immer wieder Proteste. Demonstranten verlangten den Rückzug des Militärs aus der Regierung und demokratische Reformen.

Der Sudan wurde fast 30 Jahre lang von Omar al-Bashir regiert. Der Langzeit-Machthaber wurde im April 2019 durch monatelange Massenproteste und einen Militärputsch aus dem Amt getrieben. Daraufhin einigten sich das Militär und die zivile Opposition auf eine gemeinsame Übergangsregierung, die den Weg zu Wahlen ebnen sollte.


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