Licht, Lärm und Nebel: „The Lighthouse“ in der Wiener Kammeroper

  • Artikel
  • Diskussion

Der Horror, der sich im gleichnamigen Film von Robert Eggers erst langsam aufbaut, geht in der Oper von Peter Maxwell Davies schneller über die Bühne: Die Kammeroper, Dependance des Theater an der Wien, zeigte am Donnerstagabend die Premiere von „The Lighthouse“. Ein kurzweiliger Abend, nicht bloß der 75 Minuten wegen, sondern dank einem Gespür für das Wesentliche, dem gekonnten Einsatz von Licht, Lärm und Nebel und überzeugender Besetzung.

Angelehnt an eine wahre Begebenheit geht es um das mysteriöse Verschwinden dreier Männer, die wochenlang im Leuchtturm isoliert auf Ablöse warteten. Drei Offiziere eines Versorgungsschiffes (Andrew Morstein, Timothy Connor, Johannes Schwendinger) gelangen schließlich zur Insel und versuchen zu rekonstruieren, was geschah.

Die Offiziere widersprechen sich mit ihren Erinnerungen an das Eintreffen auf der verlassenen Insel. Die mit orangenen Anzügen bekleideten Männer zeichnen jedoch gleichermaßen ein Bild des Unheilvollen: „Das Meer sah aus wie eine tote Fläche aus Blei“. Auf der Bühne (Martin Zlabinger) wurde eine schwarze Wand aufgezogen - mittig eine runde Öffnung. Durch diese bekommt man einen Blick auf den Leuchtturm, der dank sich lichtendem Nebel Gestalt annimmt.

Das bedrohliche Spielen des Wiener Kammerorchesters begleitet die Offiziere bei ihrer Suche nach Antworten auf das Rätsel, bis das Publikum durch einen grellen Scheinwerfer (Franz Tscheck) geblendet wird - passend zur eskalierenden Kakophonie des Orchesters - und es auf einmal wieder dunkel und still ist. Der Vorhang hebt sich wieder, durch die runde Öffnung blickt man nun auf die Leuchtturmwärter selbst: Arthur (Johannes Schwendinger), Sandy (Andrew Morstein) und Blazes (Timothy Connor). Das eingeengte Sichtfeld auf die Wärter vermittelt subtil die eingeengten Wohnverhältnisse im Leuchtturm.

Jetzt eine von drei Tourenrodel oder Lunch-Set gewinnen

TT-ePaper 4 Wochen gratis ausprobieren, ohne automatische Verlängerung

Die drei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten, vertreiben sich die Zeit mit Kartenspielen und Streiten. Im Hintergrund ermöglicht ein Bildschirm den Ausblick auf ein stürmisches Meer. Abwechselnd singen die Leuchtturmwärter je ein Lied zur Aufmunterung - ohne Erfolg. Vor allem Blazes wird von den Geistern seiner Vergangenheit geplagt. Arthur predigt von einem zornigen Gott und Sandy vermisst seine Liebste. Am Höhepunkt des Sturms beten die drei gemeinsam um Hilfe. Das Quietschen, Knacken und Hämmern, die trillernden Trompeten werden immer lauter. Die schrillen Flöten klingen wie Schreie - bis abermals Dunkelheit und Stille einkehrt.

Von der Seite der Bühne erscheinen wieder die drei Offiziere - in Unterhemden und blutverschmiert. „Die Wärter sind weg. Mehr wissen wir nicht.“ Mit diesem Satz endet der Abend, der keine Antwort auf das Rätsel der verschwundenen Leuchtturmwärter liefert, aber beweist, wie Licht und Schatten, Getöse und Stille mit einer simplen Bühnenkonstruktion kombiniert werden können, um Unbehagen zu vermitteln.

)


Kommentieren


Schlagworte